Google arbeitet an einer "Terminator“-Brille

Google arbeitet in seinem geheimen X-Labor an einer "Terminator“-Brille, die die Umgebung auf Informationen scannt. FORMAT sagt, was sie können soll und wie Forscher das Projekt sehen.

An der Ecke Schleifmühlgasse und Wienzeile muss eine Entscheidung her: Zum Italiener ins Freihausviertel oder zur Wokpfanne auf den Naschmarkt? Ein kurzer Blick durch die Google-Brille genügt, und schon werden die Tagesangebote der Lokale visualisiert. Drei Seitwärts-Kopfbewegungen später sind Tortellini bestellt und die Rechnung beglichen, mit dem Google-Bezahldienst Checkout, versteht sich.

Die Bestätigung, dass Google tatsächlich an einer Android-basierten Brille mit halbtransparentem Display, Kamera und Internetanbindung tüftelt, steht zwar noch aus. Das hindert die Tech-Community aber nicht daran, in Fantasien zu schwelgen, die bis gestern noch Science-Fiction schienen. Losgetreten wurde das Thema Google Glasses vom Tech-Blogger Seth Weintraub, der Ende 2011 Gerüchte über eine solche Brille verdichtet sah.

Vergangene Woche legte die "New York Times“ einen Bericht nach, untermauert mit Informationen namenloser Google-Mitarbeiter. Stimmen die Einschätzungen, könnte die Google-Brille ortsbezogene Informationen (Location Based Services) auf ein neues Level heben und sogar in Echtzeit direkt vor die Pupille schicken.

Anstatt Augmented Reality mittels Handykamera aufzurufen, wie etwa bei der Restaurantsuchfunktion Yelp Monocle, müssten Benutzer künftig nur noch durch ihre Brille schauen. Dass sich Bilder der echten Welt - allerdings nicht in Echtzeit - mit Zusatzinfos spicken lassen, hat Google mit seinem Produkt Goggles demonstriert. Ein Schnappschuss der Mona Lisa reicht da aus, um Infos zum Kunstwerk abzurufen.

Scrollen mit dem Kopf
Ausgestattet mit Kamera, Bewegungs-, Richtungssensoren und GPS, dazu WiFi-Funktionalität, 3G- oder 4G-Modul, Mikrofon und Lautsprecher, sollen die Brillen verhaltene Terminator-Coolness verbreiten. Ein Höhepunkt dürfte die Navigation über Bewegungssensoren sein. Sowohl Weintraub als auch die "New York Times“ berichten von Scrollen und Klicken mittels Kopfbewegungen. Das Ganze soll rasch erlernbar und für Außenstehende kaum bemerkbar sein. Doch wie praxistauglich sind vor das Auge geschaltete Displays, wie realistisch Echtzeit-Streaming von Informationen?

"Ein halbtransparentes Display liefert gewissermaßen ein über der Welt schwimmendes, leicht verschwommenes Bild“, erklärt Anton Fuhrmann, Senior Researcher beim Wiener Forschungszentrum für Visual Computing, VRVis.

Gut erkennbar sei die Information nur vor dunklem Hintergrund, die Reaktionen der Benutzer beschreibt Fuhrmann, der Erfahrung mit halbtransparenten Head-Mounted Displays hat, als "gelinde gesagt irritiert“. Der Vorteil der Technologie: Sollten die Zusatzfunktionen ausfallen, ist die Brille herkömmlich verwendbar.

Das Problem von Virtual Reality schlechthin sind Symptome wie Kopfweh oder eine Art Reisekrankheit beim Benutzer. Dieser taucht entweder zu tief ins Virtuelle ein oder erlebt die echte und künstliche Welt nicht synchron genug, beides führt zu Unwohlsein.

Ein weiteres Problem könnte das Gewicht sein. Wenig Begeisterung löst aus, dass die Google-Brille einem Modell des Herstellers Oakley mit eingebautem MP3-Player ähnlich sehen soll. Abgesehen vom Designfaktor - "das wird der Segway fürs Gesicht“, witzelt "Wired“-Redakteur Michael Calore in einem Video-Podcast - deutet dies auf ein eher schwereres Modell hin.

Getüftelt wird an der Brille im geheimen Google-X-Labor, wo der Suchmaschinenriese unter anderem auch an Robotern und lenkerlosen Fahrzeugen forscht. Dem Vernehmen nach soll auch Gründer Sergey Brin (Bild) in das Projekt vertieft sein.

Auch wenn es bei X-Projekten nicht vorrangig ums Geldverdienen geht, wäre es nicht Google, würde Werbung keine Rolle spielen. Szenen wie im Spielfilm "Minority Report“ scheinen mit einem Mal greifbarer: Tom Cruise, der ein Gebäude durchschreitet, umgeben von personalisierter Werbung. "John Anderton, du könntest jetzt ein Guinness gebrauchen“, säuselt ihm eine der Stimmen zu.

Selbst die von der Brillenidee Begeisterten sind sich einig, dass Google Glasses seine Benutzer eine Zeit lang ganz schön dumm aussehen lassen könnte, aufgrund wunderlicher Kopfbewegungen und des eigenwilligen Designs.

Das wahre Potenzial dürfte sich später zeigen, wenn elegant designte Brillen mit saftiger Rechenleistung die Art und Weise verändern, wie wir uns Wissen aneignen. "Wir sprechen hier von einer Technologie, die das gesamte Wissen der Menschen zugänglich machen kann, indem wir durchspazieren“, formuliert der US-Radiojournalist Steve Henn.

- Alexandra Riegler

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