"Ich habe fünf Smartwatches zuhause"

"Ich habe fünf Smartwatches zuhause"

FORMAT: Sie sind zurück in Österreich, was haben Sie als erstes gemacht, den Boden geküsst oder telefoniert?

Günther Ottendorfer: Nichts von beidem. Nach der Landung in Schwechat hat mich nur ein Gedanke überwältigt: Menschen, die reden so wie du. Das war so schön. Wien wieder zu sehen, war einfach super.

Fühlen Sie sich schon akklimatisiert?

Ottendorfer: Ich fühl mich sehr wohl. Aber die Stadt hat sich in sieben Jahren schon stark verändert. Das Sofitel da drüben ist neu, es gibt neue U-Bahn-Linien. Aus Australien bin ich zwischendurch ja immer nur für einen Tag eingeflogen.

Ihre Vorwahl ist jetzt 0664. Wie ist das für einen ehemaligen T-Mobile-Mann und wie ist die Netzqualität?

Ottendorfer: Die ist ausgezeichnet, und die Vorwahl war schon länger nicht mehr 0676. Die Netzqualität hier in Österreich ist aber europaweit Spitze.

In der australischen Presse wurden Sie ‚Netz-Guru‘ genannt. Offensichtlich haben Sie einen guten Job gemacht bei der Einführung des LTE-Netzes. Österreich hat eine andere Topografie und Größe. Welche Erfahrungen kann man da übertragen?

Ottendorfer: Der Stil, mit dem ich das gemacht habe, ist wohl gut angekommen. Die Presse hat nett geschrieben, als ich gegangen bin, das hat mich gefreut. Was Australien so anders macht? Die haben einen anderen Lebensstil, sind mehr draußen und haben deshalb eine der höchsten Smartphone-Penetrationen der Welt.

Höher als bei uns, wirklich?

Ottendorfer: Die sind die Nummer 2 nach Singapur. Wir hatten dort sehr früh die Situation, dass neun von zehn neu verkauften Vertragshandys Smartphones waren. Die Netze für diese mobile Datenwelle fertig zu machen, war eine meiner Hauptaufgaben dort. Da kann ich viel Erfahrung mitnehmen. In Australien hatte ich auch die Situation, dass das Unternehmen (Anm. Optus Singtel) Breitband, Kabel und Satellit hatte. Diese Konvergenzstrategie habe ich hier wieder. Und das Satellitengeschäft hat auch viel mit TV zu tun, das ist spannend.

Wie groß ist Ihr Team bei der Telekom?

Ottendorfer: Wir haben ein Kernteam von 20 bis 30 Leuten, das in einer schlanken Holding sitzt. Und dann die verschiedenen lokalen Teams. Es ist eine ähnliche Situation, wie ich sie aus Deutschland kenne.

Müssen Sie in Österreich für den LTE-Ausbau eigentlich mit weniger Geld auskommen als in Australien?

Ottendorfer: Unser Capex liegt auf Gruppenebene zwischen 650 bis 700 Millionen Euro. Das war auch das Investmentbudget, das wir in Australien hatten. Insofern ist das annähernd die gleiche Größenordnung.

Wie wollen Sie die historische Mobilfunk- und Festnetz-Kultur in der Gruppe aufheben, die Kulturen zusammenführen?

Ottendorfer: Das gab es bei Optus auch. Das Gute ist, wenn man eine gemeinsame Vision hat - Breitband für zuhause, dann schweißt das zusammen. Da bin ich überzeugt, dass das mit LTE gut laufen wird.

Sie haben aber Leute, die manche Skills nicht haben, die Sie für konvergente Netze brauchen. Was machen Sie mit denen?

Ottendorfer: Die Welten wachsen sowieso zusammen. Der Mobilfunk war anders, als er noch sprachorientiert war. Die Entwicklung geht heute vom Ohr zum Auge, und damit haben sich auch die Geräte verändert, sind dem PC ähnlicher geworden. Was ich heute an Technologie im Mobilfunknetz habe, ist dem ziemlich ähnlich, was ich unter IP im Festnetz verwende. Wir vollziehen jetzt organisatorisch nach, was technisch ohnehin schon passiert ist. Es geht ums Surfen auf der Datenwelle.

