Millionen-Verluste durch Roaming-
Regulierung: A1 & Co gegen die EU

Die drei großen Mobilfunker machen gegen die Roaming-Regulierung der EU mobil. Grund: 81,5 Mio. Euro Verluste.

Die Mobilfunker lassen sich bei ihrem Tarif-Poker ungern in die Karten schauen. Wie’s um den eigenen Spielstand steht, soll die Konkurrenz nicht wissen. Irgendwie beschlich die drei Großen (A1, T-Mobile und Orange) das Gefühl, dass sie immer schlechter aussteigen, seit eine Dame mit am Tisch sitzt. Die EU-Kommissarin Viviane Reding (siehe Bild) hatte Preis­obergrenzen für Handytelefonate im Ausland eingezogen.

Reding erweckt Branchenzorn
Seit Juli 2007 sind die Minutenpreise im EU-Ausland mit 55 Cent (aktiv) und 26 Cent (passiv) gedeckelt und werden mit Juli 2009 erneut um 3 Cent reduziert. Die resolute Luxemburgerin ist der Gottseibeiuns der Handychefs und „Schutzheilige“ der Kunden in Personalunion. Und sie lässt keinen Zweifel daran, dass das Roaming­projekt der wichtigste Nachlass ihrer Amtszeit werden soll. Dar­an werden wohl auch die offene Kritik der Netzbetreiber und Lobbying hinter den Kulissen nichts ändern. Redings nächste Pläne provozieren eine Mischung aus Angst und Zorn in der Branche. Ab Mitte 2009 sollen Auslands-SMS maximal 11 Cent kos­ten dürfen, zudem sollten Gespräche im Sekundentakt abge­rechnet werden, und die teils noch sehr hohen Datentarife stehen auch „unter Beobachtung“.

Kassasturz durch unabhängigen Dritten
Bis zum nächsten Sommer wollten A1, T-Mobile und Orange mit ihrem Kassasturz nicht mehr warten und gaben deshalb dem deutschen Wirtschaftsprofessor Jörn Kruse, einem intimen Kenner der heimischen Mobilfunklandschaft, detaillierten Einblick in ihre Bücher. Die von Kruse aggregierten Zahlen belegen hohe Umsatzeinbußen, ohne dass einer der drei seinen Teil exakt ausweisen muss. Kruse zu FORMAT: „Die Zahlen sind dramatisch schlechter geworden. Die drei Betreiber haben seit Inkrafttreten der Verordnung bis zum September 2008 einen EBITDA-Rückgang von 81,5 Millionen Euro, der auf die Regulierung der Roamingpreise zurückzuführen ist.“

Mengeneffekt nicht eingetreten
Auch der von der EU gewünschte Mengeneffekt hat die Österreicher offenbar nicht getroffen: Während der Durchschnittspreis bei den Roaming-Minuten um rund 40 Prozent sank, gab es bei den Minuten nur Zuwächse im einstelligen Prozentbereich, so die Ergebnisse von Kruse, der in der Folge mit einem „Wasserbett-Effekt“ rechnet. Das heißt, die Netzbetreiber werden diese Erlösrückgänge an anderer Stelle wettmachen müssen. Und das bedeutet verkürzt: weniger Investitionen ins Netz, weniger Handy-Subventionen und mittelfristig wohl auch höhere Tarife im Inland. Mobilkom-Vorstand Hannes Ametsreiter sagt, „dass diese massiven Einbußen bereits zu einem Rückgang der Investition geführt haben“.

Regulierung trifft Touristenländer
Der Professor hat im Beobachtungszeitraum für alle drei einen Rückgang von 40 Prozent auf 128 Mil­lionen Euro errechnet. Kruse: „Aus rein ökonomischer Sicht besteht kein Regulierungsbedarf. Bei Roaming herrscht genug Wettbewerb, wenn der Informationsstand der Kunden gut ist. Reding agiert politisch und nicht ökonomisch.“ Orange-Chef Michael Krammer stellt klar, dass die Roaming­regulierung „Touristenländer wie Österreich besonders hart trifft und die europäischen Mobilfunker im internationalen Wettbewerb extrem schwächt“ und fragt sich angesichts Redings weiterer Pläne, „ob das der Übergang zur marxistischen Planwirtschaft ist“. Dass ihre Einwände beim Daten-Roaming durchaus Berechtigung hatten, konzediert Krammer. Dass der kleinste Betreiber Hutchison 3 übrigens nicht zum Kassasturz gebeten wurde, liegt auf der Hand. 3 hatte die Regulierung als Einziger begrüßt und verrechnet in konzerneigenen Net­zen gar keine Roamingkosten.

Von Barbara Mayerl

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
#urlaub #internet #reise
 

Internet

Urlaub in letzter Sekunde

Warum Apple 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer ausgegeben hat, die man nicht braucht - und warum sich der Beats-Deal für den Konzern trotzdem lohnt.
#beats apple
 

Börse International

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Das Auto soll mit Elektromotor ausgestattet werden und
#Google #Elektroauto
 

Innovation

Google baut selbstfahrende Autos ohne Lenkrad