Stabile Großwetterlage mit ersten Regen-
wolken: Die Finanzkrise erreicht die IT-Branche

Die Finanzkrise lässt die IT-Branche nicht ungeschoren. Wen es wie erwischt, welche Chancen es gibt und warum der Konsument entscheidet.

Die Finanzkrise ist in der IT-Branche angekommen. Betroffen sind alle irgendwie, allein die Nachrichten sind so unterschiedlich und unbe­rechenbar wie die Börsenlage. SAP war eine der Ersten, die im September „eine schlagartige Verschlechterung des Marktes“ erkannte, einen Aufnahmestopp verhängte und die Forecasts revidierte. Dieser Tage reißen Nachrichten massiver Jobcuts aus den USA nicht ab. Die Bosse schwanken zwischen demonstrativem Optimismus („Apple mit Rekordgewinn“) und pragmatisch-realistischen Einschätzungen („Auch wir sind nicht immun“, sagte Microsoft-Großkundenvorstand Simon Witts). Hinter den Kulissen werden die Forecasts aber schon empfindlich nach unten korrigiert. „Die Kunden sind vorsichtiger geworden“, sagt ACP-Vorstand Michael Schönrock.

Abhängige der Finanzindustrie
Hart treffen wird es vor allem jene, die die Finanzindustrie bedienen. In den USA sind die Banken und Versicherer mit 18 Prozent des Marktes die wichtigsten IT-Kunden, laut Forrester Research. Oracle-Chef Helmut ­Eichert hört von seinen Finanzkunden jetzt immer öfter, dass Projekte „aus aktuellem Anlass“ aufgeschoben werden. Schlaflose Nächte kostet ihn das nicht, „denn in Zeiten der Krise gehen die Kunden verstärkt auf Sicherheit. Sie wählen Anbieter, von denen sie annehmen, dass die morgen noch da sind.“

Nottaste in Russland
Gelassen gibt sich auch s&t-Vorstand Christian Rosner. Er konzediert zwar auch, „dass bestimmte Projekte geschoben werden“, sieht aber gerade das durch langfris­tig angelegte Verträge gesicherte Outsourcing-Geschäft „unberührt“. Die Entwicklungen in Osteuropa traut er sich nicht einzuschätzen, da die Märkte unter sehr „unterschiedlichen Einflüssen und Entwicklungen stehen“. Einzig Russland sei der Markt, wo umgehend und kollektiv die Nottaste gedrückt worden ist. Rosner: „So schnell wie sie am Investieren waren, so schnell haben sie das abgedreht.“

Die positiven Momente
Doch es ist nicht alles schlecht in der Krise, denn auf einmal stoßen die Dienstleister mit Themen auf offene Ohren, die vorher weniger Zuhörer fanden. Oracle-Mann Eichert ortet erhöhtes Interesse an „Compliance- und Governance-Themen“, Kontroll- und Steuerungssoftware ist gefragt wie nie. Und Günter Hainisch vom PC-Hersteller Lenovo sieht das Interesse an Green IT schlagartig gestiegen. „Kostensparen dank Energiemanagement ist jetzt noch interessanter“, sagt er. In der Krise teilt sich auch die Spreu vom Weizen. Wer Hardware kauft, „legt wieder mehr Wert auf Qualität und sucht Produkte, die lange leben und günstig im Verbrauch sind“, so Hainisch.

Bewegung im Stillstand
Nachhaltige Auswirkungen wird die Finanzkrise auf die Konsolidierung des Marktes haben. Wer zu schmal aufgestellt ist und nur von wenigen Kunden abhängt, könnte bald in Bedrängnis kommen. Gut für die, die für Übernahmen zurzeit nicht unbedingt ihre Bank brauchen, denn sie können unter Mitbewerbern sprichwörtlich wählen. s&t-Chef Rosner hat erst vor wenigen Tagen jemanden getroffen, der „vor ein paar Monaten nicht einmal mit uns reden wollte“. Im Stillstand bewegt sich also etwas. Auch ACP-Vorstand Michael Schönrock flattern die Angebote verkaufswilliger Firmen praktisch täglich auf den Tisch. „Wenn sich eine gute Chance ergibt, ergreifen wir die.“

Kauflust der Privaten
Ziemlich entscheidend für die Gesamtverfassung der Branche wird die Kauflust der Privaten sein. Die IT-Branche ist stärker als früher vom Consumer-Geschäft abhängig. Die Reaktionen an der Technologiebörse Nasdaq in den letzten Wochen zeigten, dass der Aktienkurs umso stärker einbrach, je näher die Firma am Privatgeschäft dran ist. Dieses Jahr wurden 44 Prozent der Computer von Privaten gekauft, vor zehn Jahren waren es erst 29 Prozent, errechneten IDC-Analysten.

Inflationsdämpfer Technik
Dass heimischen Konsumenten die Lust auf Technik total vergeht, ist vorerst nicht anzunehmen, schließlich wirkt die Technik in gewissem Sinne inflationsdämpfend. „In der breiten Mittelschicht sehen wir Tendenzen zum Cocooning. Man fährt weniger auf Urlaub, geht weniger essen“, sagt Loewe-Chef Hannes Lechner. „Zuhause wird weiter investiert, und da nicht in Massenprodukte, sondern eher Premiumware wie Designer-Couch und Flat-TV.“ Richtiggehend happy ist Sony-Ericsson-Chefin Andrea Gaal: „Das Weihnachtsgeschäft ist sehr gut angelaufen. Wir erwarten bis Jahresende keine Trendumkehr dieser positiven Entwicklung.“

Von Barbara Mayerl

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