Frischzellenkur aus Glasfasern: Telekom Austria steckt eine Milliarde ins Festnetz

Die Telekom Austria macht Ernst: Sie investiert eine Milliarde Euro ins totgesagte Festnetz, um High-speed-Internet anbieten zu können. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Und auch die Politik ist gefordert.

Ereignisse historischen Ausmaßes gehören dokumentiert. Die Großbaustelle auf der österreichischen Datenautobahn fällt in diese Kategorie. Mehr als zwei Millionen Haushalte sollen eine Auffahrt auf den neuen Datenhighway erhalten, auf dem sich durch Glasfasern fünfmal schneller vorankommen lässt. Diese Bauarbeiten sind komplexer, als Straßen zu asphaltieren, und passieren zudem praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Deshalb hat sich die Telekom Austria entschlossen, einen Chronisten anzuheuern. Ein junger Journalist soll Managern und Technikern über die Schulter blicken und über den Fortschritt der Bauarbeiten online berichten. „Das ist ein komplexes Thema. Wir wollen die Leute hinter die Kulissen blicken lassen“, sagt Martin Bredl, der Kommunikationsleiter.

Breitbandbedarf steigt
Telekom-Boss Hannes Ametsreiter will Aufmerksamkeit und Anerkennung für sein Unternehmen, wenn es schon eine Milliarde Euro ins eigentlich totgesagte Festnetz investiert. Das Projekt war intern nicht unumstritten und wurde lange hin- und hergeschoben.Und jetzt eine Milliarde für das gute alte Telefon? Nein, ferngesprochen wird außerhalb von Büros fast nur noch mobil. Aber die Telekom Austria ist auch der größte Internetprovider des Landes. Und im Netzverkehr steigen die Datenmengen ­enorm – und verlangen nach Glasfaserleitungen mit entsprechenden Bandbreiten. Aus den alten Kupferkabeln sind nur mehr 16 Megabit Bandbreite herauszu­holen, mit ein paar Tricks etwas mehr. In jedem Fall zu wenig. Laut Schätzungen wird ein durchschnittlicher Haushalt aber schon in wenigen Jahren einen Bedarf von 50 Mbit pro Sekunde für seine digitalen Verrichtungen haben. Die Telekom hat ihr Projekt gleich „Giga-Netz“ getauft. Was Ametsreiter „Connected Home“ – das vernetzte Heim – nennt, ist näher, als wir glauben. „Deshalb werden wir auch noch zirka 500 Millionen in den Mobilfunkbereich investieren“, sagt er. Insgesamt also ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro.

Wunsch nach Hilfe vom Staat
Neue Entertainmentangebote, E-Government und Tele-Medizin sollen auf diese Weise in den Haushalten zum Alltag werden und die Sache für die Telekom zu einem Geschäft machen. Dazu kommt aber auch politischer Druck auf den teilverstaatlichten Konzern. Die Regierung will in der Krise durch Infrastrukturinvestitionen Jobs schaffen und verhehlt nicht, dem Marktführer bei der letzten Telekom-Gesetzesnovelle entgegengekommen zu sein. Ametsreiter will aber mehr Unterstützung. Über Hilfe vom Staat bei den überzähligen Telekom-Beamten als Gegenleistung für die Rieseninvestition wird mit Sicherheit noch gesprochen.

1.500 Euro pro Anschluss
Investieren müssen in dieses „Jahrhundertprojekt“, wie es Telekom-Regulator Georg Serentschy nennt, letztendlich aber alle Internetprovider – die einen direkt, die anderen über Aufschläge auf ihre Preise als Wiederverkäufer. Politik und Regulator sind gefordert, die Rahmenbedingungen so zu stecken, dass ländliche Gebiete nicht erst recht wieder neben der Autobahn zu liegen kommen. Betriebswirtschaftlich ist es verständlich, dass vorrangig dort ausgebaut wird, wo es sich rechnet. Tele2-Chef Alfred Pufitsch warnt daher vor allzu großen Erwartungen: „Der Start wird schnell gehen. Bis zur flächendeckenden Verbreitung wird es allerdings noch lange dauern.“ Das Teure an der Sache ist, die Glasfasern direkt in die Wohnung zu bringen. Es kostet rund 1.500 Euro pro Anschluss. Würde die Telekom alle ihre Kunden mit „Fibre To The Home“ ausrüsten, kostete das mindestens drei Milliarden Euro. Absolut unleistbar.

