Outsourcing-TREND: Das Geschäft mit der Auslagerung wächst auch in der Krise

Das Outsourcing-Geschäft hat die Rezes­sion nicht nur unbeschadet überstanden, sondern in vielen Bereichen davon profitiert. Selektive Auslagerung und flexible Servicemodelle haben deutlich zugelegt.

Für die wachstumsverwöhnte IT-Branche war es ein bitteres Jahr. Die Krise hat voll eingeschlagen. Marktforscher IDC rechnet mit einem Minus von 2,1 Prozent. Die einzige gute Nachricht: Für kommendes Jahr ist mit plus 2,9 Prozent wieder Erholung angesagt. Aber auch 2009 gab es in der IT ein paar gallische Dörfer, die sich gegen­über dem allgemeinen Abschwung als äußerst wehrhaft erwiesen haben. Ein großer Krisengewinner war der Bereich Outsourcing. Einige Anbieter reiben sich aufgrund der deutlich gestiegenen Nachfrage die Hände, darunter Wilfried Pruschak, Geschäftsführer von Raiff­eisen Informatik: „Wir verzeichnen ein Plus von zwölf Prozent. Outsourcing ist derzeit der einzige Treiber am IT-Dienstleistungsmarkt, sonst gäbe es ein Nullwachstum“.

"Managed Services" boomen
Das Phänomen, dass Outsourcing zunimmt, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert, ist nicht neu. Kos­tensenkung und Effizienzsteigerung stehen ganz oben auf der Krisen-Agenda der IT-Abteilungen, und das Auslagern von IT-Prozessen ist dabei für viele das Mittel erster Wahl. Die Firmen wollen Kapitalkosten vermeiden und bei operationalen Kosten möglichst alle Sparpotenziale ausschöpfen. Besonders Outsourcing-Services, die schnelle Einsparungen versprechen, werden derzeit gern vorgenommen. Das ist die Erfahrung von Edmund Haberbusch, Leiter Produktmanagement und Service bei ACP: „Das Outsourcing-Geschäft ist bei uns überproportional gewachsen. Vor allem das sogenannte Outtasking liegt im Trend. Die Firmen lagern jene Teile der IT aus, die unkritisch, aber lästig sind.“ Am besten gehen laut Haberbusch „Managed Services“ für Desktops oder Drucker. Dabei lagert der Kunde die ­gesamte Verantwortung für die PC- oder Druckerlandschaft zu einem Dienst­leister aus. Der größte Deal von ACP war heuer die Übernahme des Rechenzentrums des Reiseveranstalters TUI. Alexander Schaupmann, Leiter des Bereichs Strategisches Outsourcing bei IBM, sieht besonders den Bereich Sicherheit im Aufwind. „Security wird immer komplexer. Mit den wachsenden Anforderungen verlieren die Kunden mehr und mehr die Scheu, Sicherheitsaufgaben auszulagern. Sie profitieren von externem Expertenwissen.“

Die Preise purzeln
Auch beim Outsourcing ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Kunden werden deutlich anspruchsvoller im Hinblick auf Kosten, Servicequalität und Detailgenauigkeit ihrer Verträge. Auch wird die Vertragsdauer tendenziell kürzer, die Volumina werden kleiner. Dazu kommt ein scharfer Konkurrenzkampf. Die Folge: ein deutlicher Preisverfall bei Outsourcing-Diensten um bis zu 20 Prozent. Anbieter nehmen zum Beispiel geringere Jahrespauschalen in Kauf, wenn die Kunden dafür längerfristige Verträge unterschreiben. Das verringert die Margen, garantiert aber selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen einen sicheren Cashflow. Bei Siemens IT Solutions & Services, dem größten heimischen IT-Dienstleister, haben heuer mehrere wichtige Kunden ihre Verträge verlängert, darunter Henkel CEE, die RHI AG und die Firma Brenntag. Bei diesem Chemiegroßhändler konnte Siemens das Engagement durch die Übernahme sämtlicher IT-­Systeme sogar stark ausweiten. Vertrauen ist beim Outsourcing das Um und Auf, weiß Albert Felbauer, Chef der Siemens IT Solutions: „Bei der Entscheidung, wem man seine IT anvertraut, spielen Qualität, Branchen-Know-how und Erfahrung des Dienstleisters die entscheidende Rolle.“

Pay per Use
Ein wesentlicher Branchentrend ist die Industrialisierung der Dienstleistun­gen. Standarddienste wie SAP werden von Providern auf einer großen, virtualisierten Infrastrukturplattform für viele Kunden gleichzeitig angeboten. Dazu T-Systems-Chef Georg Obermeier: „Die Kunden profitieren kostenmäßig dreifach: von der Effizienz einer modernen IT, von den Skaleneffekten einer geteilten Plattform und von schlankeren Geschäftsprozessen durch die Standardisierung.“ Es beginnen sich auch alternative Liefermodelle wie Software als Service oder Cloud zu etablieren. Solche Services tragen einerseits zum Wachstum des Markts bei, verschieben aber auch die Investitionslast gänzlich in Richtung Anbieter, was tendenziell dessen Margen verkleinert. Georg Obermeier meint: „Es geht immer stärker in Richtung verbrauchsabhängige Abrechnung.“ Bei Continental hat T-Systems dieses Prinzip auf die Spitze getrieben. Der Reifenkonzern zahlt für die SAP-Services nur mehr nach verbrauchter Rechen- oder Speicherleistung – ohne Vertragslaufzeit oder Mindestabnahmemenge. Modernes Computing ohne Bindung.

Ein rauer Wind
Generell wird das Klima am Markt rauer, und eine weitere Konsolidierung der Anbieterlandschaft ist wahrscheinlich. Beispiele gibt es genug: Für ein internationales Erdbeben sorgte die Übernahme des texanischen Servicegiganten EDS durch HP. In Österreich bleiben die Auswirkungen des Megadeals überschaubar, da EDS hierzulande bisher keine starke Marktposition hatte. HP-Chef Rudi Kemler ist trotzdem überzeugt, dass der Merger HP „ins Spitzenfeld der österreichischen Outsourcer“ und auch „wertvolle neue Kundenbeziehungen“ bringt – zum Beispiel General Motors, AVL List, T-Mobile oder das Wirtschaftsministerium. Dieses Jahr konnte auch Herba Chemosan, der Österreich-Ableger des Pharmariesen Celesio AG, als Kunde gewonnen werden. Zurzeit rittern die größten Anbieter um die Gunst des ORF. Der Staatsfunk will seine IT schrittweise auslagern. Unlängst sind IBM und die Telekom „aus formalen Gründen“ aus dem Bieterverfahren geflogen. Jetzt sind es nur noch zwei: Siemens und ein Konsortium aus T-Systems und Raiffeisen Informatik. Man darf gespannt sein.

Alexander Hackl

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
#urlaub #internet #reise
 

Internet

Urlaub in letzter Sekunde

Warum Apple 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer ausgegeben hat, die man nicht braucht - und warum sich der Beats-Deal für den Konzern trotzdem lohnt.
#beats apple
 

Börse International

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Das Auto soll mit Elektromotor ausgestattet werden und
#Google #Elektroauto
 

Innovation

Google baut selbstfahrende Autos ohne Lenkrad