LTE: Nun wird gepokert im Mobilfunk-Paradies

LTE: Nun wird gepokert im Mobilfunk-Paradies

Mit einer historischen Frequenz-Auktion werden die Karten am Mobilfunk-Markt neu gemischt. Die Netzbetreiber bereiten sich jetzt ein halbes Jahr darauf vor.

Die Versteigerung des Jahrzehnts findet im September statt. Sie wird der Republik Österreich zumindest eine halbe Milliarde Euro bringen. Drei oder vier Bieter werden teilnehmen, und die sind hochgradig nervös. Es geht um ihre Geschäftsgrundlage für die kommenden 20 Jahre: Frequenzen sind im Mobilfunk so wichtig wie Asphalt für einen Autobahnbetreiber. Das Attribut "historisch“ ist nicht vermessen, denn mit dieser Versteigerung werden gleich 50 Prozent der verfügbaren Ressource neu zugeteilt.

Seit 20. März haben die Netzbetreiber zumindest in einem Punkt Gewissheit. Der Telekom-Regulator veröffentlichte im Amtsblatt der "Wiener Zeitung“ die Ausschreibungsbedingungen und beendete Spekulationen um das Auktions-Design. Georg Serentschy wählt das kombinatorische Clock-Verfahren (CCA), wo in mehreren Runden und teilweise blind auf Frequenzpakete geboten wird. Kritik am Verfahren, wie sie T-Mobile-Vorstand Andreas Bierwirth geäußert hatte, lässt der Regulator nicht gelten. "Das Verfahren hat sich bei Auktionen im Ausland bewährt und war auch in Österreich schon im Einsatz“, sagt er.

Auch den Vorwurf der Erlösmaximierung im staatlichen Auftrag weist er zurück: "Mit 526 Millionen Euro haben wir das Mindestgebot am unteren Ende des Marktes angesetzt.“ Eine Eskalation, wie sie bei der tschechischen Frequenzversteigerung Anfang März passierte, ist für Serentschy kaum denkbar. Dort war ein simultanes Mehrrundenverfahren im Einsatz, und die Betreiber haben sich so hochlizitiert, dass der Regulator abbrechen musste, weil die Ausgaben nicht mehr refinanzierbar gewesen wären.

Serentschy hat das CCA auch deshalb gewählt, "weil es durch seine Methodik resistenter gegen Absprachen ist und gute Anreize für wahrheitsgemäßes Bieten schafft“, sagt Serentschy. Kurz: Die Motivation, aus taktischen Überlegungen die Gebote für den Gegner hochzutreiben, sollte nicht gegeben sein. Ganz im Gegenteil: Den drei Mobilfunkern mit eigener Infrastruktur - A1, T-Mobile und 3/Orange - käme ein niedrigeres Auktionsergebnis eigentlich entgegen. Deren Umsatz- und Erlössituation ist trotz Smartphone-Booms angespannt. Der Versuchung, sich abzusprechen, sollten sie dennoch nicht erliegen - dann droht der Ausschluss vom Verfahren.

Billiger Start für Neueinsteiger

Das Zusammengehen von 3 und Orange im Jahr 2012 und die langwierigen Kartellprüfungsverfahren waren der Grund, dass diese Versteigerung mit eineinhalb Jahren Verspätung passiert. Eine Auflage für den Merger war das Senken von Barrieren für potenzielle Neueinsteiger. Der Regulator hat für einen neuen Infrastruktur-Betreiber (damit sind nicht virtuelle Mobilfunker gemeint) zwei Blöcke im 800-MHz-Spektrum "reserviert“. Die müssen mindestens 45,6 Millionen Euro einbringen.

Nimmt die keiner in Anspruch, kommen auch sie in die Hauptauktion, die sicher einige Wochen dauern wird. Um reine Spekulanten fernzuhalten, hat der Regulator nicht nur Mindestgebote festgelegt, sondern auch Versorgungsauflagen und ein generelles Veräußerungsverbot für fünf Jahre ausgesprochen.

Bis zum 10. Juni haben die Betreiber Zeit, sich um die Zulassung zu bemühen und ihre finanzielle Bonität nachzuweisen. Ab dem Frühsommer bekommen sie Gelegenheit, mit der Auktions-Software zu üben und sich auf das hochkomplexe Verfahren vorzubereiten. Im Sommer gibt es noch Schulungen, und die Auktionsteams der Netzbetreiber können ihre Strategien ausfeilen, bevor es im September tatsächlich ernst wird.

Vom Bietergeschick hängt viel ab, denn die 26 Frequenzblöcke wurden in neun Kategorien unterteilt und sind mit unterschiedlichen Versorgungsverpflichtungen verknüpft. Damit verfolgt der Regulator durchaus politische Ziele, die in der "Digitalen Agenda“ der EU festgeschrieben wurden und die Breitband-Versorgung am Land forcieren sollen. 541 Gemeinden gelten als unterversorgt.

Gleichgültig, welche Summe rauskommt, Finanz- und Infrastrukturministerium machen fifty-fifty. Infrastrukturministerin Doris Bures gab am 21. März bekannt, dass sie Teile davon in die Breitbandförderung stecken wird. Bures: "Breitband schafft Jobs.“ Jedes Zehntel mehr an Breitbandversorgung ergibt ein Jobwachstum von zwei bis drei Prozent. Damit ist aber wohl erst ab 2015 zu rechnen.

Nach Abschluss der Auktion werden die Frequenzen dann noch umgewidmet ("Refarming“), damit die Mobilfunker auf Bändern, die bislang etwa nur für Sprachtelefonie genutzt wurden, auch Datendienste anbieten können. Dann kann die 4. Mobilfunkgeneration LTE (LongTerm Evolution) landesweit ausgebaut werden. Serentschy schätzt, dass die Betreiber das in "ein bis zwei Jahren“ hinbekommen. Auch wenn A1 schon werbewirksam die 4. Mobilfunkgeneration ausruft - die Datenübertragung von bis zu 100 Megabit pro Sekunde ist erst in Ballungsgebieten nutzbar, natürlich nur mit entsprechenden LTE-Datensticks und -Smartphones.

Maulkorb-Erlass

So gern Mobilfunker über Tarife reden, an den Maulkorb-Erlass des Regulators halten sie sich. Jedes noch so kleine Detail, das über ihre Taskforces oder Berater nach außen dringt, könnte Rückschlüsse auf ihre Strategien zulassen. in den kommenden Monaten werden Trockenübungen absolviert für den herbstlichen Poker. Eines sollte die Mobilfunker beruhigen - sie bekommen ihren Einsatz diesmal früher zurück. Als sie einst die UMTS-Lizenzen ersteigert hatten, fehlten ihnen Anwendungsszenarien und Geräte. Eine Smartphone-Revolution später gibt es mehr Daten als jemals zuvor, die durch die Netze transportiert werden müssen.

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