"Kosten sind der Treiber"

Kosten senken ist Trumpf, Banken sourcen aus, neue Servicemodelle setzen sich durch.

"Kosten sind der Treiber"

FORMAT: Outsourcing gilt landläufig als gern genutztes Krisenrezept. Wie läuft Ihr Geschäft angesichts der schwächelnden Konjunktur?

Wilfried Pruschak: Diese antizyklische Entwicklung ist tatsächlich ein genereller Trend, den ich nach 2008 jetzt schon zum zweiten Mal erlebe und der auch von einer aktuellen Studie bestätigt wird. Mit einer länger dauernden Konjunkturabschwächung wird das Outsourcing-Geschäft stärker.

Und wie geht es der Raiffeisen-Informatik-Gruppe insgesamt?

Pruschak: Wir werden heuer eine schöne Umsatzsteigerung von zwölf Prozent haben, wobei fünf Prozent auf den Zukauf der deutschen Softwarefirma Datalog entfallen. Bleibt immer noch ein organisches Wachstum von sieben Prozent, was weit über dem IT-Branchenschnitt von zwei bis drei Prozent liegt. Im Servicebereich ist das Wachstum vor allem auf einige größere Outsourcing-Neuprojekte zurückzuführen.

Die da wären?

Pruschak: Für unseren großen Outsourcing-Kunden Uniqa haben wir ein Online-Vertriebssystem für Versicherungsprodukte aufgebaut. Außerdem übernahmen wir den Betrieb des "Post Managers“ (Anm.: Online-Briefkasten der Post), bei der Österreichischen Sporthilfe den technischen Betrieb, bei Wiener Wohnen die Neuentwicklung und den Betrieb der Kernapplikationen und der Homepage, bei Orange haben wir das SAP-Betriebsservice ausgeweitet und darüber hinaus die IT-Infrastruktur der Raiffeisen Bank International übernommen.

Warum erst jetzt, wo Raiffeisen Informatik doch seit Jahrzehnten als konzerninterner Dienstleister zur Verfügung steht?

Pruschak: Weil die RBI ein sehr spezifisches Geschäftsmodell hat. Jetzt will man trotzdem stärker Synergien nutzen, was natürlich auch mit dem wirtschaftlichen und regulatorischen Druck auf den Bankensektor zu tun hat. Wir übernehmen da eine sehr mächtige Infrastruktur und auch zahlreiche Mitarbeiter. Durch die Bündelung der Ressourcen erzielen wir unter anderem wichtige Kosteneffekte.

Aus welchen Gründen outsourcen Firmen derzeit?

Pruschak: Das Hauptargument der Kunden ist nach wie vor Kostenreduzierung. Erst danach kommen Konzentration auf Kernkompetenzen, Standardisierung, Qualitätssteigerung und der Zufluss von externem Know-how.

Und was ist mit der viel beschworenen "Innovationspartnerschaft“?

Pruschak: Da haben Kunden und Anbieter unterschiedliche Sichtweisen. Die Anbieter wollen natürlich nicht alles auf die reine Kostendiskussion reduzieren und sich damit unter Margendruck bringen, sondern fokussieren sich in ihren Angeboten auf Themen, die dem Kunden auch einen Mehrwert versprechen. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Das Kostenthema ist der Auslöser beim Kunden, und dabei stößt er dann auch auf Anregungen, die ihm womöglich dabei helfen, sein Geschäftsmodell besser zu unterstützen oder neue Produkte und Services zu entwickeln.

Wie hat sich das Business eines Rechenzentrumsdienstleisters in den letzten Jahren verändert?

Pruschak: Die wichtigsten Schlagworte sind Standardisierung und im besonderen Ausmaß Automatisierung. Wir arbeiten seit zwei Jahren mit Hochdruck an der völligen Automatisierung der Bereitstellung von Infrastruktur. Es gibt dann fast keine Mitarbeiter mehr, die noch physisch auf Maschinen zugreifen. Unsere Techniker werden zu IT-Servicemanagern und IT-Architekten. Sie geben die Parameter ein, die den Kundenbedarf charakterisieren, und Automaten konfigurieren dann vollkommen selbständig die nötigen Server-, Netzwerk- und Speicherressourcen. Das geht innerhalb von Minuten.

