Microsoft - das Jahr der Entscheidung

Microsoft - das Jahr der Entscheidung

Kapitän auf Kurskorrektur: Der Microsoft-CEO lässt eine Produktinnovation nach der anderen vom Stapel, baut den Konzern um und rüstet für Social Media und Cloud Computing auf.

Auf der Partnerkonferenz WPC in Toronto, einer Mammutveranstaltung mit 16.000 Teilnehmern, wo Workshops mitunter ähnlich stark besucht sind wie BWL-Einführungsvorlesungen, ist Microsoft-CEO Steve Ballmer in seinem Element. Das Betriebssystem Windows 8, das im Oktober herauskommen soll, werde zum "biggest thing“ seit 17 Jahren - "mindestens“, brüllte er ins Air Canada Centre.

Der Vergleich zu Windows 95, dem Betriebssystem, dessen grafische Oberfläche erstmals wirklich konsumententauglich war, hängt bedeutungsschwer im Raum. Ballmer ist laut und enthusiastisch wie meist, doch Windows 8 scheint persönlicher. "Das sind aufregende, aufregende Zeiten“, stößt er nach.

Daheim, das verrät er später, verwendet er längst Office 15, die Nachfolgeversion der aktuellen Bürosoftware, gemeinsam mit Windows 8. Seine Reaktion: "Ich weiß nicht, was es mit der Kombination auf sich hat, aber ich bin total verliebt.“

Ballmer ist Mitte 50 und knapp 15 Milliarden Dollar schwer. Der Microsoft-Mitarbeiter Nummer 30 ist der zu laute Stimmungsmacher, der tollpatschige Riese inmitten einer Industrie, die voll ist von Geeks. Ballmer ist stets begeistert, sein Enthusiasmus erinnert an sportlichen Wettkampfgeist. Wenn ihm der Schweiß von der Stirn perlt und er die Faust schwingt, um das Publikum von seiner Sache zu überzeugen, ist er bemüht wie kein anderer CEO, aber niemals cool. Die YouTube-Videos, die über ihn kursieren, sind legendär und inzwischen auch ein wenig Teil seiner Person.

Seit zwölf Jahren hält Ballmer das Zepter, seit drei Jahren ganz ohne Bill Gates, der sich ausschließlich seiner Stiftung widmet. Microsoft ist nicht mehr dasselbe Unternehmen seit Ballmer. Was weniger an Ballmer als am veränderten Technologieverhalten liegt. Computer werden heute von Durchschnittsmenschen bedient, nicht Technikern. Informationstechnologie ist von Social Media durchdrungen, worauf Microsoft - aber auch Google - keine echte Antwort hat. Yammer, eine Art Facebook für Unternehmen, könnte zum Trumpf im Ärmel werden. Auch Skype, von 250 Millionen Menschen verwendet, ähnelt einer sozialen Anwendung und ist in der neuen Version von Office gleich mit eingebaut.

Doch im Microsoft-Hauptquartier in Redmond wurden die Zeichen der Zeit lange übersehen. Dass es der Konzern überlebt hat, mit prallvollen Kassen überdies, ist Windows und Office zu verdanken, die spülen verlässlich Geld in die Kassen. Allein Windows 7 verkaufte sich 630 Millionen Mal. Der Konzernumsatz legte hier in den letzten zehn Jahren um 45 Milliarden Dollar auf 70 Milliarden zu.

Dass die Industrie alles kauft, was bei Microsoft vom Stapel läuft, hat spätestens seit Windows Vista ein Ende. Das Debakel verarbeiten die Redmonder heute noch. Dass Unternehmen ein Betriebssystem schlicht auslassen würden, weil es Hardware-Ressourcen verschlingt, aber kaum Vorteile bietet, schien bis dahin undenkbar. Heuer wird Windows XP, der Vorgänger von Vista, an dem viele Unternehmen damals festhielten, 15 Jahre alt. "Wir machen eine große Geburtstagsfeier, und dann begraben wir es“, erklärt COO Kevin Turner bei der WPC-Rede. Die Fehlschläge taten finanziell richtig weh: Im Online-Geschäft (Suchmaschine und Werbung) musste der Konzern erst im Frühjahr 2012 Milliardenabschreibungen vornehmen. Für den 8,5-Milliarden-Zukauf von Skype erntete man erst Kopfschütteln. Aber diese Investition könnte sich - zumindest auf lange Sicht - strategisch ausgezahlt haben.

Doch in letzter Zeit lernte Microsoft dazu. Im Stillen zauberte das Unternehmen den Tablet Surface aus dem Ärmel, der mehr PC ist als Tablet. Seither wird das Gerät kaum noch hergezeigt, wohl um kleine Fehler nicht in der Presse breitgetreten zu bekommen. Ausgestellt war Surface nicht einmal auf der WPC, wo die meisten Partner ganz begierig waren, den Computer live zu sehen. Am 17. Juli holte sich Microsoft eine ganze Reihe an Journalisten zu einem "Mystery Event“ nach San Francisco, bei dem Office 15 vorgestellt wurde. Zumindest die Geheimniskrämerei schien bei Apple abgeschaut.

Steve Ballmer baut um

Ballmer, der von manchen Medien immer wieder zum schlechtesten CEO gewählt wird, nicht zuletzt, weil er trotz hoher Profite den Aktienkurs nicht höher bringt, hat hinter den Kulissen festgefahrene Microsoft-Teams aufgebrochen, die ihr Süppchen inzwischen gemeinsam kochen. Das Unternehmen hat es in die neuen Zeiten geschafft, mit einem Produktportfolio, das so durchgängig ist wie lange nicht mehr. Erstmals sollen sämtliche Software-Produkte jährlich ein Update bekommen, was besondere Begeisterung auf der WPC auslöste.

Die Sicherheitsprobleme der Vergangenheit nivellieren sich zumindest gegenüber jenen anderer Hersteller. Neben dem Release von Windows 8 steht auch die neue Server-Software vor der Tür. Laut Microsoft-Einschätzung sollen innerhalb der kommenden zwölf Monate 375 Millionen neue Windows-Rechner über die Ladentische gehen.

Die größte Herausforderung ist aber das Cloud Computing, also jene Kursänderung im Softwarevertrieb, die sich am wenigsten von der Zentrale aus steuern lässt. Cloud-Produkte verändern die Einnahmenstruktur der Partner: Produkte zur Miete anzubieten bedeutet, dass aus großen Summen kleinere, monatliche Einnahmeströme werden.

Für Microsoft steht dabei nichts weniger als das künftige Geschäft auf dem Spiel. Partner tragen den größten Teil des finanziellen Kuchens bei. Zuletzt zeichneten sie für 609 Milliarden Dollar verantwortlich, so Ballmer in Toronto, das Geschäft wuchs um 13 Prozent. Entscheidend ist laut dem Konzern-CEO das Zusatzgeschäft. Nicht Office 365, die Cloud-Version der Bürosoftware, bringe das große Geschäft, sondern deren Erweiterungen durch die Partner. Das Ziel ist ambitioniert: Jeden Monat sollen zwischen 30.000 und 50.000 Partner in die Microsoft-Cloud kommen.

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