In Australien haben Sie sich selbst als "Chief Nerd“ tituliert. Hier schraubt der Chef selbst, ist das Ihre Botschaft?

Ottendorfer: Du musst für diese Technologien eine Leidenschaft haben. Dieser Zugang hat sich sehr bewährt, auch in Deutschland, wo die Organisation groß war und die Menschen vom Naturell eher skeptisch sind - anders als die Australier, die easy-going und positiv sind, aber genauso hart arbeiten. Mit meiner Leidenschaft für die Technologien konnte ich in beiden Kulturen gut vermitteln. Ich lebe das wirklich. Ich habe mehrere iTunes-Accounts, teste jede Woche viele Apps, weil mich das interessiert.

Wozu braucht man gleich mehrere Accounts?

Ottendorfer: Weil es manche Apps nur in bestimmten Märkten gibt.

Was gibt es in Australien Heißes?

Ottendorfer: Die Surfvorhersagen zum Beispiel, Wellengang, Windstärke und Lichtverhältnisse. Im US-Store gibt es wieder andere Apps. Und den Kultursender Arte konnte ich über den australischen Account nicht erreichen.

Super, das müssen wir Niki Lauda sagen, der im Profil-Interview unlängst gestanden, dass er gerade Arte entdeckt hat.

Ottendorfer: Vielleicht entdeckt er bald 3sat (lacht). Eine andere Geschichte sind Start-ups. Die Uhr, die ich trage, ist die Pebble Smartwatch, ein Projekt der erfolgreichen Crowdsourcing-Plattform Kickstarter. Ich war einer der ersten Förderer, und das hat meinem Team in Australien irrsinnig getaugt. Das ist ein E-Ink-Display, deshalb konnte ich auch das A1-Logo draufgeben und verschiedene Zifferblätter durchspielen. Das ist etwas, von dem ich glaube, dass es eine große Relevanz haben wird für unser Geschäft, das Wearable Computing wird kommen.

Also der Mini-Computer zum Anziehen …

Ottendorfer: Es wird zwar mehrere Anläufe brauchen, aber es kommt. Ich habe zuhause fünf Smartwatches, ein paar Prototypen und ein paar sind unbrauchbar. Und - passen Sie auf! Gestern habe ich noch was Tolles mit der Post bekommen (packt eine Gummi-Tastatur aus, Anm.). Die rolle ich aus, und wenn ich eine längere E-Mail geschrieben habe, packe ich sie ein. Ist doch perfekt! Die Technologie entwickelt sich weiter, wird kundenfreundlicher, und wir als Provider müssen uns überlegen, wie wir das einbinden. Der erste Schritt ist eben, es selber auszuprobieren.

Wieviele Packerl bringt die Post denn täglich zu den Ottendorfers?

Ottendorfer: Meine Frau hat schon ein ernstes Wort mit mir geredet. So einmal in der Woche kommt schon was.

Die Telekom Austria hat sich strenge, ja fast überstrenge Compliance-Vorschriften verordnet. Wie verändert das den Kontakt?

Ottendorfer: Ach, nicht wesentlich.

Sie dürfen jetzt noch einen Kaffee trinken mit Geschäftspartnern?

Ottendorfer: Auch in der Vergangenheit war nicht der Kaffee das Problem, würde ich sagen. Alles, was vernünftig war, ist jetzt auch noch möglich. Klarerweise besteht in einer Boomphase immer die Gefahr, dass die Dinge überschießen. Das ist wahrscheinlich passiert. Ich finde es gut, wenn es klare Spielregeln gibt, die müssen kommuniziert und eingehalten werden.

Was war denn das unmoralischste Angebot, das Sie je von einem Lieferanten bekommen haben?

