FORMAT-Serie: IT-Chefs im Portrait
Ein Besuch bei Porsche Informatik

Josef Hagler hat vorgemacht, wie man aus der IT-Abteilung eines Konzerns eine Elitetruppe mit internationalem Renommee formt. Ein FORMAT-Besuch bei Porsche Informatik in Salzburg.

Er war nicht gekommen, um lange zu bleiben. Damals, 1996, war IBM-Berater Josef Hagler an der Salzburger Peripherie gelandet – um die IT- Firmen der Porsche Holding auf das automotive Kerngeschäft zu konzentrieren. Aus dem Troubleshooter wurde ein Chef, aus dem Sechs-Monats-Engagement ein Lebensprojekt – ein erfolgreiches. Porsche Informatik GmbH beliefert Autohändler, Autoimporteure und die Porsche Bank von der Ukraine bis Italien mit IT-Dienstleistungen. Über 10.000 Anwender wickeln auf den Plattformen der Salzburger ihre Geschäfte ab. Für die Importeure gibt es das Programm CARLOS, für die Einzelhändler die Plattform CROSS.

Mit Klientel vertraut
„Ein kleiner Teil der Autoverkäufer sind Künstler. Die sind mit keiner Vertriebssoftware zu beeindrucken oder zu unterstützen“, erklärt Hagler. Für die übrigen gibt es das CRM-Programm VU, was für Verkäufer-Unterstützung steht. Und die ist „genial“, bestätigen Händler Josef Hagler immer wieder. „Gerade in schwierigen Zeiten oder für junge Ver­käufer macht so ein Werkzeug den Unterschied.“ Wie ein guter Autobauer hat auch Hagler gern die Hoheit über seine Plattform. Mit über 200 exzellenten Ingenieuren hat Porsche Informatik genug Manpower im Haus, um Projekte extrem schnell zu entwickeln. Hagler erklärt, warum er dabei gern auf Open-Source-Komponenten setzt: „Wenn wir drei Monate Zeit haben, einen Auftrag umzusetzen, können wir uns nicht darauf ausreden, dass die passende Software-Version der Firma XY erst in sechs Monaten kommt.“ Und weiter: „Mit Open Source haben wir uns eine eigene Werkbank gebaut, sind unabhängig und haben das Know-how im Haus.“

Selbsterklärende Softwarelösungen
Hagler vereint problemlos scheinbare Widersprüche. Der bekennende Open-Source-Anhänger ist auch leidenschaft­licher Apple-Fan, ein bekanntlich strikt abgeschlossenes Universum. An Apple fasziniert ihn die Benutzerfreundlichkeit. Vom Fraunhofer Institut und der Firma Design Affairs holt er sich regelmäßig ­Experten auf diesem Gebiet ins Haus, die checken, ob die Buttons für die neuen Programme stimmig angeordnet sind oder den Anwender verwirren. Hagler: „Ich träume von Software, die sich selbst erklärt.“ Der Weg dorthin ist vorgezeichnet, das weiß er von seinen Besuchen in den Forschungslabors in aller Welt.

Trendsetter mit gutem Riecher
Hagler ist ein pragmatischer Visionär und hatte früh das Vertrauen seiner Kunden. Bereits 2002 versorgte Porsche Informatik 400 Händler mit Firmensoftware und Finanzbuchhaltung und bewahrte deren Daten ­sicher im hauseigenen Rechenzentrum auf. Was Hagler gemacht hat, hieß damals noch Application Service Providing, heute­ ist der passende Fachbegriff dazu in aller Munde: Cloud Computing. Porsche Informatik betreibt zwei Rechenzentren und gibt die Skaleneffekte aus dem Technikbetrieb an die Händler weiter. „Unsere Händler profitieren von den Einsparungen“, sagt Hagler, „die IT wird günstiger.“ Dass der Umsatz von Porsche Informatik dennoch wächst, ist dem Expansionskurs zu danken.

Neidlose Konkurrenten
Sogar die Konkurrenz bescheinigt den Salzburgern, erstklassige Software für den Autohandel zu machen. Hagler: „Wir sind deshalb so gut, weil wir mittendrin sind im Autogeschäft des Konzerns und den Autohandel in allen Facetten kennen.“ In Deutschland hat der VW-Konzern 2.000 IT-Mitarbeiter sitzen. Dass trotzdem die Salzburger den Auftrag bekommen, neue Software-Anwendungen für VW weltweit zu machen, spielt Hagler herunter. Von Animositäten bzw. neidvollen Blicken der deutschen Kollegen aus der VW-Gruppe will er nichts wissen. Im Gegenteil: Als diese 2009 mit 49,9 Prozent bei der Porsche AG einstieg und die Idee des „integrierten Volkswagen-Konzerns“ entstand, rief VW-Informatikvorstand Klaus-Hardy Mühleck bei Hagler an und teilte ihm mit, wie sehr er sich freue, dass er so eine Perle in den Konzernverbund bekommen werde. „Wir verstehen uns prächtig“, sagt Hagler, „und wie man mit den VW-Mitarbeitern richtig umgeht, ist einfach eine Frage der Empathie.“

Salzburg ist nicht Silicon Valley
Für ihn sind die Wolfsburger Konzernkollegen genauso gut wie seine Leute in Salzburg. Dennoch dürfte die internationale Anerkennung für Haglers Leute motivierend sein. Dass Salzburg nicht den Reiz von Silicon Valley hat, musste er immer wieder feststellen: Es ist schwierig, TU-Absolventen von Wien oder München nach Salzburg zu holen. Trotzdem hat Porsche Informatik viele exzellente Informatiker etwa aus Großbritannien und China. Im globalisierten IT-Geschäft, wo in der einen Woche ein Autohändler in Rumänien angebunden werden muss und in der Woche darauf ­einer in Berlin, ist das mobile Office sowieso der Normalzustand. Externe Einflüsterer und emsige Vertriebsmitarbeiter von IT-Konzernen beißen bei Hagler schon einmal auf Granit. Sie bekommen selten Termine.

In der Ruhe liegt die Kraft
„Ich habe viele Methoden kennen gelernt. Heute habe ich einen einfachen, klaren Weg, und den gehen wir“, sagt der Informatiker und hört sich an wie ein Philosoph. Hagler entscheidet mit der Gelassenheit der Erfahrung: „Es ist schön, keine Statussymbole mehr zu benötigen.“ Er durfte schon alle Automarken des Konzerns probieren und fährt heute ganz gern entspannt mit dem Zug. Dabei macht er sich dann Gedanken über seine Steckenpferde Permakulturen und erneuerbare Energie. Wer Josef Haglers Energielevel kennt, kann sich gut vorstellen, dass er auch als Mittsechziger noch eine Firma gründet. Ideen hat er genug. Auf die Hofübergabe bei Porsche Informatik hat er sich ein­gestimmt. Blöd nur, dass der Holding-Vorstand ihn noch nicht ziehen lassen will. Irgendwie ist er wohl doch gekommen, um ewig zu ­bleiben.

Barbara Mayerl

Biografie:
Josef Hagler, 61, Chief Information Officer, hat nach dem TGM in Wien als Programmierer begonnen. Er war 22 Jahre für IBM tätig: 1990 gründete er in der New Yorker IBM-Zentrale mit 40 Kollegen die weltweit tätige IBM Consulting Group. Seit 1996 leitet er Porsche Informatik, die nicht als klassische IT-Abteilung eines Konzerns, sondern als GmbH geführt wird. 10.000 Anwender in ganz Europa werden mit IT-Dienstleistungen versorgt. Der Umsatz 2009 von Porsche Informatik betrug 32 Millionen Euro.

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