Internet und Fernsehen wachsen zusammen

Die Verschmelzung von Online und TV stellt neue Herausforderungen an die Rundfunksender. Der öffentlich-rechtliche ORF reagiert spät, aber doch mit der TVthek.

Es ist etwas in Bewegung geraten, und selbst TV-König Thomas Gottschalk kann den Trend nicht aufhalten. Früher einmal, da gab es am Samstag um 20.15 Uhr die Fernsehcouch, und die Familie versammelte sich auf ihr mit Popcorn, um gemeinsam „Wetten, dass ..?“ zu gucken. Zuerst mit Frank Elstner, ab 1987 mit Gottschalk. Das war in einer Zeit, die Älteren werden sich erinnern, als Internet, iPhone und iPad noch nicht erfunden waren und bei „Wetten, dass ..?“ 20 Millionen Seher vor dem Schirm saßen.

Seit der Erfindung des Internets, der Einführung von Digital-TV und Video-on-Demand-Plattformen wankt auch die erfolgreichste Unterhaltungssendung Europas. Und selbst Show-Sternchen Michelle Hunziker als Aufputz kann das Abrutschen auf nur noch acht Millionen Seher nicht verhindern. Es braucht schon etwas Außergewöhnliches, damit die Menschen wieder einschalten und hinschauen. Einen Unfall wie jenen vom 4. Dezember zum Beispiel. Da wollte ein 23-jähriger Wettkandidat mit Sprungfedern an den Beinen über fahrende Autos hüpfen und verunglückte dabei schwer. Betroffenheitskino, das Quote bringt.

Aber, und das ist das Neue, das Aufregende und die Herausforderung für Fernsehmacher, nicht im TV schnellt die Quote nach oben, sondern die Online-Kurven schlagen nach oben aus. Das ZDF vermeldete binnen weniger Stunden nach dem Unfall zwei Millionen Page-Impressions. Bis Mitternacht. Auch am Sonntag danach verzeichnete das ZDF 1,17 Millionen Seitenaufrufe. Der Höchstwert 2010 lag bis dahin bei 600.000 Aufrufen an einem Tag.

Orts- und zeitunabhängig TV

Die Quotenformel dahinter, die es in den kommenden Jahren optimal zu nutzen gilt, lautet: Zeit- und ortsunabhängiges Konsumieren von Videoinhalten ist, was der Konsument will. Es braucht keine Couch mehr mit Popcorn dazu. In der U-Bahn oder in der Disco kommt der „Kick“ vom „Wetten, dass ..?“-Unfall mindestens so gut. Und das alles natürlich kostenlos. Das Problem dabei: Die Fernsehsender wollen und müssen mit ihren Inhalten auch etwas verdienen. Auf dem Weg ins neue Online-TV-Zeitalter sind sie aber noch durchaus unterschiedlich unterwegs.

CNN-Show als Vorreiter

Erstens müssen es nicht immer Horrorschauer sein, die der Konsument als Adrenalin-Cocktail serviert bekommt. Es genügt auch, den ersten schwarzen US-Präsidenten beim Amtseid live ins Netz zu streamen, um Millionen auf eine Seite zu locken: 21 Millionen verfolgten 2008 den CNN-Livestream von der Amtseinführung Barack Obamas. Zweitens denkt man bei CNN mittlerweile auch darüber nach, wie man über Online-Videoinhalte neue Einnahmequellen erschließen könnte.

Katherine Greene, CNN-Programmchefin für internationale Geschäfte, sagt: „Ich glaube, dass sich im Selbstverständnis der Menschen eine Wendung vollzieht. Sie wollen durchaus für Content im Web bezahlen. Deswegen glaube ich, dass wir irgendwann aus dem Vertrieb über Social Media Geld verdienen könnten.“

Und drittens arbeitet man bei CNN bereits an einer neuen Art des Community-Buildings im Netz, zum Beispiel mit der Sendung und Online- Plattform iReport. Dabei können Seher über die iReport-Homepage aktiv an einer CNN-Sendung teilnehmen – indem sie Bilder und Videos hochladen, Kommentare abgeben oder Informationen an die Redaktion weitergeben. Aus dem Content, der im Netz entsteht, produziert CNN eine Show. Die steigende Zahl von Smartphones mit der Möglichkeit, Bilder und Videos zu verschicken, macht iReport zu einem Vorreitermodell der TV-Unterhaltungsindustrie.

Erfolg der ORF-TVthek

So weit ist man beim ORF noch nicht. Dort freut man sich erst mal über die erfolgreiche Einführung der ORF-TVthek . Diese neue, zentrale Videoplattform gibt es im ORF.at -Angebot seit November 2009. Sie umfasst mittlerweile 70 TV-Sendungen, die – ebenfalls kostenlos – angeboten werden. Für den ORF ist die TVthek ein voller Erfolg. Online-Direktor Thomas Prantner zieht für 2010 ein zufriedenes Resümee: „Die Video-Abrufe – live und on Demand – haben sich seither von 2,5 Millionen pro Monat auf 6,7 Millionen fast verdreifacht“ (siehe Interview ).

Die meisten Zugriffe wurden am 13. Oktober verzeichnet, und auch hier zeigt sich, dass es starke Adrenalin-Cocktails sind, die User am liebsten konsumieren: Die Rettung der Bergleute in Chile brachte dem ORF Rekordzugriffe auf die TVthek. Abseits von starkem Gefühlskino sind es ausgerechnet Volksmusiksendungen, die am häufigsten abgerufen werden. Allerdings verdient der ORF mit diesem Online-Angebot auch kein Geld. Prantner dazu: „Die TVthek ist ein Zusatzangebot für die Gebührenzahler.“

Online-Werbung darf der ORF aufgrund der Auflagen der EU-Kommission nicht anbieten. An Bezahlinhalte ist im Moment noch überhaupt nicht gedacht. Stattdessen will Prantner das Online-Angebot noch weiter ausbauen: Noch vor Weihnachten soll die TVthek auch auf mobilen Endgeräten wie dem iPhone und dem iPad abrufbar sein. Für 2011 ist dann der letzte große Schritt geplant: „Die TVthek soll auch für die klassische Fernsehsituation on Demand auf internetfähige TV-Geräte gebracht werden. Darüber hinaus ist ein von der ORS vorgeschlagenes HbbTV-Pilotprojekt geplant, bei dem wir zunächst einmal die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit prüfen.“ Notwendige Schritte sicherlich, aber ohne großen Zeitdruck. Denn die Verschmelzung von Internet und Fernsehen sieht man beim ORF – Stichwort: Rundfunkgebühren – nicht als existenzgefährdend.

Zahlen im Netz

In den USA hingegen haben sich längst die großen Medienkonzerne Disney, Fox und NBC Universal zusammengeschlossen und das Portal hulu.com gegründet. Gezeigt werden Sendungen gegen Bezahlung, und ein junges Publikum lässt sich dieses Angebot auch etwas kosten. Jason Kilar, Chef der Online-Videoseite, zeichnet den Weg vor: „Das Hulu-Publikum ist viel jünger als das Fernsehpublikum. Für unsere Investoren ist Hulu eine Investition in die Zukunft, weil sich die Mediengewohnheiten der jungen Menschen doch stark verändert haben.“

Doch noch kann sich der ORF entspannen. Hulu.com hat dasselbe Problem wie die Mutter des öffentlichrechtlichen Fernsehens, die BBC. Aufgrund von internationalen Rechtsvorschriften kann auf die Online-Angebote nur im Heimatland zugegriffen werden.

– Markus Pühringer

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