Porträt: Peter Kleissner ist ein Star der
Hackerszene und ein Fall für die Behörden

18 Jahre und fast im Kriminal: Der Wiener Neustädter ­Peter Kleissner ist als Hacker weltweit begehrt, wird strafrechtlich verfolgt und könnte von der Schule fliegen.

Peter Kleissner, 18, geht zwar noch zur Schule, spricht aber schon auf Hacker-Konferenzen wie der Black Hat in Las Vegas, wo dem Wiener Neustädter von Microsoft prompt ein Praktikum angeboten wurde. Diesen Donnerstag hält er einen Vortrag auf der Sicherheitskonferenz DeepSec in Wien. Internationale TV-Stationen umwerben den blonden Jung-Hacker, der sein Tarnkappen-programm „Stoned“, mit dem er unbemerkt jeden Computer „belauschen“ kann, in zig Sendungen ausführlich erklärt. Ob bei Stefan Raabs „TV total“, bei „Neues“ auf 3sat oder als Nächs­tes beim Wissensmagazin „Galileo“ auf PRO 7. Auf die Frage, ob es Kleissner möglich wäre, in Angela Merkels Computer oder im österreichischen Bundeskanzleramt einzubrechen, antwortete er: „So nebenbei geht das nicht, aber es ist möglich.“

Was kann Kleissners Programm?
„Stoned“, ein Softwarewerkzeug, in der Fachsprache Bootkit genant, agiert wie eine Tarnkappe. „Stoned“ kann quasi auf jeden PC gespielt werden, der unter Windows oder Linux läuft. Antivirenprogram­me schützen auch nicht vor „Stoned“. Daher könnte Kleiss­ners Programm vor allem Ermittler interessieren, die etwa nach versteckten Daten wie Kinderpornos auf Festplatten suchen. Man könnte jedoch auch Finanztransaktionen belauschen, quasi alle Daten ausschnüffeln, die am Computer gespeichert sind. Die Hacker-Community ist bereits in zwei Lager geteilt, was das Können von Kleissner betrifft.

Als Kind schon infiziert
Während ihn die einen auf Twitter und anderen Foren als Star hypen, werfen ihm Gleichgesinnte vor, dass er sein Wissen möglicherweise auch Kriminellen zur Verfügung stellen könnte. Handfeste Beweise dafür gibt es jedoch nicht. Kleiss­ner kontert: „Ich bin zwar als Black Hat verschrien, arbeite aber nur für die Guten.“ Kleissner, dessen Vater gelernter Informatiker ist, wurde schon als Kleinkind mit dem Computervirus infiziert. Mit 13 Jahren hatte er eine Programmiersprache intus und begann im Kinderzimmer sein erstes Betriebssystem zu programmieren. Mit 17 Jahren jobbte er neben der Schule 30 Stunden die Woche beim österreichischen Antivirenspezialisten Ikarus, dessen Mehrheitseigentümer Josef Pichlmayr ihn nach seinem Auftritt auf der Black Hat in Las Vegas gefeuert hat. Jetzt ist Kleissner sein eigener Herr. Im September gründete er die Einzelfirma Insecurity Systems mit Sitz in Wiener Neudorf.

Schwere Vorwürfe
Der vermeintliche Höhenflug des Jungstars hat auch seine Schatten­seiten. Einer seiner Computer wurde kürzlich beschlagnahmt. Bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt sind einige Ermittlungsverfahren gegen den Youngster anhängig, wie Erich Habitzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, bestätigt: „Unter anderem widerrechtlicher Zugriff auf ein Computersystem, missbräuchliches Abfangen von Daten, Daten­beschädigung bis hin zur versuchten Erpressung.“ Der Strafrahmen: sechs Monate bis zehn Jahre. Einige Anzeigen stammen vom früheren Arbeitgeber Ikarus. Dessen Chef Pichlmayr zu den Vorwürfen: „Kleissner ist in der Szene als Black Hat stigmatisiert. Er hat ohne unser Wissen seine Dienste angeboten und steht in Verbindung mit Cyberkriminellen. Außerdem hat er versucht, Teile unseres Quellcodes zu verkaufen. Ich habe ihm mehr als eine Chance gegeben.“ Kleissners Anwalt Lukas Kollmann von der Kanzlei Soyer Embacher: „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe, zeigt sich jedoch bei den Einvernahmen kooperativ.“

