Outsourcing: Die "Escape"-Taste für schlechte Zeiten

Wenn es wirtschaftlich eng wird, steht bei Unternehmen schnell die IT zur Disposition. Besonders die heimischen Banken sourcen derzeit kräftig aus.

Outsourcing: Die "Escape"-Taste für schlechte Zeiten

Wenn der Konjunkturmotor stottert, kommt das Outsourcing-Geschäft erst so richtig auf Touren. Durch das Auslagern der IT an externe Dienstleister wollen die Firmen lästige Kapitalkosten auf das Anlagevermögen aus den Bilanzen bringen und auch die operativen Kosten durch möglichst flexible Service-Verträge besser mit der Geschäftsentwicklung synchronisieren. In Österreich ist dieser krisenbedingte Turboeffekt zurzeit besonders stark.

Mit fünf bis sieben Prozent liegt das Marktwachstum deutlich über dem westeuropäischen Schnitt, konstatiert Philipp Schalla, Outsourcing-Analyst bei Pierre Audoin Consultants (PAC): "In Österreich war man im europäischen Vergleich bisher eher konservativ bei der IT-Auslagerung. Daher gibt es einen gewissen Nachholbedarf.“

Vor allem der heimische Mittelstand erwies sich bisher als eher zurückhaltend. Und die vergleichsweise wenigen Großunternehmen haben sich großteils eigene IT-Servicegesellschaften aufgebaut. Das gilt insbesondere für den Bankensektor. Bank Austria und Erste Bank hielten sich seit 1998 IT-Austria als gemeinsamen Dienstleister, die Volksbanken-Gruppe hat das Allgemeine Rechenzentrum (ARZ) und die Raiffeisenbanken die Raiffeisen Informatik GmbH, wobei sich Letztere auch sehr erfolgreich für externe Kunden geöffnet hat (siehe Interview ). Für den freien Markt fielen im Bankensektor lange Zeit bestenfalls ein paar Brotkrumen ab.

Raus mit der Banken-EDV

Die Selbstbedienungs-Strukturen der Banken beginnen jetzt aber massiv aufzubrechen. Den Anfang machte die Bank Austria, die 2011 - nach der Scheidung der EDV-Ehe mit der Erste Bank - in einem Megadeal erhebliche Teile der IT samt 300 Mitarbeitern zu IBM auslagerte. Die Gehaltsverrechnung und Personalverwaltung der gesamten UniCredit-Gruppe wurde heuer zu HP übertragen.

IBMs Erfolgslauf bei den Banken setzte sich heuer fort, und zwar beim anderen Teil der IT-Austria-Scheidungsmasse. Der derzeit noch geheime Deal: Die Erste Bank übergibt ihre Großrechnerlandschaft an IBM. Raus mit der IT heißt es auch bei der krisengebeutelten Volksbanken AG. Kapsch BusinessCom wurde mit dem Betrieb der gesamten Office-Landschaft beauftragt. 26 Mitarbeiter werden von Kapsch übernommen.

Auch staatsnahe Betriebe bringen neuerdings Bewegung in den Outsourcing-Markt. Bei der Post AG hat A1 die Betreuung von 9.000 IT-Arbeitsplätzen an 2.000 Standorten übernommen. Und HP implementierte beim Staatslogistiker eine neue Cloud-basierende Kundenbeziehungsmanagement-Lösung des Wiener Softwarehauses Update. Bei den ÖBB läuft eine Ausschreibung für das Outsourcing der gesamten Client-Landschaft (PCs, Notebooks, Monitore, Netzwerk). Die neuen Online-Ticket-Vertriebssysteme der Staatsbahn hat HP entwickelt und integriert. Weitere Auslagerungen sind in Planung.

Raiffeisen Informatik, das größte IT-Unternehmen Österreichs, konnte den Auftrag zum Betrieb des "Post Managers“ an Land ziehen, des neuen Online-Briefkastens der Post. Auch Mobilfunk-Betreiber Orange hat die Zusammenarbeit noch vertieft. Und die Raiffeisen Bank International hat aufgrund des Kundendrucks im Finanzsektor ihre IT ebenfalls an die Konzernschwester ausgelagert. In Summe verzeichnete Raiffeisen Informatik heuer sieben Prozent Wachstum.

