Sang Heung Shin: „Trotzen verlangsamter Nachfrage mit neuen Technologien“

Der Samsung-Europachef legt die strategischen Überlegungen zu Produkten und Märkten dar und will mit Technologie der Krise trotzen.

FORMAT: Was unterscheidet Samsung denn eigentlich von seinen Mitbewerbern, sagen wir Sony?
Shin (lacht): Ja, ich weiß nicht, wie erfolgreich Sony ist, aber wir versuchen dem Konsumenten die richtigen Produkte zum richtigen Preis anzubieten. Wobei es nicht nur um die Kosten, sondern auch um die Ausstattung und die Qualität geht.
FORMAT: Also ist es das Preis-Leistungs-Verhältnis?
Shin: Ja, deswegen haben wir in den letzten Jahren in Europa auch einen guten Job gemacht. Das mag der große Unterschied zu unseren Mitbewerbern sein. Und natürlich investieren wir kontinuierlich in Forschung, Entwicklung und Design.
FORMAT: Arbeitet Samsung nicht mit europäischen Designern?
Shin: Wir haben zwei Design Centers, eines in London und eines in Mailand. Darüber hinaus haben wir zwei Entwicklungszentren in Großbritannien und Polen sowie drei Fabriken, eine in Ungarn und die anderen beiden in der Slowakei. Dadurch können wir sehr gut auf die europäischen Konsumenten eingehen.

Europäischer Erstversuch im Musikbiz
FORMAT: Was ist eigentlich die Idee hinter dem neuen Download-Portal Samsung Movie Store? Wollen Sie jetzt auch im Content-Geschäft Fuß fassen?
Shin: Der Movie Store ist eine britische Initiative, die gerade angekündigt wurde. Ein europäischer Erstversuch.
FORMAT: Riskieren wir einen Blick in die Kristallkugel: Was erwartet Samsung für 2009 und die nächsten Jahre? Und welche neuen Produkte und Services wird es in der folgenden Dekade – sagen wir, bis 2020 – geben? Wird zum Beispiel eine neue Generation von Fernsehern mit OLED-Technologie kommen oder TV mit Internetzugang?
Shin: Wir kamen heute mit LED TV hierher, und für die Zukunft haben wir zahlreiche neue Technologien wie OLED auf Laborniveau in Entwicklung. Aber realistisch wird man vier bis fünf Jahre warten müssen, bis man solche Produkte auf dem Markt sehen kann. In der Zwischenzeit wollen wir das Design und die Funktionen stetig erneuern. Internetfernsehen – IPTV – wird definitiv der nächste Schritt beim Fernsehkonsum sein, und wir sind darauf vorbereitet.

"Sehen kein Bedürfnis nach Blu-ray-Recordern"
FORMAT: Und wie geht die Entwicklung beim DVD-Nachfolger Blu-ray weiter? Bisher haben wir am österreichischen Markt nur Blu-ray-Player. Wann kommt ein Recorder?
Shin: Wir haben die Technologie, Recorder herzustellen, aber es gibt so viel Online- und Offline-Content, dass wir kein riesiges Bedürfnis nach Blu-ray-Recordern sehen. Vom Marketing-Standpunkt wäre es sicher positiv, hier Recorder einzuführen, aber wir müssen dabei auch auf den „Return of Investment“ achten. Es sind bereits einige Produkte am internationalen Markt, aber die Nachfrage ist sehr gering.
FORMAT: Samsung ist auch ein Hersteller von Notebooks – allerdings nicht am österreichischen Markt …
Shin: Wir haben begonnen, den österreichischen Markt im Bereich Mini-Notebooks und Notebooks zu prüfen, Konkreteres kann ich noch nicht sagen. Das Notebook-Geschäft unterscheidet sich völlig von anderen Geschäftsfeldern: Wenn man zum Beispiel im B2B-Business oder beim Service scheitert, wird man aus dem Markt geschmissen – bevor man richtig drin ist.

Umweltfreundliche Elektrogeräte
FORMAT: Samsung startete bereits Mitte der 90er-Jahre „Grüne Initiativen“ und hat nun zum Beispiel das erste Handy mit Solarstrom vorgestellt. Was muss ein Unternehmen tun, um beim Thema Umwelt glaubwürdig zu sein?
Shin: Wir nehmen das Thema Umwelt wirklich extrem ernst. Als führender Hersteller von Mobiltelefonen, Fernsehern, Monitoren und Druckern ist es wirklich unsere Pflicht, auf den Planeten zu achten. Unser Solar-Handy ist kein Einzelfall. Wir werden den Weg weitergehen. Und auch, was wir mit LED TV gemacht haben – 40 Prozent weniger Energieverbrauch, verglichen mit LCD –, geht in diese Richtung. Quecksilberfrei, bleifrei, das ist ein deutliches Zeichen für unseren grünen Ansatz.

"Trotzen der Krise mit neuen Technologien"
FORMAT: Die unvermeidbare Frage zur Krise: Im letzten Quartal musste Samsung erstmals einen Verlust hinnehmen …
Shin: Jeder leidet unter der Krise. Viele Konsumenten wollen kein Geld mehr ausgeben, viele Kunden und Geschäftspartner machen sich Sorgen wegen ihrer Kredite. Wir trotzen der verlangsamten Nachfrage mit neuen Technologien, Designs und Produkten. Darum machen wir zum Beispiel diesen Event, das Samsung European Forum hier in Wien – um speziell den österreichischen Markt zu unterstützen.
FORMAT: Samsung hat bis jetzt keine Jobcuts angekündigt.
Shin: Warum sollten wir? Ich kann nicht sagen, wie viele Leute wir heuer in Europa mehr brauchen, nur dass wir unseren Mitarbeiterstand von rund 12.000 halten wollen. Europa ist der wichtigste Markt für Samsung. Die Überwindung der augenblicklichen Schwierigkeiten ist eine interessante Herausforderung für mich.

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