Schulausschluss droht
Damit nicht genug. In Kleiss­ners Schule, der HTL Mödling, läuft gerade ein Schulausschluss­verfahren. Es wird ihm unter anderem vorgeworfen, dass er die Lehrernetzwerke gehackt habe. Kleissner, für den die Unschuldsvermutung gilt, dazu: „Die meis­ten Lehrer interpretieren das falsch, was ich tue, und reagieren deshalb nicht so gut auf mich.“ Dass er tatsächlich von der Schule, noch dazu in der Maturaklasse, ausgeschlossen wird, ist aber eher unwahrscheinlich. Kleissner hat das Recht, die Matura auch extern zu machen. HTL-Schulleiter Peter Cernov: „Vom Können her kann Kleissner sicherlich jedes Computernetzwerk knacken. Für das Aufdecken von Fehlerstellen im PC habe ich ihn auch gelobt. Trotzdem ist seine Art nicht mit der Ethik der Branche vereinbar.“ Als einziger Schüler muss er seine Schularbeiten ohne Zuhilfe­nahme des Computers bewältigen. Cernov: „Kleissner könnte sich ja die Lösungen aus dem Lehrernetzwerk beschaffen.“

Von der Garagenfirma zum Unternehmer
Der Youngster geht dennoch unbeirrt seinen Weg. Er hofft nach wie vor, dass diverse Ermittlungsbehörden, mit denen er bereits Gespräche führt, für sein Tarnkappenprogramm Verwendung haben. Auskunftsfreudig ist freilich keiner. Rudolf Gollia, Sprecher des Innen­ministeriums: „Wir haben uns sowohl Herrn Kleissner als auch sein Programm angesehen. Wir geben jedoch keine Stellungnahme ab.“ Ein Kollege von Gollia dazu: „Solche Ermittler wie Kleissner könnten wir bei uns ganz gut gebrauchen.“ Als Nächstes plant der Jung-Hacker, seine Einzelfirma in eine GmbH umzuwandeln, die er dann gemeinsam mit seinen Freunden, dem indischen Sicherheitsforscher Vipin Kumar und dem HTL-Kollegen Daniel Drabek, führen möchte. „Unsere künftige Klientel sollte der Ge-heimdienst, die Polizei oder sons­tige Ermittlungsbehörden sein“, erklärt Kleissner. An­fragen von Special Agents aus den USA oder von deutschen Behörden gebe es bereits. Sein Tarnkappenprogramm „Stoned“ würde Kleissner den hiesigen Behörden um rund 300.000 Euro in Lizenz an­bieten. Bis dahin ist es noch ein steiniger Weg. Kleissner muss für die Matura pauken. Dann will er Informatik studieren und bei Microsoft sein Praktikum machen. Voraussetzung dafür ist, dass der junge Mann strafrechtlich eine weiße Weste behält.

Gabriela Schnabel

Kleissners Tarnkappenprogramm
„Stoned“, ein Softwarewerkzeug, in der Fachsprache Bootkit genannt, agiert wie eine Tarnkappe. Stoned kann quasi auf ­jeden Computer gespielt werden, der unter Windows ab Windows 2000, Max OS X ab 10.4 und unter Linux arbeitet. Antivirenprogramme sind de facto wirkungslos. Die Software „Stoned“ könnte als Grundlage für den umstrittenen Bundes­trojaner, eine verdeckte Online-Ermittlung durch Behörden, dienen. In Deutschland sind solche Online-Ermittlungen durch Behörden zur Verfolgung von Straftätern bereits seit Jänner ­erlaubt. In Österreich wird ein ähnliches System diskutiert.

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