Mobilfunker: 2013 wird ein Schicksalsjahr

Mobilfunker: 2013 wird ein Schicksalsjahr

Die Konsumenten kommunizieren mehr, den Anbietern brechen trotzdem die Umsätze weg. 2013 wird ein Schicksalsjahr gerade für einstige Pionierfirmen des Mobilfunks.

Mit dem Vermerk "Eilt“ tickerte die wichtigste Nachricht für die Branche am 3. Februar 2012 über die APA: Mobilfunker 3 übernimmt Orange, A1 die Orange-Diskonttochter Yesss!. Was den Rest des Jahres folgte, war das Gegenteil von Eile. Die kartellrechtlichen Prüfungen des Deals in Österreich und Brüssel zogen sich und lähmten die Mobilfunk-Branche des Landes. Nun hat Brüssel grünes Licht gegeben, die heimische Telekom-Control-Kommission ebenfalls. Sollte der Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), Theodor Thanner, nicht doch noch von seinem Rekurs-Recht Gebrauch machen - die Signale deuteten zuletzt nicht mehr darauf hin -, ist der Deal in trockenen Tüchern. Österreich hat dann drei statt vier Mobilfunker mit eigener Infrastruktur. A1 bleibt nach der Konsolidierung Marktführer, T-Mobile die Nummer 2, und Hutchison will seine 22 Prozent (inkl. Orange) möglichst rasch auf 30 ausbauen und T-Mobile ablösen.

Ohne BWB-Rekurs rechnet 3-Boss Jan Trionow mit dem Closing der Übernahme im Jänner und wird dann sofort mit der Zusammenführung der Unternehmen beginnen. Orange als Marke wird vom Markt verschwinden, die Infrastruktur unter den Käufern aufgeteilt, und 3 wird ins ehemalige Orange-Hauptquartier übersiedeln. Die Integrationsphase soll möglichst kurz ausfallen. 2013 wird ein Schlüsseljahr.

Im April werden voraussichtlich die neuen Mobilfunkfrequenzen ausgeschrieben, vermutlich im September folgt die Auktion. Die lange Vorbereitungszeit ist der Komplexität des Verfahrens geschuldet, sagt Georg Serentschy, Chef der Regulierungsbehörde. "Es gibt über eine Million kombinatorische Möglichkeiten, wie ein Interessent bieten kann.“ Die Betreiber haben sich schon heuer das Know-how einschlägiger Berater gesichert, die Behörde bereitet sich akribisch auf das Ereignis vor, denn: "2013 werden die Weichen gestellt für den Mobilfunk der kommenden zwei Jahrzehnte“, sagt Serentschy.

Neue Marken? Bitte warten

Genehmigt wurde der 3-Orange-Deal unter Auflagen. 3 wird bis zu 16 anderen Unternehmen sein Netz öffnen, die dann als sogenannte virtuelle Mobilfunker (Mobile Virtual Network Operator) ihre Produkte anbieten können. 3 umwirbt Neueinsteiger mit den "attraktivsten Preisen, die es in Europa gibt“, sagt Trionow. Wie viele es tatsächlich werden, wird sich zeigen. Einen Vorvertrag gibt es erst mit Provider UPC. Mit einem Markteintritt von UPC ist aber vor dem Sommer 2013 keinesfalls zu rechnen. Auch ein virtueller Betreiber braucht geeignete Hardware, ein Marketingkonzept, Kundenservice und nicht zuletzt ein Preismodell, das in einem heiß umkämpften Markt überhaupt noch sticht. A1-Generaldirektor Hannes Ametsreiter sieht die neue Konkurrenz gelassen. "Wir haben schon so viel gesehen. Es ist ein Kommen und Gehen. Ob die Neuen erfolgreicher sein werden, wird sich weisen“ (siehe Ametsreiter-Interview ).

Die Eintrittsbarrieren für einen Markteintritt sind niedrig wie noch nie. Sollte sich tatsächlich ein vierter Betreiber finden, der sogar in eigene Infrastruktur investieren möchte, wären für die Auktion im Herbst sogar noch Frequenzen von 3 "reserviert“. Wenn sich keiner findet, werden sie unter den verbleibenden Anbietern aufgeteilt.

