Kim Schmitz – Staatsfeind Nr. 1

Kim Schmitz wird vom FBI gejagt. Die US-Musikbranche will ihn als "größten Internet-Piraten aller Zeiten“ für 20 Jahre hinter Gitter bringen. Er kämpft dagegen - und scheint zu gewinnen.

Kim Schmitz – Staatsfeind Nr. 1

Aus Hubschraubern seilen sich am 19. Jänner dieses Jahres 80 schwer bewaffnete FBI-Agenten auf den Vorplatz des luxuriösen Anwesens im neuseeländischen Auckland ab. Ein Rammbock öffnet die Eingangstür. Den gesuchten Verbrecher muss die Eingreiftruppe erst mit Schweißbrennern aus seinem "Panic Room“ schneiden. Handschellen klicken, Wertgegenstände werden konfisziert, Computer beschlagnahmt, Konten eingefroren. Was nach Showdown im Handlungszenit eines Actionmovies klingt, ist in Wahrheit Höhepunkt eines Justizstreits rund um Urheberrecht und Tauschbörsen.

Auf der einen Seite: Musiklabels, Plattenfirmen, Filmstudios, Fernsehanstalten, eigentlich die gesamte US-Unterhaltungsindustrie mit Rückendeckung aus dem Weißen Haus. Auf der anderen Seite: Kim Schmitz, der sich heute Kim Dotcom nennt und früher Dr. Kimble oder Kim Tim Jim Vestor nannte - Unternehmer, Internetmillionär, Enfant terrible der IT-Branche.

Doch wie schaffte es der Deutsche mit finnischen Wurzeln, vom Hauptschulabbrecher zum verhassten Feindbild für ganz Hollywood zu werden? Glaubt man den US-Behörden, ist Kim Dotcom die Personifizierung von Urheberrechtsverletzung schlechthin - die mehr als 70-seitige Anklageschrift charakterisiert ihn als Bösewicht im James-Bond-Format, der zusammen mit drei Geschäftspartnern "die mit Abstand größte Urheberrechtsverletzung in der Geschichte der Menschheit“ begangen haben soll. Und man ist geneigt, das auch zu glauben: unsympathisch, größenwahnsinnig, erbarmungslos im Umgang mit Geschäfts-Kontrahenten (und -partnern), immer mit einem Fuß im Kriminal. Das Bild wirkt stimmig. Schuldig! Oder?

Alles begann im Jahr 2007, als Kim Dotcom den Dienst Megaupload gründete. Dort konnte jeder Daten auf einen zentralen Server hochladen und anderen über einen Link zum Download zur Verfügung stellen. Dotcom schaffte damit ein Service, das nicht nur legitime Nutzungsszenarien kennt (wie den Austausch großer Dokumente, die sich nicht mehr per E-Mail verschicken lassen), sondern im Handumdrehen auch zur beliebtesten Plattform für den illegalen Austausch von urheberrechtlich geschützten Musikstücken und Filmen wurde.

Megaupload und Dotcom verdienten durch Werbeeinnahmen auf ihrer Internetseite - und durch kostenpflichtige Premiumzugänge, die einen noch schnelleren Datentransfer erlaubten. Gut 150 Millionen Dollar soll Dotcom durch Megaupload eingenommen haben.

Kim Dotcom sieht sich als Opfer einer Verschwörung: "Megaupload ist ein Service, das Usern eine Infrastruktur zur Verfügung stellt. Genauso wenig wie die Post für den Inhalt eines Briefes verantwortlich gemacht werden kann, bin ich für den Inhalt der Dateien verantwortlich, den meine User auf Megaupload austauschen“, meint Dotcom im FORMAT-Gespräch. Nach einer vier Wochen langen Untersuchungshaft hat Dotcom seine Freiheit vorläufig wieder und nichts an Kampfgeist verloren: "Ich werde das bekämpfen, mit allem, was mir zur Verfügung steht.“ Und dieser Kampf findet längst nicht nur in den Gerichtssälen statt. Kim Dotcom ist durch das unverhältnismäßig erscheinende Vorgehen der US-Justiz zur Galionsfigur des Internetaktivismus geworden. Ein Märtyrer im Kampf für freien Informationsaustausch und die Zukunft des Internets.

Schon immer war Kim Schmitz "larger than life“. "Ich bin niemand, der sein Vermögen hortet und für kommende Generationen anhäuft - ich liebe es, mein Geld auszugeben, und das zu tun, wozu ich Lust habe.“ Legendär sind seine Partys Anfang der Nullerjahre, als er gerne Prominente aus Musik und Film mit dem Privatjet auf seine Yacht in Monte Carlo bringen ließ. Schmitz lässt es krachen, egal ob an der Côte d’Azur, auf dem Nürburgring mit Kimi Räikkönen oder in seiner neuen Heimat Neuseeland, wo er Auckland zur Feier seiner Einbürgerung das größte Feuerwerk der Stadtgeschichte spendierte. "Damit bin ich natürlich ein willkommenes Ziel für Hollywood - man kann mich mit meinem ausschweifenden Lifestyle gut als Bösewicht darstellen“, meint Dotcom.