Der nächste Schritt wäre dann ein Cloud-Servicemodell, in dem sich die Kunden quasi selbst bedienen können.

Pruschak: Viele Geschäftsprozesse haben für kurze Zeitintervalle einen erhöhten Ressourcenbedarf. Mit unserer "Premium Business Cloud“ bieten wir Bestandskunden bereits jetzt die Möglichkeit, sich über ein Selbstbedienungsportal kurzfristig mit zusätzlichen Kapazitäten zu versorgen. Man bekommt binnen Minuten Hostnamen und Passwort für ein System mit der gewünschten Konfiguration und dem gewünschten Betriebssystem. Vor allem von Anwendern in der Softwareentwicklung, die einen volatilen Bedarf haben, wird das Service schon rege genutzt.

Diesen Sommer haben Sie den Spatenstich für ein neues Rechenzentrum vorgenommen. Wurde auch weitergegraben?

Pruschak: Ganz schön tief sogar, und wir sind jetzt schon fleißig am Bauen. Derzeit betreiben wir mehrere Rechenzentren. Nach der Fertigstellung 2014 konsolidieren wir alles auf dieses neue Hauptrechenzentrum in Wien-Stadlau und ein redundates Ausfallrechenzentrum.

Auch im Rechenzentrumsbau hat sich technologisch viel getan. Was sind da die neuen Entwicklungen?

Pruschak: Vor zwanzig Jahren hat man Rechenzentren einfach in die Firmen-Bürohauser eingebaut. Heute macht man das in einem eigenen Zweckbau, in dem sich so wenige Menschen wie möglich aufhalten. Das Design des Gebäudes ist ganz auf Sicherheit und Optimierung der Klima-, Kühl- und Elektrotechnik ausgerichtet. Durch die extreme Miniaturisierung der Infrastruktur werden die Packungsdichten an Prozessoren und Speichern immer größer. Die effiziente Leistungszufuhr und Wärmeabfuhr ist in Wahrheit heute die größte Herausforderung, in die bis zu zwei Drittel der Errichtungskosten fließen.

Die Miniaturisierung wäre angesichts des Trends, die Rechenzentren auf die grüne Wiese zu bauen, gar nicht mehr notwendig. Konzentrieren sich die Hersteller zu sehr auf den Konsumentenmarkt?

Pruschak: Ja, und das macht mir Sorgen. Lange Zeit haben sich Technologien aus dem Consumer-, dem Business- und dem Rechenzentrumsbereich gegenseitig befruchtet. Jetzt scheint es nur noch darum zu gehen, ob ein neuer Chip am Ende des Tages in ein Smartphone oder Tablet passt. Die Hardware- und auch Softwarehersteller haben sich voll auf den Konsumentenmarkt ausgerichtet, weil dort Milliarden-Stückzahlen zu erwarten sind. Das führt einerseits zu einem starken Preisverfall, wie wir ihn am Handymarkt schon erlebt haben. Gleichzeitig könnte die "erwachsene“ IT für große Rechenzentren wieder teurer werden, weil sich die derzeit forcierten Technologien dafür nicht mehr eignen.

Was erwarten Sie für 2013?

Pruschak: Insgesamt ein ähnliches Geschäftsvolumen wie heuer. Wesentliche Komponenten unseres Geschäftsmodells sind nicht so stark konjunkturabhängig. Und im Softwaregeschäft hilft uns die internationale Aufstellung. Einbußen in Regionen mit schlechterer Konjunktur können wir in anderen Regionen wettmachen. Asien und Russland sind absolute Wachstumsmärkte.

Zur Person: Der gelernte Wirtschaftsinformatiker Wilfried Pruschak, 51, begann seine Karriere bei Philips Data Systems und bei Gemdat NÖ. Seit 1996 ist er Geschäftsführer von Raiffeisen Informatik. Durch die Übernahme der deutschen Comparex-Gruppe 2009 avancierte die IT-Tochter der Raiffeisen-Gruppe zum größten IT-Unternehmen des Landes und zum internationalen Player im Software-und Service-Bereich. 2012 sind 1,5 Milliarden Euro Umsatz angepeilt.

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