Ottendorfer: Ich habe nie den Eindruck erweckt, dass ich an glamourösen Dingen hänge. Dadurch hat man mir nie solche Angebote gemacht, weil klar war, dass das nicht gut ankäme. Da bin ich wahrscheinlich zu nüchtern.

Die Lieferantenlandschaft hat sich verändert. Chinesische Firmen, wie Huawei oder ZTE, haben stark aufgeholt? Nokia Siemens Networks gibt es jetzt nur mehr ohne Siemens. Was bedeutet das für Sie als Einkäufer?

Ottendorfer: Einerseits ist es gut, wenn sich eine große Landschaft konsolidiert. Größere Player sind hoffentlich auch stabiler. Es gibt aber auch kleinere Player, die größer werden, weil sie eine gute Strategie oder Produkt haben. Die haben das Potenzial, dass sie den großen einen Teil des Kuchens wegnehmen. Zur Zeit hat man zehn Player, die eine ganz gute Mischung ergeben.

Sie sind jetzt eine Woche im Dienst. Gib es schon eine erste ToDo-Liste für die Telekom Austria-Gruppe?

Ottendorfer: Die Gruppe ist ja komplex, die muss ich erst kennenlernen.

Da gibt es viel, vom Mini-Mobilfunknetz in Liechtenstein, und bald vielleicht auch einen Kabelanbieter in Serbien ...

Ottendorfer: Wir haben konvergente Netze in Bulgarien, Kroatien und Österreich. Ich weiß aus der Vergangenheit, dass da viele Leute mit gutem Know-how arbeiten. Es geht darum, gemeinsam einen Weg zu finden. Spannendes Thema wird sicher die Netzwerk-Virtualisierung sein (Anm. mehrere Bereiche teilen sich eine Infrastruktur), weil das für eine Gruppe wie die TA wichtig ist, und natürlich LTE. Wir müssen das Breitband ins Heim bringen. Aus Australien bringe ich auch einen Fokus auf das Thema „Customer Experience“ mit.

Hannes Ametsreiter spricht immer wieder über seine Vision, dass die Kunden ihren Breitbandanschluss bald über Internet selbst bestellen und freischalten können.

Ottendorfer: Das ist sicher eine passende Vision. Die Kunden wählen unterschiedliche Wege, aber die sollten durchgängig und einfach sein, egal ob die Kunden ins Internet oder in den Shop kommen. Das ist ein Thema für alle großen Provider. Erst hat man große Technologien ausgebreitet, jetzt geht es darum, das Angebot einfacher, simpler zu machen.

Wie bringt sich der neue Investor (Anm. Carlos Slim) in der Telekom ein?

Ottendorfer: Dazu habe ich noch keine eigenen Erfahrungen. Was ich so höre, ist die Zusammenarbeit gut. Einen Partner zu haben, der Erfahrungen aus anderen Teilen der Welt hat, ist immer gut. Davon kann man nur profitieren.

Haben Sie eigentlich gezögert, das Angebot anzunehmen?

Ottendorfer: Nein, es war das richtige Angebot zur richtigen Zeit. Eigentlich habe ich ja Druck bekommen von meinen drei Töchtern. Die älteste wollte wieder nach Wien. Dann hat die zweite gesagt, sie will mit. Meine Frau und ich wollten dann nicht mit einem Einzelkind in Australien zurückbleiben, und haben die Rückkehr für Mitte 2014 vorbereitet. Dann kam im Februar ein Anruf aus Österreich.

Zur Person: Günther Ottendorfer, 44, ist seit 1. September CTO der Telekom Austria Group. Seit 2011 war er im Vorstand des zweitgrößten australischen Telekomanbieters, Optus Singtel, zuständig für Technologie und Netz. Davor war er vier Jahre Technologiedirektor der Deutschen Telekom. Er führte dort eines der ersten LTE-Netze der Welt ein. Ottendorfer war 1996 im max.mobil-Gründungsteam. Er führte die Netze von tele.ring- und T-Mobile zusammen.

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