Hilfe in Echtzeit: Wie Twitter, Google und Youtube die Krisenbewältigung verändert

#katastrophe auf Twitter und Google: Wie das Internet die globale Krisenkom­unikation und -bewältigung verändert.

Gigantische Wellen rollen um den Globus. Minuten nachdem sich die pazifische und die eurasische Platte am 11. März verhängnisvoll aneinander gerieben ­haben, kommen die ersten Meldungen über den Kurznachrichtendienst Twitter. Dass das ­hausgemachte CNN der Netzgemeinde in der Regel als Erster ­Kunde von einem globalen Ereignis bringt, ist beinahe selbstverständlich.

Stunden nach dem Ereignis schwollen die Datenströme auf Twitter an. Im Minutentakt wurden In­formationsknotenpunkte, sogenannte Hashtags, zusammengeschweißt – gekennzeichnet durch das # - Zeichen. Japan ist das globale Thema. Wer sich durch die Japan-bezogenen Twitter-Meldungen kämpft, ist ob der Datenströme orientierungslos und erschlagen. Von #jpquake bis #fukushima – es gibt Tausende Anknüpfungspunkte. Hier braucht es Verstärker, um den relevanten Stimmen inmitten des Informationsgetöses Gehör zu verleihen, etwa die von Global Voices oder der Google-Krisenwebsite.

Familenmitglieder finden & Einsätze koordinieren

Das Internet hat in der Krisenkommunkation und Helferkommunikation eine Schlüsselrolle eingenommen. Vereinte Nationen und Rotes Kreuz koordinieren ihre Einsätze über das Web, das Handy hat das Helfen verändert. Über Twitter werden Einsätze gemeldet, die auf digitalen Karten wie Ushahidi in Echtzeit ­lokalisiert und abgearbeitet werden. Auf dem Portal Family Links führt das Rote Kreuz Familien zusammen. Websites wie die erwähnte Google Crisis Re­sponse sind das Krisenzentrum einer globalisierten Welt. Hier finden Tsunami-Opfer die nächstgelegenen Unterkünfte, Betroffene können angeben, wie es an diesem und jenem Ort um die Trinkwasser- und die Nahrungsmittelversorgung steht.

Japan hat eine der höchsten Handy-Dichten der Welt. Nach Essen, Trinken und einem Schlafplatz kommt gleich die digitale Nabelschnur – die Kontaktaufnahme mit der Familie, die Suche nach Freunden. Jeder zehnte Japaner benutzt den Twitter-Dienst, der dort zehnmal mehr Anwender hat als Facebook. Und das lokale Facebook-Pendant heißt Mixi und ist in den Krisentagen eines der vielen Schwarzen Bretter. Dort hatte ein Nutzer namens „nakamukae“ am 16. März zwei Bilder eingestellt: ein schwer devastiertes Straßenstück und ­daneben dasselbe Stück mit säuberlich geflicktem ­Asphalt – fünf Tage nach der Katastrophe!

Google hat seine damals in Haiti eingesetzte ­Vermissten-Suchmaschine wieder angeworfen. Doch das Land der aufgehenden Sonne ist nicht Haiti. Der lokale Telekom-Riese NTT DoCoMo hat längst ein eigenes mobiles Schwarzes Brett für die Krisenkommunikation aufgezogen. Der Hightech-Nation Hilflosigkeit zu attestieren – wie der „Spiegel“ am Montag wohl etwas vorschnell urteilte – ist falsch.

Politik auf allen Kanälen

Die Katastrophe hat ein Volk getroffen, das mit Kommunikationskanälen und sozialen Plattformen bestens umgehen kann. Die Regierung spricht auf ­allen Kanälen. Und wenn es opportun ist, bittet sie die Tokioter via Facebook, nicht alle Supermärkte leerzukaufen, da das zu Engpässen in den Erdbebengebieten führen könne. Vor allem aber setzt die Regierung auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen und Radio: den Sender NHK. Das ist der „Krisensender“ für den Rest der Welt. Da viele Korrespondenten die Atom-Front verlassen haben, fußt ein Großteil der globalen Berichterstattung auf dem Bewegtbild und Ton von NHK. NHK wird live über Internet und auf Englisch übertragen. Zentral-­organ in der Krisenkommunikation bleibt der Rundfunk. Ob ein bewegter Tenno zu seinen Untertanen spricht oder der Premier den nuklearen Notstand erklären muss – sie tun es über TV und Radio. Im obligatorischen Notfallrucksack der Japaner steckt nicht ohne Grund ein Radio. Wenn nichts mehr geht, das Radio tönt immer.

Die Nachrichtenübermittlung in den sozialen Netzwerken hat aber ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Über Meldungen wie jene über das aus den Trümmern ge­borgene Waisenbaby freuen sich Millionen Nutzer auf der ganzen Welt. Im Nachrichten-Orkan wabern auch unreflektierte Gerüchte – wie das von einer ­globalen Verstrahlung –, wie ein WHO-Vertreter beklagte. Der Kick auf den schnellen Katastrophen-Klick ist leider der Grund, warum im Fahrwasser der Katastrophe Viren- und Spam-Verbreiter ihre ­Geschäfte machen. Auf ein Bild mit dem Namen Wow! Destructive Japan Tsunami Caught on Film klickt dieser Tage leider fast jeder und macht sich ­damit im harmlosesten Fall zu einer Spam-Schleuder.

Solidarität im Netz

Gewaltige Schubkraft entwickeln die Netzwerke dieser Tage Gott sei Dank in Sachen Solidarität. Eine Twitter-Gruppe macht sich Sorgen um den Gesundheitszustand des omnipräsenten Krisensprechers ­Yukio Edano und fordert unter #edano_nero eine Schlafpause für ihn.

Eine entsprechende Anhängerschaft vorausgesetzt, kann ein Star wie Lady Gaga binnen weniger Stunden Hunderttausende Dollar an Spendengeldern lukrieren. Facebook bewegt dieser Tage vor allem in Europa und den USA die Gemüter. Vielerorts wird das Facebook-Profilbild gegen den „Atomkraft nein danke“-Sticker ausgetauscht, und im Stundentakt werden Facebook-Sites mit Spendenaufrufen angelegt. Gäbe es den ­Facebook-Daumen, der nach unten zeigt, er müsste dieser Tage eingesetzt werden – für die Atomkraft.

Barbara Mayerl

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