Software-TREND: Die Welt in einer Wolke – Cloud Computing verändert den Vertrieb

Alles marschiert in Richtung Web und die Software-Branche in ein neues Zeitalter. Die Intelligenz der einzelnen Maschine wird weniger wichtig, dafür steigt die kollektive in den Rechenzentren.

Der dickliche Brillenträger mit schlecht sitzendem Sakko erklärt dem feschen Typ im Freizeitlook seine Welt. Der Bürohengst hat natürlich einen PC mit Problemen und der Feschak selbstverständlich den coolen Apple. Mit diesen Stereotypen macht Apple seit Jahren geniale Werbung. Doch 2008 schlug Microsoft zurück, mit der millionenschweren Imagekampagne „I am a PC“, und diesmal dürfen sich die Vertreter der PC-Fraktion – Nutzer aus aller Welt – als die Lässigen und Dynamischen präsentieren.

Browser als Plattform
Doch während sich Microsoft und Apple Marketingschlachten liefern, schickte sich im Hintergrund ein Dritter an, fast unbemerkt ein neues Zeitalter einzuläuten: Google – noch in Diskussionen um Datenschutz und Suchmaschinen verstrickt – begann heimlich, still und leise die etablierten Strukturen zu unterminieren. Das Ergebnis wird 2009 zum ersten Mal sichtbar sein: Das Leben wandert in die Internetwolke. Der Internetbrowser wird zur Plattform, und mit „Chrome“ haben sie sich gleich selbst einen gebaut. Die Windows-Welt wird erstmals einen echten Konkurrenten bekommen. Und Microsoft in­vestiert sehr viel, um hier nicht den ­Anschluss zu verpassen.

Credo Kosteneinsparung
Die Software-Trends werden den unruhigen wirtschaftlichen Zeiten folgen. Im Großen und Ganzen bedeutet dies, Einsparungspotenziale zu erkennen und neue Möglichkeiten sowie die installierten Produkte bestmöglich zu nutzen. Sehr große Bedeutung wird im kommenden Jahr wieder der „Virtualisierung“ zukommen, also der möglichst effizienten Ausnutzung der Systeme. Hier werden neue Anwendungen über Plattformgrenzen hinweg verwaltbar gemacht – und damit günstiger. Die damit verbundenen Kosteneinsparungen sind auf den Listen der IT-Manager sehr weit oben zu finden, meinen die Marktforscher von Gartner.

Alles schwebt auf der Wolke  
Das Wort des Jahres 2009 könnte allerdings „die Wolke“ werden. Nach dem größten Strategiewechsel in der Geschichte von Microsoft scheint das neue Jahr nun erstmals bereit für das sogenannte „Cloud Computing“. Die Idee ist nicht neu, werden doch Ansätze aus den Bereichen Outsourcing, Grid Computing und Thin Clients miteinander verbunden, um es Anwendern zu ermöglichen, sich vom klassischen Bürorechner zu lösen. Gartner-Chef Manfred Troger schreibt der Technologie „erhebliches Potenzial“ zu. Und beschreibt sie als „Industrialisierung der IT“.

Internet rückt ins Zentrum
Nicht mehr das installierte Betriebssystem oder die eingesetzte Hardware soll die zentrale Rolle spielen, sondern das Internet. Unternehmen sollen ihre Anwendungen und Daten in riesigen Datenzentren laufen lassen, die Anwender greifen über die „Wolke“ Internet auf diese zu. „Wir sehen die Wahl allerdings nicht dogmatisch: Es wird Cloud Computing und den klassischen Desktop geben. Kunden und Partner entscheiden selbst“, sagt Werner Leibrandt von Microsoft. Diese Entwicklung wird auch die Hardware nicht unbeeinflusst lassen. Billigere und kleinere Geräte – wie die boomenden Netbooks – sind die passende Hardware für solche Strategien. Denn dafür braucht es nur mehr abgespeckte Betriebssysteme. Dass Microsoft mit Windows 7 – dem Nachfolger von Vista – früher auf den Markt kommt und das neue „7er“ auch auf Netbooks laufen soll, ist genau diesem Trend geschuldet.

Widows Azure
Mit der im Sommer erstmals angekündigten Plattform „Windows Azure“ folgt Microsoft Anbietern wie Google, Amazon, IBM oder Salesforce.com, die schon seit einiger Zeit das Auslagern in die Wolke propagieren. Bislang fehlte jedoch die Unterstützung und damit die Nutzerbasis. Das soll sich 2009 dras­tisch ändern. Kritiker orten jedoch bei Unternehmen vor allem im Bereich des Datenschutzes noch gewisse Vorbehalte, und da sind die Europäer traditionell sensibler als die Amerikaner.

Logischer Schritt
Doch scheint eine Verbindung von lokalen Anwendungen und webbasierenden Applikationen der logische nächste Schritt in der IT zu sein. Auch das bekannte „Software und Service“-Thema wird hier weiter fortgesetzt. Die Firmen sollen ihre PC-Programme um Online-Angebote erweitern und dem Einsatz mobiler Technologien weiter Vorschub leisten. Einen wesentlichen Beitrag zum Zusammenwachsen von unterschiedlichen Plattformen und Endgeräten werden offene Standards und Open-Source-Software leisten. „Open-Source-Lösungen bieten heute dieselbe professionelle Funktionalität wie kommerzielle Lösungen, jedoch ohne die meist sehr ­hohen Lizenzkosten und zu geringeren Wartungsgebühren“, sagt Michael Kalaus vom Open-Source-Spezialisten it-novum. „Und die Abhängigkeit von einem Lieferanten ist weniger stark. Die Firmen-IT bleibt flexibler.“

Vernetzen und Verbinden
Die zu verarbeitenden Informationen wachsen weiter, gerade durch den „User Generated Content“, wie IBM-Softwareexperte Andreas Stejskal betont: „Die neuen Aspekte in der Kollabora­tion ergeben sich aus der notwendigen Öffnung nach außen. Web 2.0 und die Einbindung von mobilen Geräten stellt Firmen vor neue Herausforderungen.“ Und die werden 2009 auch durch die Wolke nicht weniger. Für die Nutzer steht die „Wolke“ nun offen – ob sie akzeptiert wird, steht noch in den Sternen.

Von Gregor Kucera

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