Keine Eintagsfliegen: Österreichs Player im Internet sind international sehr erfolgreich

Die österreichische Internet-Szene braucht den internationalen Vergleich nicht scheuen. FORMAT bringt die wichtigsten Player und Projekte.

Das ist die Tellerwäscher-Geschichte, von der viele Gründer träumen: Roman Scharf und Daniel Mattes gingen mit ihrem Technologie-Start-up jajah ins IT-Mekka Silicon Valley und kamen jetzt als Millionäre zurück ( siehe Artikel ). Scharf und Mattes gehören damit zu den österreichischen Unternehmern, die in den letzten zehn Jahren im Internet-, Telekom- oder Gaming-Sektor international für Aufsehen gesorgt – und auch ausgesorgt haben. Darunter etwa sms.at-Gründer Christian Lutz, dessen Firma 2006 um erkleckliche 275 Millio­nen Dollar an den israelischen Amdocs-Konzern ging. Oder das Power-Duo Peter Augustin und Michael Gredenberg, deren Internet-Provider inode beim Verkauf an UPC 2005 fast 100 Millionen Euro wert war. Der US-Konzern Verisign zahlte 2006 für das Know-how von 3united 55 Millionen Euro an die Gründer Andreas Wiesmüller, Markus Wagner und Oliver Holle.

Erfolg macht Lust auf mehr
Trotz des plötzlichen Reichtums ist das Abhängen in karibischen Hängematten für die meisten der Genannten keine Option. Sie sind in der einen oder anderen Form in der heimischen Start-up-Szene aktiv, als Investor oder mit einem neuen Projekt. „Wer es einmal geschafft hat, will es noch einmal wissen“, sagt Markus Wagner, eine Schlüsselfigur in der Szene.Nach dem 3united-Verkauf eröffnete er in New York ein Büro und knüpfte an der amerikanischen Ost- und Westküste und in London zur Wagniskapital-Szene wertvolle Kontakte. Inzwischen ist er zurück und arbeitet als Geburtshelfer an sieben Start-ups parallel. Der Grund: Start-ups ent­wickeln sich oft anders, als man sich das anfangs vorstellt. Im Verbund können wir sie besser steuern und Synergien nutzen.“ Die Heimkehr nach Wien fiel Wagner nicht schwer: „Für Internet-Start-ups ist der Standort kein Thema. So ein Geschäft funktioniert sowieso nur im globalen Kontext. Unsere bald 100 Mitarbeiter kommen aus aller Herren Länder“, erzählt er. „Bei öffentlichen Förderungen ist Wien Spitze.“ Zudem ist die Szene überschaubar, man kennt sich von früheren Projekten bei Leitbetrieben wie bwin oder Mobilfunkern. Bei Start-up-Stammtischen tauscht man sich aus und hilft sich gegenseitig.

Finanzieller Dünger für Newcomer
Wer allerdings neu ist in der Szene und mit nichts als einer revolutionären Idee antritt, weiß oft nicht, wo er geeignete Mitstreiter und vor allem das nötige Kleingeld aufstellt. Dabei gibt es eine ganze Reihe an öffentlichen und privaten Geldgebern, die – einmal überzeugt – auch mit hohen Millionenbeträgen und Expertenwissen zur Seite stehen. Üblicherweise startet der Förderwettlauf beim Austrian Wirtschaftsservice aws oder der Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Preseed heißt das Zauberwort für jene, die zwar eine Idee haben, aber nicht wissen, ob sie technisch machbar ist. „Wenn wir genügend Potenzial sehen, stellen wir dem Bewerber Experten zur Seite, die prüfen, ob ein Produkt machbar und marktfähig ist“, sagt Stefan Kreppel, der Start-up-Beauftragte der FFG. Der nächste Schritt ist das Seedfinancing – ohne Säen kein Wachstum –, eine Mischung aus Förderungen und zinsbegünstigten Darlehen. Gemeinsam ist den öffentlichen Mitteln, dass oft ein Eigenanteil notwendig ist, dafür aber keine Sicherheiten vorgelegt werden müssen. Ganz im Gegensatz zu Banken, die zwar von Gründern zuerst angesprochen werden, aber wegen des Risikos solcher Vorhaben gleich abwinken. „In der Historie sehen wir aber“, sagt Kreppel, „dass nur wenige der Darlehen ausfallen.“ Sprich: dass sich viele der Projekte offensichtlich erfolgreich auf dem Markt platzieren lassen.

Strenge Auslese, viel Zaster
Ähnliches weiß man beim aws zu berichten. Aus jeder fünften der knapp 200 Hightech-Gründungen, die man dort in den vergangenen 20 Jahren begleitet hat, ist ein Highflyer geworden, wie es beim aws heißt. Also ein Unternehmen, das ­innerhalb von fünf Jahren mindestens vier Millionen Euro umsetzt. „Wir achten schon bei der Auswahl der Kandidaten streng darauf, dass die Idee bahnbrechend ist“, erläutert aws-Fachmann Hannes Schwetz, „Produktkopien oder nur un­wesentliche Verbesserungen bestehender Produkte haben bei uns keine Chance.“ Dafür gibt es aber auch einen Batzen Geld: Schon die Preseed-Phase ist dem aws bis zu 100.000 Euro wert, anschließend warten Unterstützungen von bis zu einer Million Euro. „Zurückgezahlt wird erst, wenn die Firma einen Bilanzgewinn hat, und dann auch nur der Nominalbetrag der Darlehenssumme“, so Schwetz. Neben den Bundesmitteln können Gründer versuchen, in ihrer Heimat Gelder aufzustellen.

IT-Hotspot Wien
In Wien versorgt der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds die jungen Techniker und Kreativen über vier „Departure“-Programme und die Schwesterorganisa­tion ZIT (Zentrum für Innovation und Technologie). Departure-Chef Christoph Thun-Hohenstein kann Anschubfinanzierungen von 15.000 bis 200.000 Euro pro Projekt locker machen. Mit Departure-Geld sind Stars wie 3united ebenso losgestartet wie der Online-Spiele-Entwickler Greentube, der unlängst von einer Novomatic-Tochter übernommen wurde. 3,5 Millionen Euro in­vestierte die Stadt von 2004 bis 2009 in Multimedia-Start-ups. „Eine Kreativszene mit internationaler Ausstrahlung ist für die wirtschaftliche Qualität Wiens wichtig“, beschreibt der Departure-Boss den Benefit für die Stadt. Seine Programme wirken derart anziehend, dass sich Gründer wie Bernhard Niesner überlegen, nach Wien zu übersiedeln ( siehe Bildergalerie ) .

Lesen Sie im aktuellen FORMAT weiter über die zukunftsträchtigsten Online-Start-ups und wo es für vife Ideen Förderungen zu holen gibt.

Barbara Mayerl, Arndt Müller

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