T-Mobile & Orange gehen Netzwerk-Partnerschaft ein

Mit europäischen Einkaufsgenossenschaften und lokalen Netzwerk-Partnerschaften bauen die deutsche und die französische Telekom an einer gemeinsamen mobilen Zukunft.

Monatelang hatten sie ihre Liaison öffentlich bestritten, dabei ging es hinter verschlossenen Türen schon zur Sache. Am 18. April bekannten sich die beiden Mütter endlich offiziell zur neuen Verbindung. Deutsche und französische Telekom machen gemeinsame Sache bei ihren Mobilfunktöchtern T-Mobile und Orange – und das auch in Österreich.

Als „intelligente Branchenkooperation“ preist man die neue Achse. Zwei Sitze soll das europäische Gemeinschaftsunternehmen haben, halbe-halbe läuft das zwischen Paris und Bonn. Handys, Netztechnik, Serviceplattformen und IT-Ausrüstung werden künftig gemeinsam angeschafft. Statt der Verlobungsphase testet man in vier Pilotprojekten die Beziehungsfähigkeit.

Der Grund für diese Vernunftehe ist primär ein pekuniärer. Der nächste Technologie-Sprung muss finanziert werden. Und das explosionsartige Datenwachstum – derzeit verdoppelt (!) sich das Datenaufkommen im Jahresrhythmus – muss abgewickelt werden, zu betriebswirtschaftlich sinnvollen Kosten.

Die Beratungsfirma Arthur D. Little schätzt die Ausgaben für die technische Aufrüstung auf 14 Milliarden Dollar bis 2015, weltweit. Das ist nicht einmal ein Drittel dessen, was die deutschen Mobilfunker vor zehn Jahren allein für Lizenzen ausgaben. Angesichts rückläufiger Verbraucherpreise „schmerzen“ die anstehenden Investments die Betreiber heute aber fast mehr. „Wir laufen bei voller Geschwindigkeit. um stillzustehen“, kommentiert Orange-Österreich-Chef Michael Krammer. Anders gesagt: Das mobile Breitband kommt die Netzbetreiber richtig teuer.

Für Frequenzen und Ausrüstung müssen für die vierte Mobilfunkgeneration (LTE) 50 Euro pro Einwohner ausgegeben werden, hat Arthur D. Little errechnet. Das wären auf Österreich umgerechnet 400 Millionen Euro pro eigenes Netz. Geschäftsführer Karim Taga: „Es ist vernünftig, dass die Netzbetreiber nach einer Reduktion der Investitionskosten suchen.“ Vom Technologie-Ansatz her ist LTE für eine Kombination mit anderen Netzwerktypen grundsätzlich besser geeignet. Taga: „Network Sharing ist der große Trend im Mobilfunk.“

Mit einer gemeinsamen Bewirtschaftung der Basisstationen sparen sich die Betreiber 30 bis 40 Prozent der Investitionskosten und bis zu ein Fünftel der Betriebskosten. „Es gibt in jedem Land das eine, beste Paar dafür“, sagt Taga.

In Österreich sind das T-Mobile und Orange, die bereits am Vollzug ihrer Netz-Ehe arbeiten, vorerst noch in der dritten Technologiegeneration (3G). Am 21. April stellten die beiden ihre Vereinbarung zur gemeinsamen Nutzung der Basisstationen vor, die ihnen auf dem Land ein besseres Netz bringen soll. Ein kluger Schachzug: Denn in Netz-Tests war Marktführer A1 bislang stets klarer Sieger, und auch der viertgrößte Betreiber, 3, hatte seinen Fokus beim Netzausbau schon länger auf die Provinz gerichtet – mit Erfolg.

Die technischen Tests laufen, ab Herbst 2011 sollen die Kunden die verbesserte Netzabdeckung spüren. Dienste, Produkte und Netz-Kontrolle will man strikt getrennt halten, das ist mobile Gütertrennung. Der Blick in die gemeinsame Zukunft ist optimistisch. „Jeder von uns erhöht seine Netzabdeckung um etwa zehn Prozent“, sagt T-Mobile-Boss Robert Chvátal. Sein oranges Pendant Krammer beziffert das „jeweilige Einsparungspotenzial mit rund 30 Millionen Euro“.

Mobile Partnerbörse

Kalkuliert und geprüft wird bei etlichen der 180 Netzbetreiber weltweit. Partnerschaften auf Zeit gibt es seit Jahren. Schon beim Ausbau der UMTS-Netze zeigten sich die Netzbetreiber aufgeschlossen. Die Infrastruktur in den ländlichen Gegenden Spaniens teilen sich Vodafone und Orange seit Jahren. In Großbritannien stecken sogar drei Firmen (T-Mobile, 3 und Orange) in einer UMTS-Netz-Gemeinschaft.

Die deutsche und die französische Telekom beschränken sich aber nicht nur auf Einkaufsgemeinschaften und Netz-Ehen. Das 2009 in Großbritannien gegründete Joint Venture zwischen Orange und T-Mobile, das den Namen „Everything Everywhere“ trägt, ist bereits einen Schritt weiter integriert, und das durchaus mit Friktionen. Neben einem ungeschickten Mitarbeiterabbau (mögliche Doppelbesetzungen wurden mit einem Ampelsystem angezeigt) gingen im letzten Dreivierteljahr eine Million Wertkartenkunden verloren und der Vorsteuerertrag brach dramatisch ein. Everything-Everywhere-Boss Tom Alexander ist mit den Ergebnissen angesichts des Integrationstempos dennoch zufrieden.

Auf Spekulationen, wer nach der 18-monatigen Schonfrist für die beiden Marken übrig bleibt oder am Ende vielleicht gar den anderen übernimmt, wollte er sich gegenüber dem „Telegraph“ nicht einlassen. Von den 16.000 Angestellten im UK haben 1.200 ihren Job verloren.

Selbst wenn die österreichische Allianz in ihrer Anlage nicht so tief greift, werden mittelfristig auch in Österreich sicher nicht alle 2.200 Mitarbeiter (1.400 T-Mobile / 800 Orange) zu halten sein. Sprechen Sie jetzt … oder schweigen sie für immer. Ein Einspruchsrecht gegen diese Verbindungen haben Aufsichtsbehörden und Kartellwächter auf nationaler wie europäischer Ebene. Eher selten, aber doch, machen sie davon auch Gebrauch. Die Kartellwächter kippten im Juni 2010 eine geplante Fusion der Schweizer Betreiber Orange und Sunrise. Geben die Regulatoren grünes Licht, ist mit dem richtigen Partner meist auch die Marktführerschaft verbunden, etwa im UK.

Die Bundeswettbewerbsbehörde und der Regulator sind über die österreichische Netz-Ehe informiert, von einer Zustimmung ist auszugehen. Im Positionspapier formuliert der Regulator seine Hoffnungen zu Infrastruktur-Gemeinschaften: „Die Partner können eine höhere Reichweite in der Bevölkerung bei geringeren Kosten erzielen.“ Ob das in der Realität auch so ist, wird genau geprüft.

Berater empfehlen den potenziellen Partnerschaftskandidaten, in jedem Fall Ausstiegsszenarien zu entwerfen. Arthur-D.-Little-Mann Taga sagt: „Das Risiko, bei einer Trennung mit einem halben Netz dazustehen, muss von vornherein ausgeschlossen werden.“ Gütertrennung und Übergangsregelungen machen gerade auch bei mobilen Vernunftehen Sinn.

– Barbara Mayerl

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