Social und Mobile Commerce: Was Internet-Shops heute können müssen

E-Commerce war gestern. Wer online mehr verkaufen will, muss Social und bald auch Mobile Commerce beherrschen.

Palmers eröffnete am 10. März seine wichtigste Filiale neu. Die Umbauarbeiten hatten Monate gedauert. Statt Ladentischlern und Schaufensterdekorateuren legten Benutzerfreundlichkeitstester und Programmierer Hand an. Von der passenden Ansprache bis zu vertrauensbildenden Maßnahmen bei der Kassa – nichts wurde dem Zufall überlassen.

Der Aufwand ist gerechtfertigt, denn dieser Ableger hat das Potenzial Laufkundschaft anzuziehen, von der die anderen Filialen nur träumen können. Sonja Höretzeder, zuständig für E-Commerce und Online-Marketing beim grünen Wäscheriesen, zur Strategie: „Bislang erreichten wir den Umsatz einer gut gehenden stationären Filiale. Mittelfristig sollen bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes online hereinkommen.“

Die Ausgangslage ist gut, schließlich zählt die Statistik Austria immer mehr Österreicher, die ihre Einkaufswagerln elektronisch schieben. Vier Millionen Österreicher gaben zuletzt fünf Milliarden Euro aus, testiert die KMU-Forschung. Die gute Nachricht: Breitbandanschlüsse und multimediale Präsentationsmöglichkeiten erlauben Produktpräsentationen, die vor fünf Jahren undenkbar waren. Die schlechte Nachricht für Shopbetreiber: „Positionierung und Vermarktung sind fürs Erste wichtiger als Technik und Logistik. Egal was man heute online verkaufen will, es wird schon angeboten“, sagt Markus Höfinger von der Agentur PXP, der seit 1996 Shops baut (siehe Tipps ).

Alexander Zezula, ein anderer Pionier des österreichischen E-Handels, benennt die Herausforderung aus Betreibersicht. „Vor zehn Jahren war das Online-Geschäft reiner Verkauf. Heute muss man rund um die Uhr Service bieten und auf allen Kanälen kommunizieren.“ Der Schladminger Sporthändler hat das derart professionalisiert, dass Kunden aus aller Welt seine Brettln online kaufen. Davor haben die oft schon die Videos auf dem Bluetomato-Kanal auf YouTube gesehen oder sind einer der über 70.000-Facebook-Freunde .

Wenn Zezula in neue Märkte eintritt – zuletzt in Polen –, macht er die Marke auch gern mit Suchmaschinen-Vermarktung via Google bekannt. Er spielt gekonnt auf der Klaviatur des Social Commerce, aber nicht mit einer Heerschar von Leuten, sondern mit der Shopping-Plattform Hybris . Die Bayern gehören zu den Global Playern in dem Bereich und vermarkten ihre Produkte heute als Commerce- und Kommunikationsplattform. Analysten nennen diese Art des Verkaufens Multichannel-Vertrieb, der österreichische Hybris-Chef Gerald Lanzerits nennt es lieber Shopping 3.0: „Händler stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Heute entscheidet der Kunde, wie er den Kaufabschluss macht, und der bedient sich sämtlicher Medien.“ Omni-Shopper nennen Einkaufssoziologen die Spezies von informierten Kunden, die dank ihrem Smartphone die Preisrecherche direkt im Laden machen, bevor sie um einen besseren Preis zu feilschen beginnen und dann vielleicht auf Twitter oder Facebook eine Empfehlung abgeben.

Mobile Commerce kommt (noch)

Die Rolle des Handys ist zwar noch keine tragende, „doch das wird sich mit der Verbreitung von Smartphones und Tablets rapide ändern und die Umsätze mit diesem Sofa-Commerce in die Höhe treiben“, glaubt PXP-Mann Höfinger. Shop-System-Lieferanten wie Hybris oder deren Open-Source-Konkurrenz von Magento können Handys bereits in diese Lösungen einbinden. Sein Tipp: „Es muss nicht jeder Shop eine eigene App haben. Wichtiger ist, den Shop von Haus aus mobiltauglich zu programmieren. Das spart die Mühe, für mehrere Plattformen Apps zu bauen.“

Mit einem überschaubaren, aber gut investierten Budget arbeitet auch Georg Demmer vom gleichnamigen Teehaus auf den Relaunch seines Online-Teehauses zu. „Dem Trend der Amazonisierung müssen wir Rechnung tragen“, sagt er, „die Produktpräsentation muss heute professionell sein.“ Für Demmer ist der Teeshop schon heute die 31. Filiale und bringt bessere Umsätze als die anderen 30 im Schnitt. Beim Teeversand will Demmer jedenfalls die erste Adresse sein.

Damit auch Laufkundschaft ohne Demmer-Vorkenntnisse den Laden betritt, hat er sich die tee.at -Domain gekauft. Eine billige, aber lohnende Investition. Der Effekt bei guter Suchmaschinen-Vermarktung ist so, als würden die Massen von der Mariahilfer Straße in eine Seitengasse geleitet.

– Barbara Mayerl

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