Telekom Austria: Generationswechsel der Führung soll Festnetzbereich beleben

Hannes Ametsreiter hat als neuer Boss der Telekom-Festnetzsparte im Weihnachtsgeschäft einen Achtungserfolg erzielt. Die harte Arbeit auf den großen Baustellen geht aber erst 2009 richtig los.

Im Alltag von Hannes Ametsreiter hat die „Konvergenz“ – technologisch meint sie das Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk – noch nicht so richtig Einzug gehalten. Seinen Job verrichtet er in zwei Büros in Wien: Als mobilkom-Marketingvorstand residiert er nach wie vor in der Oberen Donaustraße. Als neuer Boss der Festnetzsparte werkt er parallel dazu auch im Telekom-Hauptquartier in der Lassallestraße. Erreichbar ist er hauptsächlich über seine mobile Rufnummer, aber zuhause steht alles, „was das Festnetz zu bieten hat“, wie er betont: „Alarmanlage, Fernsehen, drahtloser Internetzugang, Sprachtelefonie und Fax verwende ich.“

Begrenzung des Kundenschwunds
Den Festnetz-Spitzenjob „erbte“ Ametsreiter, weil ihm schon zuvor die Vermarktung von aon TV (Fernsehen via Telefonkabel) übertragen wurde. Dieses Angebot dümpelte lange dahin, bis der Salzburger die Sache in die Hand nahm und die Anmeldezahlen steil nach oben gingen. Die Tatsache, dass das Festnetztelefon für große Bevölkerungsteile ausgedient hat, wird aber auch er nicht ändern können – das weiß der Manager, der bislang ein eingefleischter Mobilfunker war. Im abgelaufenen Jahr gingen „nur“ mehr 97.600 Festnetzanschlüsse verloren statt 208.200 im Jahr 2007 (siehe Grafik ). Schon das ist ein echter Erfolg. Dass im Weihnachtsgeschäft netto sogar 2.580 Anschlüsse dazukamen, feiert Ametsreiter als „historischen Etappensieg für das Festnetz“.

Ärger über Kabelbetreiber
Mit aggressiv kalkulierten Kombipaketen (Internet, TV, Handy, Festnetztelefonie) holt die Telekom Kunden von den alternativen Anbietern zurück, und Ametsreiter will auf diesem Weg weitermachen. Der Marketingexperte weiß, dass sich Festnetz nur mehr als Internet und TV-Zugang verkaufen lässt: „Wir setzen auf Geschwindigkeit und Bandbreite, die sind im Festnetz garantiert.“ Fixe Bandbreiten und ein Netz mit hoher Kapazität gibt es aber auch im TV-Kabelnetz, beim größten Konkurrenten UPC Telekabel. Der hat die Telekom in der Vergangenheit massiv attackiert. Ametsreiter macht seinem Ärger Luft: „Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Kabelnetzbetreiber nicht reguliert werden, wir hingegen extrem scharf.“

"Internet ist Infrastruktur"
Er fordert ein Umdenken auf politischer Ebene und äußert Unverständnis über einen kürzlich ergangenen Entscheid des Verwaltungsgerichtshofes, der die geplante Entlassung des Ex-Monopolisten aus der Wettbewerbsaufsicht in Ballungsgebieten rückgängig macht. „Damit das Festnetz überhaupt eine Chance hat zu überleben, ist politischer Wille gefordert und ein Blick auf das große Ganze. Internet ist Infrastruktur wie eine Autobahn.“ Ob die öffentliche Hand den weiteren Glasfaser-Ausbau bei der Telekom als Teil des staatlichen Infrastrukturpakets mitfinanzieren soll, will Ametsreiter nicht kommentieren – „solange es noch keine Regulationsrichtlinien gibt“. Aber Telekom-General Boris Nemsic hat schon vor Monaten gedroht, nur zu investieren, wenn die Regulierung gelockert wird. Das wird zurzeit von Politik, Telekom-Aufsichtsbehörde und diversen Lobbyingverbänden sondiert.

Hilfe vom Staat  
Die Modernisierung der Telekom-Infrastruktur – gemeinhin als Next Generation Network bezeichnet – wird in jedem Fall teuer. Zwischen 400 Millionen und 1,5 Milliarden Euro soll das Projekt verschlingen, je nach der gewählten Ausbau-Variante für den Datenhighway. Ohne staatliche Hilfe wird es eine flächendeckende Versorgung nicht geben.
Ametsreiter hat von seinem im Sommer zurückgetretenen Vorgänger Rudolf Fischer aber nicht nur diese Baustelle geerbt. Nervenaufreibende Verhandlungen stehen auch mit dem Personal an: 9.500 Personen sind im Festnetz beschäftigt, mit 7.000 will man das Auslangen finden.
Seine eigene Kernmannschaft hat sich Ametsreiter in den letzten Wochen ausgesucht Mit Walter Goldenits (Technik) und Gernot Schieszler (Finanzen) ist der Vorstand mit Enddreißigern besetzt. Das gesamte Team ist verjüngt und mit etlichen Leuten aus der mobilkom bestückt.

Zum Kunden nach Hause kommen
Die eingeschworene Führungscrew wird aber auch umdenken müssen: Denn bei einem Mobilfunker kommen die Kunden ins Geschäft, beim Festnetz muss man zu ihnen nachhause kommen, bringt ein Kenner die unterschiedlichen Zugänge auf den Punkt, die sich nicht immer automatisch in „Kombi-Paketen“ abbilden lassen. Zur Offensive im Firmenkundengeschäft (Firmennetzwerke, Sicherheitslösungen und Software) hält sich Ametsreiter noch bedeckt: „Wir sind in der Analyse-Phase und untersuchen, wo die Wachstumspotenziale liegen.“
Gerissen hat sich Ametsreiter um den Sessel des Festnetz-Chefs nicht, und er weiß, dass ihn nicht viele Telekom-Manager darum beneiden. Trotzdem spricht er diplomatisch von einer „Herausforderung“.

Portrait Hannes Ametsreiter:
Hannes Ametsreiter, 41, startete 1996 seine Laufbahn bei der mobilkom im Produktmanagement. Später wurde der gebürtige Salzburger dort Marketingvorstand. Mit Jahreswechsel rückte er in den Vorstand der Telekom Austria Group auf und ist nun auch für das Festnetz verantwortlich. Damit steht dem Vater einer Tochter ein Knochenjob bevor: Er soll den dramatischen Kundenschwund stoppen und Personal abbauen.

Von Miriam Koch und Barbara Mayerl

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