Österreichischer Telefonie-Start-up jajah schließt Deal mit Prozessor-Riese Intel ab

jajah hat den heißen Draht zu Intel gelegt

zig Millionen Kunden weltweit und ein Deal mit Prozessor-Riese Intel bringen dem Telefonie-Start-up jajah entscheidende Punkte im Kampf gegen Skype.

Wenn einem der Apple-Chef beim Abendessen ins Ohr raunt, dass man heißen Gesprächsstoff im Silicon Valley liefere, ist das ein kleines Adelsprädikat. Da stieg der Adrenalinspiegel bei Roman Scharf und Daniel Mattes. Zwei Jahre später sind die beiden schon alte Hasen im Geschäft und arbeiten routiniert daran, ihr Telefonie-Start-up jajah in die Dimensionen des Börsengangs zu bringen oder zu verkaufen.

Angefangen hat alles mit dem Anruf aus dem Silicon Valley Ende 2005. Der legendäre IT-Investor Sequoia, der bereits Google, Cisco oder Yahoo die ersten Finanzspritzen verabreicht hatte, war auf den österreichischen Rohdiamanten gestoßen und gewillt, ihn zu schleifen. Scharf und Mattes hatten die Internettelefonie, mit der Skype populär wurde, technisch weitergedreht, benutzerfreundlicher gemacht und eine griffige Marke erfunden. Anders als bei Skype war kein Software-Download und Headset notwendig, um kostenlos oder um wenige Cents Auslandsgespräche zu führen. jajah „vermittelte“ die Gespräche direkt auf die Apparate der Nutzer.

Ein gutes Jahr nach dem Start hatte jajah die Kundenbasis im Mai 2007 bereits auf drei Millionen geschraubt, die im Schnitt sechs Euro pro Monat umsetzten. Technologisch entwickelte man das Produkt mit „jajah direct“ so weiter, dass gar kein Internetanschluss für das Aufsetzen eines Anrufs mehr nötig war. China und Indien wurden erschlossen und – strategisch wichtige – Investoren ins Boot geholt: Der Venture-Fonds der Deutschen Telekom und Chip-Riese Intel beteiligten sich mit 20 Millionen Dollar an jajah.

Die IP-Telefonie ist richtig im Anrollen, und im Kielwasser von Skype versuchen sich Dutzende große und kleine Anbieter. Es zeigte sich wiederholt, dass das Wertvolle an Sequoia weniger die ersten paar Millionen waren, „sondern das einzigartige Netzwerk, das einem Türen öffnet, an die man früher nicht einmal zu klopfen gewagt hätte“, sagt Roman Scharf. Heute klopfen bei ihm wöchentlich zwei hoffnungsvolle Entrepreneure an, die auf ein Empfehlungsschreiben für das Valley hoffen.

Yahoo bringt Millionen Kunden.
Beinahe wäre ihnen im Herbst 2007 ein Geniestreich im Kampf gegen Pionier Skype gelungen. jajah hatte es geschafft, bei großen eBay-Händlern eine Lösung zu installieren, die es den Kunden erlaubte, mit einem Mausklick telefonischen Kontakt mit dem Händler aufzunehmen. Das war der Skype-Mutter eBay dann doch zu viel, sie verbannte die jajah-Buttons. „Zumindest hat uns das kostenlose Werbung gebracht“, so Scharf schelmisch. Zu richtig vielen Kunden kam jajah dann im April dieses Jahres. Yahoo lagerte seinen kostenpflichtigen Telefondienst an jajah aus. Selbst wenn nur jeder Dritte der 97 Millionen registrierten Yahoo-Kunden das Service nutzen sollte, hat es den jajah-Kundenstamm vervielfacht.

Dass der Kundenstamm mittlerweile groß genug ist, beweist das aktuelle Pilotprojekt „jajah Babel“, ein telefonischer Übersetzungsdienst von den IBM-Labors. Scharf: „IBM müsste sonst bei 20 Telekom-firmen anfragen, um länderübergreifend auf eine derartige Kundenbasis zu kommen.“ Der Dienst bietet kostenlose Übersetzungen vom Englischen ins Chinesische und wird zur Olympiade getestet. „Wer die rudimentären Englischkenntnisse vieler Chinesen kennt und selbst nicht Mandarin kann, wird es zu schätzen wissen“, sagt er. Das ausgereifte Produkt will jajah für Telefonkonferenzen anbieten.

Der Big Deal ist zweifellos der mit Intel. Der weltgrößte Prozessorenlieferant für Computer wird die jajah-Telefonieplattform direkt auf seinem Chipset integriert haben, wie diesen Donnerstag bekannt wurde. Damit sollen die Notebooks und PCs zu kleinen jajah-Telefonzentralen werden. Für jajah ist das ein gewaltiger Hebel in den Markt: „Mit Intel beginnt ein neues Zeitalter der Telefonie. Wenn der Computer IP-Telefonie schon eingebaut hat, brauche ich nichts mehr herunterzuladen. Millionen von Rechnern werden dann mit Telefonie an Bord geliefert.“

Und der Anruf wird sogar durchgestellt, wenn der Rechner ausgeschaltet oder abgestürzt ist. Ein dreiviertel Jahr brauchten die jajah-Entwickler rund um Technik-Vorstand Daniel Mattes, bis sie das System so weit hatten, dass es auch reibungslos mit Drittanbietern wie der Zubehörindustrie funktioniert. Technisch ist es sogar möglich, das Festnetzgerät direkt an den Computer anzuschließen. Denn an der guten alten Sprechmuschel kommt selbst die Internettelefonie nicht vorbei.

Barbara Mayerl

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