Open-Source-Büroprogramme graben Microsoft langsam das Wasser ab

Microsoft Office 2010 ist zwar in den Schlagzeilen, aber noch auf zu wenigen Rechnern installiert. Was neu ist, was die ersten Anwender sagen und warum die Konkurrenz niemals schläft.

Am 10. September war Microsoft Office weltweit in den Schlagzeilen. Der Grund: Der für die Bürosoftware zuständige Microsoft-Vorstand Stephen Elop war überraschend nach Finnland gewechselt, um Nokia aus der Krise zu führen.

Dass sich die Kommentatoren mehr Sorgen um Nokia denn um die verwaiste Office-Sparte machten, hat Symbolkraft: Wer mit der Büro-Quadriga „Word, Excel, Outlook und PowerPoint“ ohnehin das Monopol auf die PC-Armada weltweit hat, muss sich um den Verkauf doch nicht mehr extra bemühen, oder? Das stimmt nicht mehr so ganz, denn die Konkurrenz bemüht sich redlich, Microsoft ein Prozent nach dem anderen abzutrotzen.

97 Prozent Marktanteil sind Geschichte. Konkurrenz belebt das Geschäft: Stärkster Widersacher ist das kostenlose Open-Source-Büroprogramm OpenOffice, das mittlerweile zum IT-Konzern Oracle gehört, der diesen Bereich sehr strategisch ausbaut. Auf 20 Prozent aller PCs weltweit laufen diese Programme. Auch IBM vertreibt eine OpenOffice-Variante. Und in der Mac-Community gibt es immer mehr Kunden, die nicht zu Office für Mac (2010 kommt übrigens schon im Oktober) greifen, sondern zur 50 Euro günstigeren Hausmarke von Apple: iWork erfüllt die Präsentations-, Rechen- und Schreibbedürfnisse von Privaten und Freiberuflern ausreichend.

Mit einer Milliarde Office-Anwender weltweit hat Microsoft aber noch keinen Grund, wirklich unruhig zu werden. Eine intensive Nachdenkphase aber läutete Google ein, das ab 2006 begann, Office- Programme gratis ins Netz zu stellen. Wiewohl die Google-Programme funktionstechnisch mit Microsoft-Programmen nicht mithalten konnten, trieb Google zwei Trends voran: sein Erlösmodell (Werbung finanziert Gratissoftware) auf den Bürosoftwaremarkt zu übertragen und die neue Art zu arbeiten bzw. IT-Services zu nutzen. Flexibel den Bedürfnissen angepasst und von überall auf der Welt und von jedem Endgerät nutzbar – dafür wird auch gern der Fachbegriff „Cloud Computing“ verwendet.

Microsoft lernte seine Lektion schnell und hat die jüngste Version Office 2010 (seit Juni am Markt) in kleinere Häppchen aufgeteilt, die auch über den Web-Browser – Office Web Apps – nutzbar sind. Wie ein FORMAT-Rundruf unter Anwendern zeigt, sind die durchwegs angetan von der neuen Version. Kurt Tanner ist IT-Administrator der Wiener Designertaschen-Firma Urban Tool: Er hat sechs Nutzer in Österreich und weitere 40 virtuell, auf der ganzen Welt verstreut, angebunden. Er kennt auch die Vorgängerversion Office 2007 und vergleicht: „Die Entwickler haben in der aktuellen Version viel stärker daran gedacht, was die Nutzer tatsächlich brauchen.“ Das hat Microsoft öfter gehört. Viele Firmen haben die Umstellung auf das Betriebssystem Vista und Office 2007 schlichtweg nicht mitgemacht.

Eine war die AK Wien mit 600 Anwendern. Jetzt war die Zeit für Michael Janda und Norbert Lascsak von der IT-Abteilung ein schlagendes Argument. „Windows XP und Office 2003 sind am Ende ihres Lebenszyklus angekommen. Es war immer schwieriger, Treiber zu bekommen, und mit manchen Länderkammern gab es schon Probleme bei der Konvertierung von Dateiformaten.“ Jetzt ist die AK in der Microsoft-Gegenwart angekommen, und nach einem halben Tag Einschulung haben die Anwender das neue Programm gut angenommen. „Sie sind extrem happy“, sind die beiden IT-Beauftragten fast etwas überrascht. Trotz Schulungskosten lohnt sich das Investment bei der AK. Für Großkunden wie die Arbeiterkammer hat Microsoft Firmenlizenzen, wo um eine bestimmte Jahresgebühr jedes Update inkludiert ist. Kleinen Firmen wie Urban Tool tun Lizenzkosten „schon auch weh“, gesteht Kurt Tanner. Eine Gratis- oder Billig-Alternative kam dennoch nicht infrage. „Ich bekomme Sicherheit und Zuverlässigkeit, die ich brauche“, sagt er. Und mit den neuen Online-Möglichkeiten, die das Programm SharePoint bietet, will Tanner das Bestellsystem um- und ausbauen.

Im Frühsommer war Jean-Philippe Courtois, Chef von Microsoft International, höchstpersönlich auf Promotion-Tour, um die Werbetrommel für Office 2010 zu rühren. Er betonte im FORMAT-Gespräch die Stärken von Microsoft: „Keine Firma kann Ihnen den gleich bleibenden Service und die Sicherheit bieten, ob sie ihr Dokument am PC, am Handy oder im Browser bearbeiten.“ Und einen kleinen Seitenhieb auf die Googler konnte er sich nicht verkneifen: „There is no free lunch.“

Das stimmt wohl. Im Mainstream ist Office 2010 noch nicht wirklich angekommen, aber viele Unternehmen liebäugeln bereits mit der Einführung, vor allem wegen der Teamarbeitsfunktionen. Gartner-Analyst Michael Silver skizziert die Aufgabe: „Bis 2014 der Support für Office 2003 ausläuft, hat Microsoft Zeit, die Firmen davon zu überzeugen, dass Office kein Produkt ist, das man einfach durch Open-Source- oder Web-Programme austauschen kann.“ Genügend Zeit, um adäquaten Ersatz für den obersten Office-Verkäufer Elop zu finden, der jetzt Finnisch lernt.

– Barbara Mayerl

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