ORF-Online-Direktor Thomas Prantner im FORMAT-Interview

ORF-Online-Direktor Prantner über den Erfolg der TVthek, iPhone- und iPad-Ausbaupläne für 2011, den Vergleich mit der BBC und das veränderte Mediennutzungsverhalten der TV-Konsumenten.

FORMAT: Herr Prantner, die ORF-TVthek gibt es jetzt seit einem Jahr. Wie schaut die Bilanz aus?

Prantner: Wir hatten auf ORF.at schon vor der Einführung der ORF-TVthek Livestreaming und Video-on-Demand-Angebote, aber keine zentrale Plattform. Seit dem Start der ORF-TVthek im November 2009 haben sich die Zugriffe im gesamten Network auf konstant sechs bis sieben Millionen pro Monat mehr als verdoppelt, davon generiert die ORF-TVthek selbst im Monatsschnitt fünf Millionen Videoabrufe. Dieses hervorragende Ergebnis zeigt den Bedarf des Publikums nach zeit- und ortsunabhängiger Mediennutzung. Was uns darüber hinaus gelungen ist: Wir haben mit der ORF-TVthek eine eigene Marke etabliert.

FORMAT: Volksmusiksendungen haben ja die meisten Zugriffe. Was lässt das für Schlüsse auf das Publikum zu?

Prantner: Davon waren wir auch überrascht. Derzeit haben wir in der ORF-TVthek nur Eigen-, Ko- und Auftragsproduktionen sowie Information, Wirtschaft, Wissenschaft, Regionales, Sport, Kultur, Service und Musikshows. Und wir haben auch volkstümliche Sendungen online gestellt. Die sind offensichtlich nicht nur im TV, sondern auch online ein Hit. Das ist ein Phänomen, aber es freut uns.

FORMAT: Abseits von Schlagersendungen – welche Sendungen werden sonst noch konsumiert?

Prantner: Starker TV-Content, vor allem die Information wird auch online intensiv abgerufen. Der Rekordtag mit mehr als 440.000 Videoabrufen war der 13. Oktober, unmittelbar nach der Wien-Wahl, und der Tag, an dem die Bergleute in Chile gerettet wurden. Da hat der ORF durchgehend live im TV berichtet, und wir haben das online livegestreamt und auch on demand angeboten. Immer mehr Menschen schätzen die Vorteile der ORF-TVthek.

FORMAT: Für Serien wie „Mein cooler Onkel Charlie“ haben Sie keine Rechte?

Prantner: Nein, weder wollen wir Kaufserien und -filme dieser Art in der ORF-TVthek, noch hätten wir dafür die Rechte. In den nächsten Monaten wollen wir das derzeitige Angebot von 70 auf 100 ORF-Sendungen erweitern. Da werden dann auch Fictionprogramme wie „SOKO Donau“, „SOKO Kitzbühel“, der österreichische „Tatort“, aber auch das eigenproduzierte Kinderprogramm und der aktuelle Sport abrufbar sein.

FORMAT: Verdient der ORF damit Geld?

Prantner: Nein, weil die ORF-TVthek ein Zusatzservice für den Gebührenzahler ist. Wir konnten sie nur mit der Auflage der EU-Kommission starten, keine Online-Werbung anzubieten.

FORMAT: Werden Sie das Angebot auf andere Plattformen ausbauen?

Prantner: Unsere Gesamtstrategie für die ORF-TVthek lautet: „Fernsehen, wo und wann Sie wollen.“ Das heißt, wir wollen ORF-Content auf allen Plattformen anbieten, wo es sinnvoll und technisch möglich ist. Ab 17. Dezember 2010 werden wir die ORF-TVthek auch auf mobilen Endgeräten anbieten, ab da wird sie zunächst am iPhone und am iPad abrufbar sein. Im ersten Quartal 2011 sollen weitere Smartphones hinzukommen. Der letzte große Schritt ist dann, die ORF-TVthek auch für die „klassische“ Fernsehsituation on demand auf internetfähige TV-Geräte zu bringen. Da gibt es möglicherweise Kooperationen mit der Telekom und großen Kabelnetzbetreibern wie der UPC.

FORMAT: Auch die Radiothek soll 2011 starten?

Prantner: Ja, ich habe dieses Projekt Radiodirektor Karl Amon vorgeschlagen, und wir werden diese Idee einer zentralen Audio-Abrufplattform gemeinsam mit unseren Teams direktionsübergreifend umsetzen. Es gibt zwar seit vielen Jahren Audio-on-Demand und auch Radio-Livestreams auf ORF.at, allerdings sind diese Audio-Angebote auf verschiedene Kanäle verteilt. Das macht das Auffinden für die User mühsam. Daher haben wir beschlossen, eine ORF-Radiothek als Spin-off zur ORF-TVthek im 1. Halbjahr 2011 zu etablieren.

FORMAT: Der Online-Bereich bleibt damit ein reines Verwertungsmedium von Radio- und TV-Inhalten. Warum gibt es so wenig eigengenerierten Content von ORF.at?

Prantner: Das stimmt in keiner Weise. Vor allem in unseren Online-Angeboten in den Bereichen News, Sport, Regionales, aber auch IT, Science und Religion gibt es eine Vielzahl von eigengenerierten Berichten. Nicht umsonst ist ORF.at das journalistisch beste und populärste Online-Informationsmedium des Landes, und wir verwenden unsere ganzen finanziellen und personellen Ressourcen darauf, diese Position als klarer Marktführer im österreichischen Onlinemarkt zu erhalten. Noch mehr Content ist immer wünschenswert, aber da stoßen wir schön langsam an die Grenzen unserer Kapazitäten. Im ORF wird mehr und mehr bi- bis trimedial gearbeitet. Das muss man aber behutsam aufbauen, damit nicht ein Medium darunter leidet. Positive Vorreiter dieser Entwicklung sind die ORF-Landesstudios.

FORMAT: Ist die BBC ein Vorbild im Online-Bereich?

Prantner: Der Vergleich hinkt, weil die BBC ganz andere finanzielle und personelle Voraussetzungen hat als der ORF. Im Fußball würde man sagen, die BBC spielt in der Champions League ganz vorne mit, während wir in unserem kleinen Land zwar klarer Spitzenreiter sind, aber international maximal in der Europa League mitspielen könnten. Wir wollen ORF.at Schritt für Schritt immer mehr zur multimedialen Plattform ausbauen und neue spannende Services für unsere User anbieten.

FORMAT: Sehen Sie den Trend, dass TV- und Online-Angebote immer mehr miteinander verschmelzen?

Prantner: Ja, aber nicht so schnell, dass das klassische Fernsehen dadurch in seiner Existenz gefährdet oder gar bald tot wäre. On-demand-Services wie die ORF-TVthek sind eine Ergänzung zum klassischen Fernsehen, aber mit Sicherheit kein Ersatz. Was sich immer mehr ändert, ist das Mediennutzungsverhalten. Immer mehr Menschen wollen TV-Content zeit- und ortsunabhängig nutzen, daher müssen wir diesen auch auf neuen Medien ausspielen. Der ORF hat Zukunft – sowohl im klassischen, linearen Fernsehen als auch im Bereich der Neuen Medien.

FORMAT: Zu den jüngsten ORF-Personalturbulenzen: Bedauern Sie den Abgang von Elmar Oberhauser?

Prantner: Persönlich habe ich das schon bedauert, weil die Zusammenarbeit sehr gut war. Er war in den vergangenen Jahren ein Garant für die Unabhängigkeit der Berichterstattung im ORF.

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