Multimedia: Der Hunger nach Bandbreite im Internet steigt stetig

Die Verbraucher überraschen selbst Experten mit ihrem extremen Hunger nach Internet-Bandbreite. Verursacht wird der vor allem durch Video-Konsum und Online-Spiele.

Das Internet wächst – diese Binsenweisheit wird heute wohl niemanden mehr überraschen. Das Internet nimmt jedoch nicht nur in seinem Umfang zu, es steckt auch mitten im größten Strukturwechsel seit dem Durchbruch des World Wide Web Anfang der 90er-Jahre.

Video ist heute die treibende Kraft im Internet – seien es Online-Portale wie YouTube, die täglich Millionen von Usern als Unterhaltungsmedium dienen, oder Video-on-Demand-Angebote, die die neuesten Hollywood-Blockbuster direkt auf den Fernseher bringen. Bewegtbild ist die virtuelle Ware Nummer eins im Web. Weltweit werden täglich mehr als eine Milliarde YouTube-Videos angesehen, auf Computern, Notebooks, Handys oder Tablets. Damit das oft in Hochauflösung übertragene Videomaterial störungsfrei den Kunden erreicht, braucht es vor allem eines: Bandbreite bei den Übertragungsnetzen. Und zwar eine ganze Menge. Erst mit schnellen Breitband-Anschlüssen lassen sich die großen Datenmengen bewältigen, die bei der Videoübertragung im Net anfallen.

Breitband-Anbieter und Online-Experten sind sich dabei einig: Bis jetzt haben wir erst einen Vorgeschmack auf das multimediale Internet der Zukunft bekommen – und auf dessen Hunger nach Bandbreite. Im Jahr 2011 werden Videodienste erstmals für deutlich mehr als die Hälfte des weltweiten Datenaufkommens im Internet verantwortlich sein. Alle anderen Datenquellen sind im Vergleich zum Bandbreiten-Bedarf von Video nahezu nebensächlich. Das Web selbst – also alle klassischen Internetseiten – macht zusammengenommen im kommenden Jahr nicht einmal mehr ein Viertel des Internetverkehrs aus.

Das kommende Jahr könnte den endgültigen Durchbruch von Video-on-Demand und Internet-Video am Fernseher darstellen. Die neuen Flatscreens, auch solche mittlerer Preisklasse, haben bereits Direktzugang zum Internet – ganz ohne Umweg über einen angeschlossenen PC. Apple und Google sind ebenfalls dabei, Multimedia-Inhalte direkt auf den Fernseher zu bringen. Das klassische lineare TV wird es 2011 zunehmend schwer haben, gegen diesen bedarfsgerechten Vertrieb anzuprogrammieren.

Treiber Smartphone

Die Breitband-Provider müssen diesen steigenden Bedarf decken. Gängige Pakete bieten heute bereits Geschwindigkeiten von 16 Megabit pro Sekunde, in Ballungszentren sind es schon 50 Mbit und mehr. Die Nutzer passen sich den Gegebenheiten an: Je schneller die Internetanbindung, umso mehr Videoinhalte konsumieren sie auch.

So paradox es klingt: Mobile Endgeräte wie iPhone und iPad tragen zusätzlich zum erhöhten Bedarf an schnellen Breitband-Anwendungen zuhause bei. „Der Smartphone-Boom treibt den Bandbreiten-Bedarf, der zusehends über den Hotspot Wohnzimmer abgewickelt wird“, sagt UPC-Boss Thomas Hintze (siehe Interview ). Studien geben ihm Recht: Smartphone-Besitzer nutzen Multimedia-Funktionen am liebsten im Café oder zuhause.

In der mit Technik-Gadgets mittlerweile gut versorgten Durchschnittsfamilie kommt auf diese Weise schon einiges an Datenverkehr zusammen.