Die Befürchtungen der Kartellwächter, dass der Preiskampf durch die geringere Anzahl von Infrastruktur-Providern bald zu Ende sein wird, dürfte sich kurzfristig nicht bewahrheiten. 3 hat wiederholt betont, weiter für aggressives Pricing zu sorgen. Dabei sind die Umsätze im Mobilfunk seit Jahren rückläufig. Der durchschnittliche österreichische Mobilfunk-Kunde bezahlte zur Jahresmitte statistisch 15 Euro monatlich, konsumierte dafür 145 Minuten, 50 SMS und 421 Megabyte Daten.

Eine Entwicklung war zu beobachten, die sich auch 2013 fortschreiben wird: Die Kunden verlagern ihre Kommunikation immer mehr auf das Schriftliche. Sprachtelefonie geht zurück, SMS und vor allem der Daten-Verbrauch steigen. Um diesen besser abwickeln zu können, warten die Mobilfunker schon sehnsüchtig auf die Frequenz-Versteigerungen - damit wird der Mobilfunk der vierten Generation beschleunigt (siehe " LTE ist in der Stadt, aber noch nicht am Land ").

Schicksalsjahr

Die Rahmenbedingungen für Telekom-Anbieter sind auch außerhalb Österreichs schwieriger geworden. Die Ratingagentur Moody’s prophezeit den europäischen Telkos ein "mageres Jahr 2013“. Die Provider sind in der Zwickmühle - von rückläufigen Umsätzen einerseits und hohem Investitionsdruck andererseits. Der Orange-Übernahme werden in Europa 2013 weitere Deals folgen. Mit ein Grund, warum Brüssel den österreichischen Deal offensichtlich "exemplarisch“ streng geprüft und nur unter Auflagen genehmigt hat.

Zu einem Schicksalsjahr wird 2013 auch für die Lieferanten der Handy-Betreiber. Netzwerkausrüster Nokia-Siemens wird nach dem Verlust eines Großauftrages der Deutschen Telekom seine Servicesparte wohl komplett schließen müssen. Das Glasfasergeschäft mit 1.900 Mitarbeitern hatte man schon zuvor verkauft, weil man sich nur mehr auf mobiles Breitband konzentrieren will. Ob das zur Rettung des angeschlagenen finnisch-deutschen Joint Ventures reicht, ist fraglich. Der chinesische Lieferant Huawei hat sich bei fast allen europäischen Telekom-Providern als Lieferant erster Wahl etabliert.

Bei den Endgeräten gab es 2012 Marktverschiebungen von historischen Ausmaßen. Samsung löste Nokia klar als weltgrößten Handy-Produzenten ab. Die Finnen werden auch 2013 zu sehr mit ihren Umstrukturierungen behindert sein, um zu alter Schlagkraft zurückzufinden. Die Entscheidung Nokias, sich beim Betriebssystem für Smartphones ausschließlich auf die Zugkraft von Microsoft zu verlassen, könnte sich als falsch erweisen. Microsoft hat mit Windows 8 zwar eine gute Plattform entwickelt. Die wichtigen Firmenkunden warten aber ab, bis sie "umstellen“. Und bei den Konsumenten kommen die Nokia-Smartphones mit Windows 8 nicht so recht vom Fleck. Beide Konzerne kämpfen darum, am Smartphone-Markt wahrgenommen zu werden.

Vor der letzten, vermutlich entscheidenden Schlacht steht auch eine andere ehemalige Kult-Firma des Mobilfunks. Die E-Mail-Pioniere aus Kanada, Research in Motion, haben 2012 noch einmal die Hälfte ihres Marktanteils eingebüßt. Wird der im Jänner kommende BlackBerry 10 kein Erfolg, werden die Kanadier wohl die Ersten sein, die 2014 nicht mehr erleben. Für einige Unternehmen im Mobilfunk wird das nächste Jahr das letzte ihrer Firmengeschichte sein.

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
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