Internet-Shootingstar Groupon will an die Börse

In den USA wird der Shootingstar Groupon kritisch zerpflückt – die Konkurrenz macht mobil.

Gerade jetzt, da sich Groupon vor seinem Börsengang in den USA künftigen Investoren im besten Licht präsentieren will, haben sich die Medien gegen das Start-up verschworen. So sieht das Groupon-Boss Andrew Mason, dem die Börsenaufsicht in den Wochen vor der Erstnotierung der Aktien an sich eine „quiet period“ abverlangt. Mason ließ es sich aber nicht nehmen, die Situation in einem Blogeintrag scherzhaft zu kommentieren: „Die Serie an brutalen Schikanen gegenüber einem jungen Unternehmen“ erkenne er als „Pflicht der Presse“ an.

Tatsächlich zerpflücken die Meinungsmacher die Bilanzzahlen, die mit dem Börsenprospekt nun erstmals vorliegen. Und sie durchleuchten die Vergangenheit der Gründer. So grub das Magazin „Fortune“ eine E-Mail von Mitbegründer Eric Lefkofsky aus Dotcom-Zeiten aus, in der dieser – als Investor eines Unternehmens namens Starbelly.com – ein Medley zwielichtiger Ratschläge erteilt: „Lasst uns übertrieben positiv in unseren Prognosen sein. Wenn es uns bei der Talfahrt aufstellt? Wen kümmert’s?“ und „Let’s get funky!“.

Ein wenig „funky“ erscheint auch die Bilanzierung von Groupon. Das Geschäftsmodell der Chicagoer ist simpel, personalintensiv und teuer. Eine Heerschar an Verkäufern - die Hälfte (!) der 8.000 Mitarbeiter – kümmert sich um die Deals. Klar, dass die Ausgaben für Marketing und Gehälter hoch sind. Sie verschlingen drei Viertel des Bruttoverdienstes.

Daran ändert auch ein Wert nichts, der „angepasstes CSOI“ (consolidated segment operating income) genannt wird, bei dem Groupon die Kosten für die Kundenakquise nicht vom Ertrag abzieht. Hinzu kommt, dass Groupon an Unternehmen fällige Auszahlungen zum Rohumsatz rechnet. Wie aussagekräftig solche Zahlen sind, sei dahingestellt. Nach herkömmlichen Bilanzierungsmethoden stellt sich die Sache so dar: 456 Millionen Dollar Verlust im letzten Jahr, 114 Millionen allein im ersten Quartal 2011.

Vorab-Inkasso

Und dann ist da noch Groupons Umgang mit Geld. Die Chicagoer stellten bei den Finanzierungsrunden im Winter knapp 950 Millionen Dollar auf. In den Betrieb flossen gerade einmal 136 Millionen. Mehr als 810 Millionen wurden für Anteilsrückkäufe verwendet und an Investoren verteilt, darunter an Mason und Lefkofsky. Geld aus einer Finanzierungsrunde im Frühjahr 2010 wurde ähnlich verteilt. Ein übliches Vorgehen? „Nein“, sagt Peter Schnedlitz, Professor an der WU. Doch US-Investoren haben bekanntlich eine Schwäche für Rekordwachstum. Und da macht Groupon derzeit keiner was vor. Dem Unternehmen wird weiterhin zugetraut, beim Börsengang eine Milliarde Dollar aufzustellen, was seinen Wert auf rund 20 Milliarden katapultieren würde. 83,1 Millionen Kunden (Stand: 31. März 2011) können nicht irren, scheint die Devise zu sein. Wie viele davon regelmäßig zuschlagen, ist offen.

Trotzdem will man möglichst rasch an die Börse. Schließlich bringt sich auch die Konkurrenz, darunter vor allem Facebook, Google und Amazon, in Stellung.

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
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