Geschäftsreise adé: Die virtuelle Konferenz gilt als zeit- und kostensparende Alternative

Wenn George Clooney die tragische Figur eines Vielfliegers („Up in the Air“) spielen muss, ist die Botschaft angekommen. Fliegen ist schon lange nicht mehr lustig. Viele Firmen überlegen dreimal, ob sie einen Mitarbeiter einchecken lassen. Die schlechten Nachrichten für die Airlines sind die guten für die Hersteller von Videoübertragungssystemen. Sich gegenseitig die Ersparnis bei den Reisekosten vorzurechnen ist beliebter Dinner-Talk
der Topmanager. Und die Ausstattung des hauseigenen Videokonferenzzimmers taugt heute auch schon als Statussymbol. Kapsch BusinessCom hat sich ausgerechnet, dass allein im ersten Jahr 320.000 Euro Reisekosten gespart wurden. In gehobenen Hotels mit Businessgästen planen Architekten nur noch Meetingräume mit Video­komplettausstattung.
Überbrücken können Firmen die geografische Distanz auf unterschiedlichen Wegen.

Sehen und Gesehenwerden
„Video- oder Webkonferenz?“ ist die erste Frage, die man sich stellen sollte. Während es bei der Videokonferenz primär um das Sehen und Gesehenwerden geht, sind Webkonferenzsysteme vornehmlich für die gemeinsame Bearbeitung/Besprechung von Dokumenten gedacht. Bei Zweiterem herrscht oft eine ­PowerPoint-Folie über zwei Drittel des Bildschirms, und der Rest gehört dem ­Video der sprechenden Person. Für den Laien sind die Produkte oft nicht leicht zu unterscheiden, weil sich die Grundfunk­tionen da und dort auch mischen. Bei Herstellern wie Microsoft oder IBM sind ­Videofunktionen ebenfalls gleich in die Programme integriert. Hier läuft es aber unter dem Schlagwort „Collaboration“ oder „Desktop Conferencing“.

Vom Dacia bis zum Maybach
Am Anbietermarkt treffen sich jedenfalls alte und neue Namen, bekannte Marken aus der ­Internetwelt ebenso wie Spezialhersteller. Virtuelle Meetings gibt es in allen Preisklassen vom Gratisprogramm bis hin zur Komplettlösung im Gegenwert eines Kleinwagens. Die große Masse machen die kostenlosen Messenger-Programme, von Skype bis zu Microsoft.
Kameras sind meist schon ab Werk in die Rechner verbaut oder werden aufgesteckt. Logitech ist der Marktführer bei solchen Aufsteckkameras und tüftelt wie auch Philips permanent in den Labors, um die Bild- und Tonwiedergabe zu optimieren. Heute sind Webcams Profigeräte mit Zeiss-Optik und High Definition. Die Hardware hat zuletzt Quantensprünge vollzogen. Das bedeutet aber noch nicht, dass der User die Freiheit hat, anzurufen, wen immer er will. Es gibt eine Vielzahl von Video- und Audioprotokollen bzw. Codecs, die die Systeme entschlüsseln müssen. Skype-Nutzer können eben nur Skype-Nutzer anrufen.

Ist die Masse bereit für HD?
Das deutsche IT-Fachmagazinn „c’t“ testete unlängst in großem Stil hochauflösende Videotelefoniesysteme. Begeistern konnten die Systeme „zwar mit einem Detailreichtum, der lange Zeit utopisch war“. Ge­stochen scharfe Bilder hatten aber ihren Preis. Selbst innerhalb eines abgeschlossenen Firmennetzwerks mit fixer Bandbreite schafften die meisten HD-Programme weniger als neun Bilder pro ­Sekunde. Fazit: Wirklich hochauflösende Videotelefonate sind mit den meist kos­tenlosen Messenger-Programmen eben doch noch mehr Theorie als Praxis.
Kein Eigenbau. Wer nach einer Mittelklasse-Lösung Ausschau hält, unter Umständen gar mehrere Firmenstandorte vernetzen will, sollte jedenfalls den Rat eines Dienstleisters suchen. Ob die Ursache für verzerrte Bilder und krachenden Ton einfach nur an der Bandbreite, schlecht zusammengestellter Hardware oder an einem falschen Video-Codec liegt, kann nur der Fachmann sagen.

Gut im Geschäft
Die großen Anbieter für professionelle Videokonferenzsys­teme heißen Polycom, Tandberg, Sony, Cisco und HP. Der Netzwerkkonzern Cisco stellt mit seiner TelePresence-Lösung den Maybach unter den schlüsselfertigen Videokonferenzzimmern her. Unter 300.000 Dollar geht hier nichts. 2009 übernahm Cisco die Mehrheit an Tandberg, um in der Mittelklasse entsprechendes Know-how anbieten zu können. Ein Schritt zur richtigen Zeit, denn das Thema Video-/Webkonferenz interessiert jetzt die Mittelständler. Die Texaner von LifeSize haben das früh erkannt und sich auf „TelePresence für den Mainstream“ konzentriert. Mit der Übernahme durch den Schweizer Logitech-Konzern werden LifeSize-Systeme vermehrt nach Öster­reich kommen. Auf Anbieterseite konsolidiert sich der Markt, und Kunden wie die Deutsche Telekom haben bereits neue Geschäftsmöglichkeiten am Schirm: die Vermietung von Videokonferenzanlagen auf Stundenbasis.

Barbara Mayerl

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