Maschinen-Kommunikation ist der Hoffnungsmarkt für Mobilfunker

Maschinen-Kommunikation ist der Hoffnungsmarkt für Mobilfunker

Die direkte Kommunikation zwischen elektronischen Geräten gilt als riesiger Wachstumsmarkt. Bald könnte in fast jedem Alltagsgegenstand eine SIM-Karte stecken.

Bauern, die sich rund um die Uhr über die Vitalfunktionen ihrer Kühe auf dem Laufenden halten wollen, blicken entspannten Zeiten entgegen. Die französische Firma Medria bietet Landwirten eine ganze Palette von mobilfunkbasierenden Überwachungsprodukten für Tiere an. Vernetzte Rindviecher sind nur ein Beispiel für einen boomenden neuen Technologietrend - der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) -, bei dem technische Geräte verschiedenster Art über eine Internet-verbindung miteinander kommunizieren. Im Zusammenspiel zwischen Sensorik, einer zentral laufenden Software und Regeltechnik lassen sich so Objekte und Prozesse selbst über weite Strecken hinweg automatisiert überwachen, steuern und optimieren.

Die Idee ist nicht neu. Dass das Thema jetzt in fast allen Wirtschaftssektoren abhebt, hat mehrere Gründe: Durch die stark gestiegene Netzabdeckung, sinkende Mobilfunktarife und durch die Miniaturisierung von SIM-Karten, die es mittlerweile auch in hitze-und staubresistenter Ausführung gibt, kann jedes noch so kleine Gerät zu vertretbaren Kosten M2M-fähig gemacht werden. Zudem haben Mobilfunker kostengünstige M2M-Tarifpakete geschnürt und bieten auch Services und technische Plattformen für die Integration und das Management von M2M-Lösungen an.

Die Einsatzgebiete im Geschäfts- und auch Privatleben sind mannigfach. Bei Otis Kroatien verbinden M2M-SIM-Karten die Aufzüge mit der Wartungszentrale, und Microtronics in Niederösterreich vernetzt mithilfe von A1 ihre Industriesteuerungsmodule. Analysten glauben, dass es bald mehr SIM-Karten für M2M als für Handys geben wird (siehe " Anwendungsgebiete für M2M "). Kein Wunder, dass sich alle großen Provider dem umsatzträchtigen Thema verschrieben haben. Gemeinsam mit Partnern werden Komplettlösungen für verschiedenste Branchen entwickelt, berichtet etwa Bernd Liebscher, Geschäftsführer der eigens gegründeten M2M-Tochter von A1.

Vernetzung per Gesetz

Liebscher sieht das M2M-Geschäft auch stark von neuen Gesetzen getrieben - etwa durch die "Smart Meter“-Richtlinie der EU, nach der alle Haushalte mit digitalen Stromzählern (Smart Meter) ausgestattet werden müssen, die automatisch Stromverbrauchsdaten an den Netzbetreiber übermitteln, oder die "eCall“-Verordnung, die ab 2015 Crash-Sensoren und automatische Notrufsysteme in allen Neuwagen verlangt. Allein diese EU-Vorschriften bringen in den nächsten Jahren Dutzende Millionen neue M2M-SIMs.

Auch im Bezahlbereich wird M2M gesetzlich vorangetrieben, berichtet Liebscher. In Bulgarien muss der Handel jeden Ein- und Ausgang automatisiert an das Finanzamt melden. Mittlerweile kommunizieren diese M2M-Module in 180.000 Kassensystemen mit der Steuerbehörde. In Serbien, Kroatien und Mazedonien sind ähnliche Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung geplant.

Neben dem Firmengeschäft sollen diese versteckten SIM-Karten bald auch die Verbraucher direkter umgeben. Die Vision ist das viel beschworene "Internet der Dinge“, in dem jedes Alltagsgerät eine IP-Adresse hat und darüber angesprochen werden kann. Nespresso-Maschinen für den Bürogebrauch sind bereits mit M2M-Modulen zur Kapsel-Nachbestellung bestückt. "Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Der M2M-Datenverkehr wird ähnlich explodieren wie einst SMS“, schätzt Thomas Kicker, T-Mobile-Firmenkunden-Chef. Der Mobilfunker hat über die Zusammenarbeit mit der Mutter Deutsche Telekom Zugriff auf ein großes M2M-Angebot. Ein von T-Mobile Österreich entwickelter Dienst vernetzt die "Notfall-Uhren“ des Schweizer Herstellers Limmex.

Auch Mobilfunker 3/Orange kann schon Projekte bei Bankomatkassen und im Flottenmanagement vorweisen. Und in den Wiener Gemeindebau-Waschküchen wurden 1.600 Geräte zur automatischen Abrechnung vernetzt.

Bremsende Wirkung

Zu einem Hemmschuh könnte aber der Datenschutz werden. Smart Meter haben Datenschützer europaweit bereits alarmiert. Bald könnten sich einige von ihrer Espresso-Maschine ausspioniert fühlen. Und wenn man sich vor Augen führt, dass sich mehr Menschen Sorgen um ihre Kinder als um ihr Nutzvieh machen, braucht es keine blühende Fantasie, um sich vor möglichen M2M-Auswüchsen zu fürchten. "T-Mobile würde sich nie an ethisch oder datenschutzrechtlich fragwürdigen Projekten beteiligen“, hält Kicker fest. Hoffentlich denken alle so.

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