Microsoft auf Wolke Sieben: Der Trend geht zu Cloud Computing und Internet

Der weltgrößte Softwarekonzern vollzieht einen radikalen Strategieschwenk in Richtung Internet und Cloud Computing und zeigt erstmals Windows 7.

Ganz Amerika im Sog der Finanzkrise? Nicht ganz, die 8.000 Entwickler, die sich diese Woche im Los Angeles Convention Center zum Gipfeltreffen mit Microsoft einfanden, waren durchwegs guter Laune. Dass „etwas Großes“ in der Luft liegt, war bereits im Vorfeld klar. Die Pausengespräche drehten sich häufig um die Fragen, was nach Vista kommt, wie der Konzern der Finanzkrise trotzt und wie das Business für die Partner aussieht. Ray Ozzie, der Bill Gates als Chief Software Architect beerbt hat, enttäuscht die Menge nicht, als er in seiner Keynote die neue Entwickler-Plattform „Windows Azure“ als „Wendepunkt für die Firma“ auslobt und den Strategiewechsel in Richtung internetbasierter Dienste – dem sogenannten Cloud Computing (sie­he Die Vision vom Netzwerk ) – näher beschreibt. „Wir bringen das Beste aus dem Web zu Windows und das Beste von Windows ins Netz“, sagt Ozzie.

Internet als Datenquelle
Das Herzstück der Arbeit ist nicht mehr der PC, sondern eine Kombination aus Standgeräten, Handys und natürlich dem Internet als Datenquelle. In dieser „Cloud“ bewegen sich die Büroarbeiter, und von ihr werden sie auch versorgt, so die Vision. Sowohl das neue Betriebssystem Windows 7 (siehe Bild) als auch die Office-Programme werden auf diese Weise webtauglich gemacht. Noch ist vieles Zukunftsmusik, da die technischen Voraussetzungen noch nicht breit verfügbar sind, aber es zeigt sich, dass vor allem im Bereich der Teamarbeit („Collabora­tion“) großes Potenzial liegt.

Windows Azure
Das Cloud-Computing-Betriebssystem „Windows Azure“ stellt einen großen Schwenk in der Strategie von Microsoft dar. Erstmals sollen Entwickler eine Plattform zur Verfügung gestellt bekommen, mit der sich Anwendungen für die „Wolke“ schreiben lassen, und zwar einfach und schnell. Offene Standards, eine breite Testphase und viele Milliarden Dollar Investments in Datenzentren rund um den Globus stecken hinter dieser Ankündigung.

Ressourcen sparen mit der Wolke
Und genau hier war die Wirtschaftskrise dann doch Thema. Microsoft-Vizepräsident Dave Thompson meinte zu Azure: „Die Krise kommt zur rechten Zeit, beziehungsweise wir haben Azure zur richtigen Zeit angekündigt. Firmen suchen gerade sehr stark nach Einsparungsmöglichkeiten und wollen dennoch ihr Geschäft voranbringen, und genau hier setzen wir an.“ Ins selbe Horn stößt Andreas Ebert, früherer Geschäftsführer von Microsoft Österreich und heute Regional Technology Officer: „Windows Azure ist ein gigantischer Schritt für Microsoft. Es stellt die Infrastruktur für die Zukunft dar. Unternehmen müssen keine zusätzlichen Ressourcen für das Aufsetzen von Cloud-Computing-Anwendungen aufwenden.“

Verheißungsvolle Skaleneffekte
Die Skaleneffekte, die Microsoft hier bieten kann, heizen die Fantasie der Entwickler an. Ein eigenes Datenzentrum zu betreiben können sich einzelne Unternehmen nicht leisten. „Ein Datacenter kostet rund 500 Millionen Dollar“, sagt Ebert. Derzeit installiert Microsoft zwischen 10.000 und 20.000 neue Server im Monat. Um einen Größenvergleich zu bekommen: Facebook, die erfolgreichste Social-Network-Plattform der Welt, hat rund 10.000 Server in Betrieb. In Chicago baut Microsoft zurzeit eines seiner modernsten Datenzentren. Hier werden erstmals auch Server-Container zum Einsatz kommen, die 2.500 Rechnern Platz bieten und schnell aufgesetzt werden können.

Windows 7 mit Multitouch-Bedienung
Aufsehen erregte in L. A. natürlich auch die erste Vorschau auf das neue Betriebssys­tem Windows 7. Microsoft zeigte sich nach den Erfahrungen um Windows Vista geläutert: keine „Wow“-Effekte, sondern eine äußerst sachliche Präsentation der kommenden Neuerungen. Windows 7 setzt den eingeleiteten Wandel durch den Vorgänger fort, bringt jedoch einige Neuerungen wie die Multitouch-Bedienung, also Eingabe via Fingertippen. Die überarbeitete Startleiste zeigt sich nun übersichtlicher, und die von Office 2007 bekannte „Ribbon“-Oberfläche kommt auch hier zum Einsatz.

Bessere Kompatibilität
Zum Verkaufsstart 2010 soll Windows 7 mit allen Vista-Anwendungen kompatibel sein. Für Entwickler und Firmen bedeutet das, dass man sich nicht an eine neue Technologie gewöhnen muss – vorausgesetzt, man hatte bereits Vista im Einsatz. Der Schritt in die Zukunft soll wesentlich behutsamer ausfallen als beim Vorgänger. Zudem kündigte Microsoft an, früher mit den Herstellern zusammenzuarbeiten, um von Beginn an alle wichtigen Gerätetreiber bereitstellen zu können. Das war eines der großen Probleme zum Start von Vista.

Von Gregor Kucera (L. A.), Mitarbeit: Barbara Mayerl

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
#urlaub #internet #reise
 

Internet

Urlaub in letzter Sekunde

Warum Apple 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer ausgegeben hat, die man nicht braucht - und warum sich der Beats-Deal für den Konzern trotzdem lohnt.
#beats apple
 

Börse International

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Das Auto soll mit Elektromotor ausgestattet werden und
#Google #Elektroauto
 

Innovation

Google baut selbstfahrende Autos ohne Lenkrad