Festnetz 2.0: Wie Mobilfunker im Festnetz "mobil" machen

Die Mobilfunker machen das Festnetz „mobil“, greifen beim Festnetz-Breitband an und locken über die Sprachtelefonie Firmenkunden.

Das Festnetz ist tot, es lebe das Festnetz. Ausgerechnet im europäischen Mobilfunk-Paradies Österreich „entdecken“ die Mobilfunker dieser Tage ihre Liebe zum Festnetz. Mit Festnetz ist allerdings nicht mehr die Sprachtelefonie gemeint. Das Missverständnis räumte Telekom-General Hannes Ametsreiter am 23. Februar selbst aus der Welt: „Sprache im Festnetz ist Vergangenheit. Die Richtung ist völlig klar und heißt Breitband.“

An diesem Breitband zieht jetzt wieder einmal keck die Konkurrenz aus dem Mobilfunk. 44 Prozent der heimischen Breitband-Anschlüsse sind bereits mobil, das ist Europa-Rekord. Einen Tag nach der Bilanzpressekonferenz der Telekom Austria warf Jan Trionow, Chef von Multimedia-Mobilfunker 3, einen handtellergroßen Würfel und ein paar Kampftarife in die Schlacht. „Das ist der größte Angriff auf das Festnetz“, gab sich Trionow selbstbewusst, „wir haben ein Produkt für den Massenmarkt, und das auch für die ländlichen Gebiete.“ Hintergrund: Das Wachstum von 3 war bis zum Sommer 2010 fast ausschließlich auf die mobilen Datenkarten zurückzuführen, und die bevorzugte Erschließung ländlicher Gegenden ist seit langem ein Schwerpunkt von 3.

Trionow ist zwar nicht mehr Herr des eigenen Netzes. Das wurde Ende 2010 an die chinesische Staatsbank verkauft und wird seither im Leasingmodell betrieben. Dafür hat er jetzt extrem ambitionierte Lieferanten an der Hand. Der chinesische Telekom-Ausrüster ZTE rüstet das österreichische 3-Netz auf. Trionow: „Bis zum Herbst 2011 sind wir in der Lage, 94 Prozent der Bevölkerung mit bis zu 42 MBit pro Sekunde anzubinden.“ Für ZTE ist Österreich ein Referenzprojekt in Europa, für 3 ist es die Möglichkeit, überhaupt eine derartige Kampfansage an das terrestrische Breitband zu machen. Trionow verspricht Download-Geschwindigkeiten von bis zu 6 Megabit, beim Premium-Anschluss sogar bis zu 30 Megabit pro Sekunde, und ist damit eine unmittelbare Konkurrenz zu Produkten von A1 Telekom Austria und UPC.

Datenverbrauch versechsfacht

Die Angst vieler Verbraucher, bei Überschreitung des Datenlimits bei mobilem Breitband übermäßig zur Kasse gebeten zu werden, ist für den 3-Chef unbegründet. „Die Flatrate ist eine Flatrate.“ Dass diese Breitband-Promotion zieht, scheint sicher. Seit 3 im Sommer 2010 mit einer aggressiven Smartphone-Vermarktung begann, hat sich der Datenverbrauch seiner Kunden statistisch versechsfacht. 3 wickelt den größten Datenverkehr der heimischen Mobilfunker monatlich ab. Das ist aber nur eine Front für Festnetz-Anbieter wie die Telekom, UPC und tele2. Die Mobilfunker haben noch mehr im Visier. Mit der Sprachtelefonie im Festnetz ist kein Staat mehr zu machen. 80 Prozent der Telefonieminuten laufen bereits über die Mobilfunknetze. Die restlichen 20 Prozent taugen aber noch immer dafür, als trojanisches Pferd den Firmenkundenmarkt – Domäne der Telekom – zu erobern. Wie das geht?

Firmen total mobil

Heute lässt sich nicht nur die Handynummer beim Betreiberwechsel mitnehmen, sondern auch die Festnetznummer. Bei dieser „mobilen Nebenstellenanlage“ werden die Anrufe, die eine Firma auf ihren Festnetzanschluss erhält, auf die Handys umgeleitet. Orange-Boss Michael Krammer hat die mobile Nebenstellenanlage überarbeiten lassen und hofft, bald mehr als die bisherigen 3.000 Kunden mit dem Argument günstigerer Anschaffungs- und Betriebskosten für sein mobiles Festnetz zu begeistern. Selbst Fax und Chefsekretärinnen-Funktionen müssen die Kunden hier nicht missen. Konferenzschaltungen, E-Mail- Management und einiges andere gibt es auf Wunsch extra.

Die mobile Nebenstellenanlage kostet bei Orange 7,50 Euro pro Monat, jede weitere Durchwahl 3,75 Euro. Das Pendant bei der Konkurrenz T-Mobile heißt „Festnetz2Go“ und funktioniert nach demselben Strickmuster. Bei T-Mobile kostet die mobile Nebenstellenanlage 10 Euro im Monat, dafür sind die Durchwahlen inkludiert.

Als Wählamt – als Vermittlungsstelle – brauchen derart mobile Firmenkunden nur noch einen PC und ein Notebook mit breitbandigem Internetanschluss. „Dafür reicht im Regelfall eine unserer Datenkarten“, sagt T-Mobile-Sprecherin Barbara Holzbauer. Trickreich – alle Wege führen zum Festnetz und dann doch wieder drumherum.

– Barbara Mayerl

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