Wer zahlt mit?
Das Problem des Infrastrukturausbaues ist ein gesamteuropäi­sches und wird unterschiedlich angegangen. In Holland wurde etwa eine eigene Infrastrukturgesellschaft gegründet, andere Staaten haben einfach die Regionen ­unter den Providern aufgeteilt. Für Seren­tschy ein denkbares Modell, das er im Rahmen einer „Kooperationsstudie“ im Oktober vorstellen will. „Dann werden wir über Finanzierung reden.“ Praktisch könnte es darauf hinauslaufen, dass der erste Provider, der ein Gebiet ausbaut, mit einem Risikoaufschlag von 10 bis 15 Prozent für sein Investment belohnt wird, den Mitbewerbern aber Produkte zum Wiederverkauf anbieten muss. Zugangstechnologien testet schon der größte Konkurrent der Telekom neben den TV-Kabelanbietern, die Tele2. „Wir werden in den Ausbau investieren“, sagt Boss Pufitsch. „Aber solange die Spielregeln noch nicht ausgehandelt sind, nennen wir öffentlich noch keine Details.“

Kabelnetz hat die Nase vorne
Thomas Hintze, der Chef von UPC (vormals Telekabel), hat derweil gut lachen. Während die Telekom noch an den finalen Plänen feilt, kann er UPC-Kunden in Wien seit zwei Wochen anbieten, gegen Aufpreis mit „Fiber Power“ ihren Anschluss auf 50 oder 100 MBit hochzufahren. Der Ausbau in den Bundesländern läuft bereits. Bis zu 70 Millionen Euro werden heuer inves­tiert. „Die 100 Mbit sind sicher noch kein Massenmarkt, der Bedarf an Bandbreite steigt aber rasant“, sagt Hintze, der sich über leere Datenhighways keine Sorgen macht. „Der ORF ist noch immer unser wichtigster Content-Partner. Wenn der demnächst seine Online-Videothek ins Netz stellt, wird sich ordentlich was be­wegen.“

Die mobile Konkurrenz
Ein Drittel der Breitbandanschlüsse sind in Österreich derzeit „mobil“. Für einen durchschnittlichen Verbraucher sind Datenkarten für zehn Euro monatlich ein attraktives Angebot. Dass man sich die versprochene Bandbreite von 7 bis 14 Mbit pro Sekunde je nach Zeit und Ort mit anderen Nutzern „teilen“ muss, wird bei solchen Preisen in Kauf genommen. Noch. Deshalb arbeiten auch die Mobilfunker fieberhaft daran, für zukünftige Kapazitätsanforderungen ge­rüstet zu sein. Zum einen soll der nächste Technologiesprung LTE (Long Term Evolution) bereits in zwei Jahren Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde bringen. In LTE-Testnetzen wie dem von T-Mobile in Innsbruck werden diese Werte bereits erreicht. Zum anderen wünschen sich die Mobilfunker, auch die Telekom-Tochter mobilkom, dass sie die durch das Abschalten von Analog-TV frei werdenden Frequen­zen bekommen. Die EU befürwortet das, und in weiten Teilen Europas wird das auch so gehandhabt. Am Land wird mo­biles Breitband aus Kostengründen auf Dauer eine große Rolle spielen.

Die Jobmaschine
Der Ausbau des schnellen Internets soll in der Krise neue Jobs bringen. Die EU rechnet mit zwei Millionen Arbeitsplätzen bis 2015. In Deutschland soll der Netzausbau bis 2014 300.000 Jobs bringen, bis 2020 gar 970.000. Das WIFO rechnet in Österreich mit ähnlichen Effekten: Pro 100 Millionen, die ausgegeben werden, könnten 1.300 Arbeitsplätze entstehen, vom Bauarbeiter bis zum Multimedia-Produzenten. Das Großprojekt hat zwei Seiten. Während die Telekom viele Nachrichtentechniker nicht mehr brauchen kann, entstehen auf der anderen Seite neue Jobs. Einen davon hat schon der GigaNetz-Chronist.

Von Barbara Mayerl

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