Vom Loser zum Millionär

Den Werdegang von Mr. Dotcom kann man nicht nur in IT-Magazinen, sondern auch in Kriminalakten nachlesen: Aufgewachsen unter schwierigen familiären Umständen, kam Schmitz schon als Teenager mit dem Gesetz in Konflikt. Er gab sich als Vorstandsmitglied von Siemens aus, betrieb Internetforen für Hacker und spionierte dort seine User aus. Der Handel mit gestohlenen Telefonwertkarten und Kreditkarten brachte ihm eine Jugendstrafe (auf Bewährung) ein. Im Umfeld des deutschen Chaos Computer Club stilisierte er sich lautstark zum mächtigen Hacker hoch - ernst nahm "Dr. Kimble“ damals niemand, beim CCC bekam er sogar Hausverbot. Bremsen konnte das den selbst ernannten Hackerkönig nicht - er wollte ganz nach oben.

Schmitz’ schulische Karriere gipfelte nicht, wie von ihm angegeben, im "Hochbegabten-Abitur“ am Internatsgymnasium Plön - sondern endete schon in der Hauptschule. Zwei Jahre verbrachte er zudem im Schülerheim Rohwedder, einer Einrichtung für verhaltensauffällige Jugendliche. Nicht die beste Basis für seine Unternehmerkarriere. "Ich wollte nur eines: Millionär werden“, so Schmitz über seine Vergangenheit.

Im Vorfeld der Dotcom-Blase vor der Jahrtausendwende gelang ihm schließlich sein erster Coup: Seine Internet-Security-Firma verkaufte er an den TÜV - jetzt hatte Schmitz den Schritt in die Öffentlichkeit endgültig geschafft. Er tingelte durch die Fernsehlandschaft, war Gast bei Harald Schmidt und ließ sich als Retter der deutschen New Economy feiern. Ein vorläufiges Ende fand dieser Höhenflug 2002, als er wegen Insiderhandels erneut verurteilt wurde - 20 Monate, auf Bewährung.

Dann wurde es erst mal ruhig um Schmitz - oder besser: so ruhig, wie es sein medial inszenierter XXL-Lebensstil zuließ. Erst 2007 tauchte er als Unternehmer wieder auf der Bildfläche auf. Und geriet mit seiner Onlineplattform Megaupload schließlich ins Visier des FBI.

Neuseelands Liebling

Während in seiner früheren Heimat Deutschland kaum jemand ein gutes Wort über Kim Schmitz verliert und Medien wie die "Bild“-Zeitung keine Gelegenheit auslassen, ihn als fettleibigen, aufgeblasenen Angeber darzustellen, hat er sich in seinem neuen Zuhause Neuseeland zum Darling der Nation gemausert. In aktuellen Umfragen stehen 69 Prozent der Neuseeländer hinter Kim Dotcom.

Einen Grund für seine Popularität findet man auf dem politischen Parkett: Was Neuseeländer nämlich absolut nicht ausstehen können, ist, unter der Fuchtel der Vereinigten Staaten zu stehen - genau das war im Kriminalfall "Dotcom“ jedoch passiert. Mehr noch: Wie sich nach der filmreifen Polizeiaktion Anfang des Jahres herausstellte, war nicht nur der Einsatz selbst, sondern auch die Hausdurchsuchung und Beschlagnahme illegal. Schmitz und seine Geschäftspartner wurden zudem vom neuseeländischen Geheimdienst abgehört - auch das ohne rechtliche Basis.

Die Dotcom-Affäre schlägt in Neuseeland derart hohe Wogen, dass sich Premier John Key öffentlich im Fernsehen bei Kim Schmitz entschuldigte und um Verzeihung für die Behandlung bat, die ihm widerfahren ist. Kim Schmitz jemals an die USA auszuliefern, wo ihm 20 Jahre Gefängnis drohen, käme dem politischen Selbstmord gleich. Was als Schlag gegen Raubkopierer geplant war, könnte gut als Justizfarce enden.

Kim Schmitz feiert derweil auch vor Gericht einen Teilsieg nach dem anderen: Ein Teil seines Vermögens wurde ihm wieder zugänglich gemacht, und er bekommt Einblick in die von der Anklage gesammelten Beweise gegen ihn, was den US-Anklägern die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Schon arbeitet Dotcom an seiner Neuerfindung. "Ich werde jetzt Musikstar“, teilt er im Interview mit. Die erste Single ist schon aufgenommen, das Album "Party Amplifier“ folgt noch im Oktober. Und für den immer wahrscheinlicher werdenden Fall eines Sieges vor Gericht liegt auch die Gegenklage schon in der Schublade.

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