Outsourcing: Mehr Deals, kleinere Projekte und fallende Preise prägen den Markt

Der Kostendruck in den Firmen beschert Outsourcing-Anbietern volle Auftragsbücher, aber auch einen gigantischen Preiskampf. Ein FORMAT-Gespräch mit dem größten Outsourcing-Anbieter.

Ein Outsourcing-Boom ist in Krisenzeiten kein neues Phänomen. Selbst in Branchen, die bei IT-Auslagerungen bisher konservativ agiert haben, gewinnt das Geschäft derzeit stark an ­Dynamik. „Die Nachfrage ist enorm. Es beweist sich einmal mehr, dass sich Outsourcing komplett antizyklisch zur Konjunktur verhält“, freut sich Raiffeisen-Informatik-Chef Wilfried Pruschak ( im Bild ). „Schon nach dem Platzen der New-Economy-Blase 2001 hat Raiffeisen Informatik von der folgenden Outsourcing-Welle profitiert. Damals waren es vor allem große Firmen aus Finanz, Energie und Telekom. Heute kommen auch andere Branchen und kleinere Unternehmen, primär aus der Indus­trie. Wir haben noch nie so viele Outsourcing-Anfragen gehabt wie derzeit.“

"Zierleisten werden weggeschnitten"
Allerdings, warnt das Beratungshaus Gartner, „stechen beim Outsourcing während eines Abschwungs Kostenabwägungen die Nutzenabwägungen aus“. Soll heißen, die Anbieter sollen sich nicht zu früh über ihre prall gefüllten Projekt-Pipelines freuen. Denn die Deals werden kleiner und zielen vor allem auf schnelle Kos­teneffekte ab. Der Preisdruck auf die Anbieter wächst enorm. Gartner sagt einen Preisverfall bei Outsourcing-Services um bis zu 20 Prozent voraus. Pruschak bestätigt die Prognose und fügt gleich eine eigene hinzu: „Viele Outsourcer werden den Preiskampf wirtschaftlich nicht verdauen können. Auf längere Sicht werden nur ­einige wenige übrig bleiben.“ Nicht nur Neukunden wollen es billiger haben, auch Bestandskunden äußern zunehmend unverblümt Begehrlichkeiten nach Preisnachlässen. „Es sind einige mit dieser Frage auf uns zugekommen. Derzeit findet bei vielen eine Revision aller Verträge statt. Dafür gibt es aber auch die Bereitschaft zu Abstrichen beim Dienstleistungsumfang. Hypertrophe Services werden zusammengestutzt, goldene Zierleisten weggeschnitten“, so Pruschak.

Schnelle Kostenreduktion
Richtig eingesetzt, kann Outsourcing den Kostendruck schnell reduzieren und derzeit dringend benötigte Liquidität schaffen. Operationale Kosten statt Kapitalkosten, variable Kosten statt Fixkosten, lauten die Rezepte. In Zeiten von Auftragseinbrüchen, Kurzarbeit und krisenbedingten Betriebsferien ist ein auf Bedarfsspitzen ausgelegtes firmeneigenes Rechenzentrum aus finanztechnischer Sicht wie ein großer Klotz am Bein. Dazu Pruschak: „Ich kann gebundenes Kapital schnell freigeben, indem ich die Infrastruktur gegen eine Ablöse an einen Outsourcer übergebe. Dazu kommt noch ein erhebliches Rationalisierungspotenzial im Betrieb. Heute will das Gros der Kunden Übernahme und Optimierung gleich in einem Aufwaschen – zum Beispiel durch Virtualisierung auf einer mit anderen Kunden gemeinsam genutzten Infrastruktur.“ Die Kostenvorteile werden aber nur schlagend, wenn Unternehmen „die Fallen des kostenfixierten Outsourcings erkennen und vermeiden“, warnt Gartner. „Verbrauchsabhängige Abrechnungsmodelle, die mit der wirtschaftlichen Situation des Kunden mitschwingen, sind heute bei uns gelebte Realität“, betont Pruschak. „Infrastructure Utility“, also nutzungsabhängige Modelle, bei denen der Kunde zum Beispiel Prozessor- oder Speicherleistung nach Bedarf quasi aus der Steckdose bezieht, boomen laut Gartner besonders. Auch alternative Modelle wie Software als Service oder Cloud Computing sieht der Berater durch die Krise im Aufwind.

Verdrängungswettbewerb
„Nicht nur neue Deals bewegen den Markt, 2009 wird auch ein Jahr auslaufender Altverträge“, konstatiert das Beratungshaus PAC. Und die Bereitschaft zum Anbieterwechsel steigt. Pruschak sieht seine Firma als klaren Gewinner dieser Entwicklung. Nicht weniger als sieben große Deals hält er derzeit am Kochen – bei allen geht es nicht um neue Outsourcing-Fälle, sondern um einen Providerwechsel. Ganz aktuell wurde in dieser Woche mit Europapier ein Vertrag über die Übernahme des SAP-Betriebs finalisiert. Die Mondi-Tochter ist der größte Papiergroßhändler in CEE mit Niederlassungen in zwölf Ländern. Mit 2009 hat auch Orange seine SAP-Systeme an Raiffeisen Informatik übergeben.
Fazit: Auch der Outsourcing-Markt ­leidet unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – allerdings auf hohem Niveau dank des dynamischen Neugeschäfts. Pruschak: „Der Kostendruck wird gelindert durch die Bereitschaft der Kunden zur Standardisierung. Es gibt keine Diskussion mehr, dass Standardanwendungen wie SAP, Microsoft oder Lotus Notes auf einer geteilten Infrastruktur laufen. Wir haben 70 SAP-Mandanten auf einer gemeinsamen Hardware-Plattform. Das bringt große Skaleneffekte.“ Mehr Deals, kleinere Projekte, fallende Preise – unterm Strich glaubt Pruschak an ein positives Ergebnis. „Natürlich muss man in Zeiten wie diesen härter für den wirtschaftlichen Erfolg arbeiten. Aber wir können jedes Projekt ohne Bauchweh nachkalkulieren.“

Von Alexander Hackl

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