Google Glass: Das obskure Objekt der Begierde

Google Glass: Das obskure Objekt der Begierde

Kein Gadget macht mehr medialen Wind als dieses. Seit ein paar Wochen dreht sich alles um eine klobige Brille. Zwei Jahre lang hatte Google an dem Projekt "Google Glass" getüftelt und gezielt Informationshäppchen verabreicht.

Einmal tauchte Google-Mitgründer Sergey Brin mit der Brille in der New Yorker U-Bahn auf, dann wurde seine Frau am Hintereingang zu einer Oscar-Party vom meistgelesenen Celebrity-Portal TMZ abgepasst, rein zufällig. Seit Mitte April ist Schluss und auserwählte Meinungsmacher dürfen den Prototypen von Google Glass ausführen und darüber berichten.

Das ist geniale Technologie-PR und ganz die Google-Tradition. Wo sich ein Steve Jobs lieber auf seinen Genius verließ, testete Google seine Dienste immer schon am lebenden Objekt - dem Internet-Nutzer. Online lässt sich perfekt evaluieren, welche Funktionen ankommen und welche nicht. Was nicht gefällt, wird beim traditionellen Google-Frühjahrsputz ausgemistet.

Dieses Schicksal droht dem Glass-Projekt sicher nicht. Es ist das Liebkind von Sergey Brin, der das Ohr jetzt ganz nah an diesen Testern hat, die Google "Pioniere“ nennt. Diese Prototypen - die Explorer Edition - dürfen nur von den nominierten Personen benutzt und nicht weiterverkauft werden, andernfalls droht der Konzern mit dem "Kill Switch“, dem Ausschaltknopf aus der Ferne. Dafür dürfen sich die Pioniere als Fahnenträger der digitalen Elite fühlen. Das tun die meisten demonstrativ, in dem sie Profilbilder mit der Brille online stellen und Tagebuch führen (siehe " Narzissten werden sie lieben ").

Unmittelbarste Nähe

Diese Erlebnisberichte zeigen vor allem eines: Diese Brille führt das Internet noch näher an den Nutzer heran, als es das Smartphone bereits tut - auch wenn die Dienste, die Google darüber anbieten will, erst in Ansätzen erkennbar sind. Google lässt für Glass eigene Apps entwickeln und Firmen wie Twitter oder Medien wie das "Wall Street Journal“ sind in diese Frühphase bereits eingebunden.

Google ist nicht die erste Firma, die sich mit dem Konzept spielt. Das "Wearable Computing“ ist ein uraltes Forschungsfeld in der Informationstechnologie. Schon in den 1960er Jahren schnallten sich Künstler und Ingenieure Displays auf den Kopf. In japanischen Konzernen wie Brother, Toshiba oder Sony gibt es eine lange Brillenbau-Tradition. Der Suchmaschinenkonzern macht aber als erster konsequent den Schritt in den Massenmarkt. Die Fertigung hat Google an ein Foxconn-Werk in den USA vergeben, wohl auch, um die genuine Forschungsleistung möglichst lange im Blick zu haben. Die Copycats kommen früh genug.

Nicht erst wenn die Brille ein massenmarkttaugliches Preisniveau hat, wird die Datenschutz-Debatte neu geführt werden müssen. Durch die Vernetzung - vor allem in den verschiedenen Google-Diensten - sind die digitalen Aktivitäten des einzelnen in einer Granularität zuordenbar wie es im Prä-Smartphone-Zeitalter undenkbar gewesen wäre.

Wie sieht dann eine Glass-Netiquette aus? Woran wird der Gesprächspartner eines Glass-Besitzers merken, dass sein Gespräch nicht gerade mitgeschnitten, oder ein Foto gemacht wird? Ein Smartphone muss man heute zumindest noch hochhalten. Noch berichten die Glass-Tester mit kindlicher Freude darüber, wie sie ihr Gadget unbehelligt im Flugzeug oder anderen sensiblen Orten benutzen - weil der Fortschritt einfach schneller ist, als Staat oder Gesellschaft Regeln dafür finden können.

Über Anwendungsszenarien und Datenschutz wird im Netz schon leidenschaftlich gestritten, wohl mit ein Grund für den einzigartigen Feldversuch von Google. Der Konzern hat in die Geschäftsbedingungen für die App-Entwickler reingeschrieben, dass erst einmal keine Werbung auf Glass geplant ist.

Die Daten aber, die Google durch die Nutzung seiner Dienste ohnehin schon hat, werden durch die Brille weiter verfeinert. Musste der Konzern früher noch Street Cars durch die Gegend schicken, werden die Brillenträger bald Bild- und Tonschnipsel erzeugen, die die Maschen im Weltnetz noch enger werden lassen. Den globalen Durchblick hat hier erst einmal Google, nicht der Anwender.

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