Manfred Reichl und Markus Wagner im FORMAT-Interview

Manfred Reichl und Markus Wagner sind zwei Schlüsselfiguren in der heimischen Business-Angel-Szene. Wie sie Gründer begleiten und was sie von ihnen verlangen.

FORMAT: Sieben Millionen Euro haben heimische Unternehmer in den neuen Fonds Speed Invest eingebracht. Aber es war dafür viel Überzeugungsarbeit nötig. Sitzt den Business Angels das Geld nicht mehr so locker in der Tasche?

Reichl: Es war vor drei, vier Jahren leichter, keine Frage. Die Leute haben mit der Krise Geld verloren und gehen jetzt vorsichtiger damit um.

FORMAT: Wie groß ist denn die heimische Business-Angel-Szene tatsächlich? Einmal ist von 150, dann wieder von 300 Leuten die Rede …

Reichl: Ein Business Angel im engeren Sinn gibt Geld und unterstützt die Firmen mit seiner Expertise und mit Kontakten. Davon gibt es in Österreich eine Anzahl im mittleren Zehner-Bereich. Der Rest, rund dreimal so viele, investiert auf Anregung der anderen einfach sein Geld.

FORMAT: Wie komme ich als Gründer denn an die profiliertesten und für mich passenden Angels heran?

Reichl: Networken auf Events wie diesem (Startup Week; Anm.), Leute ansprechen und sehr viele Klinken putzen – das meint heute also viele E-Mails schicken.

FORMAT: Wie viele Präsentationen kriegen Sie denn pro Woche? Und wie überzeugen die Gründer Sie?

Wagner: Wenn es nur zwei pro Tag sind, ist das wenig. Deswegen haben wir ja auch den Cluster (Start-up-Cluster InitialFactor; Anm.) gestartet. Nicht alle Projekte brauchen Geld. Manchmal ist es eine Vermittlungsarbeit, die wir leisten: Wir verweisen die Leute an die richtigen Stellen weiter.

Reichl: Die Gründer müssen Feuer in den Augen und Pfeffer im Hintern haben, glaubwürdig sein und ihre Idee gut vertreten können.

Wagner: Das Geschäftsmodell muss ein Gründer irgendwo auch „an den Eiern haben“. Ich meine damit weniger die klassischen Gründer Anfang 30, die eh einen Job haben und sich noch etliche Nebentüren offen halten. Es geht hier schon um eine Art Lebenstraum und um Leidenschaft. Oft muss man Eltern überzeugen, warum man einen sicheren Job an den Nagel hängt, dem Lebenspartner erklären, warum es wieder keinen Urlaub gibt, und die Mitarbeiter immer wieder überzeugen. Gerade in schlechten Zeiten zeigt sich, wie Gründer an ihre Idee glauben – eben genau dann, wenn ein anderer schon wieder einen Rückzieher gemacht hätte.

FORMAT: Sie beide wurden jeweils als Business Angel of the Year ausgezeichnet, weil Sie sich sehr engagieren. Wie viele Projekte betreuen Sie tatsächlich operativ?

Wagner: Mehr als drei schafft man realistischerweise nicht, wenn man es ernsthaft macht.

FORMAT: Was tun Sie konkret?

Reichl: Ich bin unter anderem in zwei Pharmafirmen drinnen. Bei der einen kümmere ich mich um frisches Kapital, Vorstandsgehälter und die großen Investitionen. Das zweite habe ich mit einem fachlich qualifizierten Co-Geschäftsführer aufgezogen. Und bei einer Solarfirma kümmere ich mich jetzt um die Pilot-Installationen in sonnenstarken Ländern – oder bringe sie mit einem deutschen Industriefonds zusammen.

FORMAT: Wie sieht Ihre Bilanz bzw. Ausfallsquote aus?

Wagner: Bei meinen Projekten war ein Drittel ein glatter Bauchfleck, ein Drittel okay und ein Drittel wirklich super. Auf die Quote bin ich schon stolz.

Reichl: Ausgefallen ist mir noch keines, zwei sind etwas „shaky“. Die Herausforderung für einen Business Angel ist die, beim Scheitern bzw. Verkauf die anderen Investoren fair zu beteiligen. Das unterscheidet den Business Angel vom reinen Venture-Kapitalisten, der eine gewisse Ausfallsquote einfach einkalkuliert. In der Regel gibt es ja eine Software oder ein handfestes Produkt, das – auch ohne das Gründerteam – in einem anderen Kontext interessant sein könnte. Als Business Angel trage ich eine besondere Verantwortung für einen guten Ausstieg. Ich habe einen Ruf zu verlieren.

FORMAT: Der US-Präsident hat die Gründerfinanzierung zur Chefsache gemacht. Was könnte die heimische Politik tun, um die Risikokapital-Szene zu stimulieren?

Reichl: Es ist bedauerlich, dass ich einen Gewinn, den ich beim Verkauf eines Unternehmens erziele, nicht mit einem Verlust, den ich beim zweiten vielleicht erleide, gegenrechnen kann. Um die Rolle solcher privaten Investoren zu fördern, sollte man diesen Risikoausgleich zulassen. So ein steuerlicher Anreiz würde den Staat nicht viel kosten.

Wagner: Es gibt EU-Länder, wo solche Beteiligungsverluste die Einkommenssteuer mindern. Einen Verlust abschreiben zu können nähme etlichen potenziellen Investoren sicher einige Ängste. Und einen allfälligen Gewinn zu versteuern, dagegen hat, glaube ich, keiner was.

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