High Frequency Trade - Aufstand der Maschinen

Die Finanzwirtschaft ist fest in der Hand automatisierter Software - gerät die außer Kontrolle, wankt schnell das ganze System.

High Frequency Trade - Aufstand der Maschinen

Wenige Sekunden nachdem an der New Yorker Börse am 1. August um 9.30 Uhr der Handel eingeläutet wurde, herrschte bereits verwirrte Hektik am Parkett: Das Finanzunternehmen Knight Capital schüttete riesige Mengen an Aktien in den Markt, kaufte an anderer Stelle dieselben Aktien wieder zurück - all das in Blöcken von jeweils 100 Shares im Abstand von Sekundenbruchteilen. In jeder einzelnen Sekunde verpulverte Knight Capital gut eine viertel Million Dollar.

Schuld an diesem Desaster war nicht etwa ein Aktienbroker, der auf seiner Tastatur eingeschlafen war, sondern ein Computerprogramm: Beim Update eines sogenannten High Frequency Traders (HFT) war den Softwareentwicklern von Knight Capital ein folgenschwerer Fehler unterlaufen - das automatische Trading-Programm lief quer durch die Kurse des NYSE Amok und verballerte munter das Kapital seines Besitzers.

Immerhin blieb das merkwürdige Treiben des Knight-Traders nicht lange unbemerkt - und so entschloss man sich, rund eine Minute nach Börsenstart den Trader vom Netz zu nehmen. Doch der hatte offenbar andere Pläne: Das Programm ließ sich nicht abschalten.

Mehr als eine halbe Stunde lang wehrte sich die Trading-Software beharrlich, ihr kostspieliges Treiben einzustellen. Erst als man buchstäblich den Stecker des Großrechners zog, verschwanden die Orders von Knight Capital aus dem Datenstrom der New Yorker Börse. Die Bilanz der halbstündigen Geisterfahrt: 440 Millionen Dollar Verlust.

Dieses Beispiel ist das jüngste und sicher auch spektakulärste für einen Trend im Aktienbusiness, der mittlerweile vom Großteil der Experten als Gefahr angesehen wird. "Diese Entwicklung ist nicht nur beunruhigend, sie ist furchteinflößend“, so Eric Hunsader, CEO des Börsensoftware-Herstellers Nanex. "Die weltweite Finanzwirtschaft läuft heute auf Software, die weder ausreichend getestet wurde noch irgendwelchen Richtlinien entsprechen muss.“

Menschlichte Händler sind heute nur mehr für einen kleinen Teil aller Aktientransaktionen verantwortlich. Der überwiegende Anteil aller Trades geht auf die Kappe von ultraschnellen Computerprogrammen, die den Markt im Abstand von wenigen Millisekunden mit immer neuen Orders und Kursabfragen regelrecht zustopfen. Speed ist hier alles, denn wer kleinste Kursschwankungen weit hinter dem Komma mehrere Milliarden mal täglich als Erster ausnützen kann, macht unterm Strich ein Millionengeschäft.

US-Börsenexperte Jerry Adler schätzt, dass der Einfluss von High Frequency Trading auf den Gesamtaktienmarkt noch lange nicht am Zenit angekommen ist: "Solange nicht die gesamte Weltwirtschaft mit Lichtgeschwindigkeit miteinander vernetzt ist, wird es sich immer lohnen, ein klein wenig schneller zu sein als die Konkurrenz.“

Mit Strömungen der Realwirtschaft haben die teils merkwürdigen Strategien der High Frequency Trader wenig zu tun. Die Trading-Programme versuchen sich heute immer häufiger gegenseitig auszutricksen und manipulieren sogar aktiv Aktienkurse. Investment wird damit zur reinen Spekulation auf Kosten klassischer Anleger.

Steve Hammer, Gründer von HFT Alert, einer Softwarefirma, die Überwachungsprogramme für HFT entwickelt, sieht die Sache noch etwas drastischer: "Was High Frequency Trader heute machen, ist, den Markt mit Orders, die blitzschnell wieder storniert werden, genau zu durchleuchten. Das pervertiert nicht nur das gesamte Prinzip von Angebot und Nachfrage, sondern ist - nach geltenden Richtlinien - schlichtweg illegal.“

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