Kein Ton im Ohr: Neue Hightech-Geräte wollen Abhilfe gegen Hörminderungen bieten

500.000 Österreicher sind hörbeeinträchtigt – Tendenz: steigend. ­Verkauft werden jährlich nur etwa 50.000 Hörgeräte. Das soll sich mit mehr Aufklärung und neuen Hightech-Geräten ändern.

Das Leiden kam schleichend. Zuerst meinte die 67-jährige Pensionistin Maria Neuhoff, dass es an ihren Gesprächspartnern lag. „Die drückten sich immer so undeutlich aus und nuschelten, vor allem in Restaurants oder bei Festen konnte ich immer weniger verstehen.“ Die klassische Entwicklung einer Hörminderung, wie sie Fachleute beschreiben. Besonders in geräuschvoller Umgebung wirkt sich Hörverlust aus, da zuerst die Trennung von Sprache und ­Störgeräuschen verloren geht. Laut einer Schätzung des Instituts für Sozialmedizin sind rund eine halbe Million Menschen in Österreich von einer Hörminderung betroffen. Aber nur knapp die Hälfte sucht ärztliche Hilfe, und nur rund 10 Prozent greifen zu Hörhilfen. Im Vorjahr wurden in Österreich geschätzte 50.000 Hörgeräte im Volumen von etwa 90 Millionen Euro abgesetzt.

Falsche Eitelkeit
Hersteller und Akustiker wollen jetzt ihre Anstrengungen für mehr Aufklärungsarbeit verstärken. „Denn Hörprobleme sollte man möglichst früh versorgen lassen, dann ist der Erfolg viel größer“, rät Norbert R. Gabriel, Geschäftsführer von GN ReSound Österreich, einem Hersteller von Hörgeräten, der eben eine Innovation am Markt vorstellt. Der Griff zum Hörgerät sei vor allem deshalb gebremst, „weil es sehr oft um die Eitelkeit geht“, befindet Herwig Edlinger, HNO-Spezialist und Leiter des Sanatoriums für HNO-Krankheiten in Feldbach in der Steiermark.

Nicht leicht zu akzeptieren
In vielen Fällen fühlen sich Schwerhörige stigmatisiert. Die Behinderung wird als Makel empfunden und mit Altern verbunden. Im Durchschnitt dauere es in Österreich „vom Beginn einer Hörbeeinträchtigung bis zum Kauf eines Geräts sieben Jahre“, ­beobachtet Waltraud Schinko-Neuroth, Vorstandschefin der Neuroth AG, eines Unternehmens für Hörgeräteakustik mit österreichweit 96 Fachinstituten. Neuroth schaltet auch regelmäßig TV-Spots und Print-Anzeigen, die zum Abbau von ­Vorurteilen beitragen sollen und neueste ­Geräte vorstellen.

Higtech macht's möglich
Die Produkte der Industrie haben im letzten Jahrzehnt eine revolutionäre Entwicklung durchgemacht und sind heute Hightech-Geräte. Einen Mei­lenstein in der Geschichte der Hörsysteme, die immer dar­auf abzielen, Schall zu verstärken, stellte die Wandlung von der analogen zur digitalen Technik dar. Der digitale Ton im Ohr bietet eine bessere Klangqualität. Die ­Geräte können genauer einstellt werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sie mit mehreren Hörprogrammen für die verschiedenen Hörsituationen zu programmieren. Die Qualität wird daran gemessen, wie gut Sprache verstanden wird. Störgeräusche werden reduziert, leise Töne besser gehört. Neben dieser verbesserten Software und ihrer Multifunktionalität arbeiten die Hersteller auch am Design. Um den Kundenwünschen nach einer weitgehenden Unsichtbarkeit der Hörhilfen zu entsprechen, werden die Geräte immer kleiner.

Dänen haben Nase vorne
Den Herstellermarkt dominieren vor allem dänische Unternehmen. Marktführer in Österreich ist mit 32 Prozent die William-Demant-Gruppe mit den Marken Oticon, Bernafon, Logia, Interacoustics und anderen. Die Dänen GN ReSound und Widex kommen auf Anteile von 18 beziehungsweise 12 Prozent. Siemens ist mit seinem Audiobereich zwar Weltmarktführer, hält in Österreich bisher aber nur einen Marktanteil von 10 Prozent, der sich künftig durch die Kooperation mit dem heimischen Akustikfilial­unternehmen Hansaton stark steigern soll.

Hinter dem Ohr
Sämtliche Produzenten betreiben Forschungsabteilungen und überbieten einander mit Innovationen. So wirbt GN ReSound derzeit mit dem „weltweit kleinsten und leichtesten Im-Ohr-Gerät „be“. Siemens will mit seiner Neuentwicklung „Pure“ punkten. In seiner Variante als Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO) bewirbt es Siemens als das „derzeit kleinste Hinter-dem-Ohr-Hörgerät der Welt“. „Pure“ kann auch mit Bluetooth drahtlos mit Fernseher, MP3-Player oder Handy verbunden werden. Dazu gibt es 14 auswechselbare Gehäusefarben. „Damit kann das Gerät farblich zu Brillen oder Kleidung abgestimmt werden“, beschreibt Bernd Wagner, Leiter des Siemens-Audiologie-Auslandsgeschäfts, „wir wollen damit vor allem ­jüngere Zielgruppen ansprechen, die keine Scham vor dem Tragen kennen.“ Bereits ­jeder vierte Jugendliche hat Hörprobleme, ermittelte das Institut für Sozialmedizin. Ständiges lautes Hören mit MP3-Playern und ohrendröhnende Disco-Musik sind, so HNO-Arzt Edlinger, „sicher mit verantwortlich für die Probleme“.

Akustikmarkt in Österreich  
Mit dem Altern der Gesellschaft wächst fast automatisch auch die Zahl der Menschen mit altersbedingten Hörproblemen. Waltraud Schinko-Neuroth erwartet daher „für unsere Branche sowohl für 2009 als auch für die kommenden Jahre Wachstumspotenziale“. Das heizt den Wettbewerb an. Seit acht Jahren sorgt Robert Hartlauer, Eigentümer der Foto- und Brillenkette, auch als Anbieter im Akustikbereich für einen ­heftigen Preiskampf. „Wir waren die Ers­ten, die digitale Geräte ohne Zuzahlung angeboten haben“, sagt Hartlauer. Die Kassen übernehmen eine Grundgebühr von 850 Euro. Wer ein Spitzengerät will, muss bis zu 2.500 Euro zuzahlen. Die ­Filialbetriebe Neuroth, Hartlauer und Hansaton halten mit ihren Akustikstudios ­bereits 75 Prozent Marktanteil. Der Rest entfällt auf rund 400 kleine Fachgeschäfte.

Qualitätsicherung als Meilenstein
In der Regel stellt der Hals-Nasen-Ohren(HNO)-Facharzt eine Schwerhörigkeit fest und überweist den Patienten dann zum Hör­akustiker, der die Anpassung eines Geräts vornimmt. Mit der technischen Entwicklung wuchsen auch die Anforderungen für den Akustiker. Heute vergibt die Krankenkasse nur Verträge an geprüfte Meister, um die Qualität zu sichern. „Das war ein ­Meilenstein für unsere Branche, Firmen ­haben schon Verträge verloren, weil sie diese Kriterien nicht einhielten“, versichert Klaus Peter Janner, Präsident des Verbands der Hörakustiker Österreichs (VHÖ). Den Mitgliedern werden Fortbildungsseminare und Fachvorträge ange­boten, um für die ständigen Hightech-Weiterentwicklungen gerüstet zu sein.

Von Doris Gerstmeyer

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