2011 war der 180 Millionen Euro schwere IT-Outsourcing-Vertrag zwischen dem Arbeitsmarktservice und IBM der größte Deal des Jahres. Der Betriebsübergang ist aber von Pannen und Budgetüberschreitungen überschattet. Grund soll die mangelnde Kooperationsbereitschaft der bisherigen IT-Servicegesellschaft des AMS (amsbg) sein.

Nichtsdestotrotz hat IBM 2011 dank Bank Austria und AMS ein 18-prozentiges Outsourcing-Umsatzwachstum hingelegt.

Auch bei Accenture freut man sich über einen derzeit sehr positiven Geschäftsverlauf. Outsourcing-Vertriebsdirektor Christoph Mayer sieht einen Grund dafür im IT-Fachkräftemangel: "Vor allem im SAP- und Datenbankbereich sind in Österreich nicht mehr genügend Spezialisten zu finden.“

Gerald Rehling, HP-Manager Enterprise Services, erkennt in der Internationalisierung des Kerngeschäfts vieler Firmen einen starken Outsourcing-Treiber, vor allem in der heimischen Versicherungsbranche: "Dort hat man durch Zukäufe im Ausland enorm an Größe zugelegt und möchte mithilfe von global aufgestellten Outsourcern die Geschäftsprozesse länderübergreifend standardisieren.“

Ambitionierter Neuling

Einer der Shootingstars der heimischen Outsourcer ist derzeit Kapsch mit satten 33 Prozent Geschäftszuwachs in Jahr 2011. Mitverantwortlich dafür ist ein großer Deal in der Erdgasbranche. Die EU-Marktregulatorien zwangen die OMV zur "Entflechtung“ ihrer für den europäischen Gasmarkt essenziellen Transportkapazitäten samt dazugehöriger IT.

Kapsch übernahm für die neue Gesellschaft Gas Connect Austria die Errichtung und den Betrieb von zwei neuen Rechenzentren. Auch heuer erwartet Jochen Borenich, Vorstand von Kapsch BusinessCom, ein 20-prozentigens Umsatzwachstum, wenngleich er einräumt, dass große Totaloutsourcing-Deals wie bei Gas Connect immer rarer werden: "Der Trend geht in Richtung Selektion. Die Firmen übergeben einzelne Teilbereiche an den jeweiligen Bestbieter.“ So hat zum Beispiel Magna Steyr heuer den Betrieb des Firmennetzes an Kapsch ausgelagert.

Auch Dietmar Wiesinger, Leiter Unternehmenskunden bei T-Systems, bemerkt den Zug zu selektiver Auslagerung. Beim Tiroler Auto-Zulieferer PMG hat T-Systems heuer die Basis-Infrastruktur und das Netzwerk übernommen, beim Verpackungshersteller Duropack das SAP-System, bei Andritz und beim Feuerfest-Konzern RHI das weltweite Netzwerk und bei Wienerberger die Telekom-Infrastruktur an 200 Standorten.

Hoffnungsmarkt KMUs

Bei den heimischen Klein- und Mittelbetrieben ist die Outsourcing-Bereitschaft in letzter Zeit ebenfalls spürbar angestiegen. Ein Revier, auf das sich das Systemhaus ACP spezialisiert und dafür heuer ein neues Rechenzentrum in Wien eröffnet hat. Cloud-Liefermodelle werden laut ACP-Vorstand Wolfgang Burda im Mittelstand immer mehr zum Thema: "Kunden können bei uns für einen Pauschalbetrag von 5.000 bis 6.000 Euro pro Monat einen kompletten Service mit Rechen-, Netzwerk- und Speicherleistung für 50 User anmieten. Wir sprechen von der ‚Cloud zum Anfassen‘, weil der Kunde genau weiß, wo seine Daten liegen.“

PAC-Analyst Schalla bemerkt in Österreich jetzt auch einen - im europäischen Vergleich verspäteten - Trend zu Software-Outsourcing. Besonders größere Unternehmen überlassen den Betrieb ihrer SAP-, Kundenbeziehungs- oder Office-Anwendungen einem Dienstleister oder nutzen sie direkt online. Raiffeisen Informatik ist hier einer der stärksten Player.

Hanns-Thomas Kopf, CEO bei Atos, rechnet für 2013 mit einem Anhalten des konjunkturbedingten Turboeffekts: "Durch die stagnierenden IT-Budgets wird sich der Trend zum Auslagern fortsetzen.“ Gleichzeitig glaubt er aber auch an verstärkte Investitionen in innovative, produktivitätssteigernde Services - vor allem in solche, die die Mobilität der Mitarbeiter erhöhen.

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