Selbst wenn sich der Datentransfer von mobilen Geräten (Handys, Netbooks) über die Mobilfunknetze noch lange nicht mit dem von Festnetzanschlüssen messen kann, ist der Trend zu mehr Breitband-Nutzung deutlich spürbar. Für das Jahr 2011 gehen Experten von einer Verdopplung des Datenverkehrs auf mobilen Endgeräten aus.

Mobilfunkanbieter „3“ spürt das geänderte Nutzerverhalten besonders stark, da der Anbieter ausschließlich Smartphones im Programm hat. „Mit 25-prozentigen Zuwachsraten pro Monat gehört Social Media zu den beliebtesten Diensten unserer Kunden“, erzählt „3“-CEO Jan Trionow. „Alle Prognosen zur Entwicklung mobiler Datendienste wurden bisher immer noch übertroffen.“

Wie groß der Anteil von Smartphones am mobilen Datenverkehr ist, zeigt sich in den absoluten Zahlen: Obwohl „3“ deutlich hinter Anbieter-Schwergewichten wie A1 und T-Mobile rangiert, hat das Unternehmen mit 875 Terabyte monatlich das höchste Datenaufkommen im Netz. Durchschnittlich benötigt ein Smartphone-Nutzer heute bereits 500 Megabyte pro Monat – vor drei Jahren waren es gerade mal 5 Megabyte.

Ende der Piraten-Netze?

Noch vor wenigen Jahren waren Tauschbörsen bzw. sogenannte Peer-to-Peer-Netzwerke (P2P) für den Großteil des Datenverkehrs im Internet verantwortlich. Die meisten hier über das Netz geschickten Daten waren urheberrechtlich geschützte Film- und Musik-Files, die nicht ordnungsgemäß bezahlt wurden. Das hat sich heute geändert: P2P-Traffic macht nur mehr rund ein Viertel des Gesamt-Datenvolumens aus.

Trotz noch so aggressiver Bemühungen der Film- und Musikindustrie sind die illegalen Inhalte jedoch nicht aus dem Internet verschwunden – sondern lediglich untergetaucht: Anstatt die Files über P2P-Börsen zu tauschen, werden sie jetzt auf Online-Datenspeichern wie Rapidshare oder Hotfile abgelegt und über herkömmliche Websites verlinkt. Ein Gutteil des Traffics, der bislang Teil des P2P-Bereichs war, ist damit ins Web abgewandert. Für die Rechteinhaber – Musik- und Filmfirmen – wird das kommende Jahr also eine echte Herausforderung, da es erheblich schwieriger wird, Usern, die geschützte Inhalte herunterladen, habhaft zu werden.

Vermehrt auf Breitband-Dienste setzen auch Spielehersteller wie Electronic Arts. „Der digitale Vertriebsweg wird für uns immer wichtiger und ist für Kunden erst durch schnelle Internetanschlüsse komfortabel“, weiß Firmen-Boss John Riccitiello. Neben dem Verkauf von Games direkt über das Web bereiten Spiele-Produzenten vermehrt auch eigene Breitband-Multimedia-Dienste vor: So soll man in Zukunft etwa direkt auf der Spielkonsole an E-Sports-Events per Live-Video teilhaben können.

Noch stärker auf Breitband setzt das Entertainment-Startup OnLive: Hier werden populäre Spiele vieler Hersteller, darunter auch die aktuellsten AAA-Titel, vom User gemietet. Er braucht sich das Spiel gar nicht erst herunterzuladen, sondern kann über eine Art Live-Video-Stream sozusagen „aus der Ferne“ spielen. Das eigentliche Spiel läuft dabei auf den Servern des Unternehmens OnLive.

Ob Spiele, Video oder andere Multimedia-Anwendungen: Die zunehmende Durchdringung der Internetanschlüsse mit schnellen Breitband-Verbindungen ermöglicht es, Unterhaltung und Information immer weiter ins Internet auszulagern. Das kommende Jahr wird für Konsumenten ein durchwegs positives: mehr Auswahl, mehr Möglichkeiten und durch den Konkurrenzkampf unterschiedlicher Anbieter auch mehr fürs gleiche Geld.

– Jan Fischer

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