Facebook vs. Google: Wer ist besser?

Google hat mit Google+ endlich eine adäquate Antwort auf Facebook gefunden. Was der neue Dienst kann, warum die Euphorie so groß ist und wohin die Reise geht im Kampf der Social-Network-Systeme. Eine erste Bestandsaufnahme.

Die Kräfte waren ungleich verteilt im Kampf um die soziale Weltherrschaft. Der „David“, Mark Zuckerberg, hatte sich in fünf Jahren zu einem Goliath mit 750 Millionen Nutzern aufgeblasen – Google hing fassungslos in den Seilen und brauchte lange für eine adäquate Antwort.

Die kam am 28. Juni 2011, unspektakulär und unaufgeregt: Über den hauseigenen Kommunikationskanal, das ist bei den Internetkonzernen heute der Firmen-Blog, wurde erstmals offiziell das Projekt Google+ erwähnt. Die Sprengkraft dessen, was da eingequetscht zwischen Google-Gay-Initiativen und alten Design-Entwürfen, zu lesen stand, entfaltete sich in den Tagen danach mit voller Wucht.

Google-Chefentwickler Vic Gundotra postete dort seine Gedanken „zum sozialen Leben und zur Kommunikation in Zeiten des Internets“ und garnierte das mit ein paar YouTube-Videos. Drei Erkenntnisse hatte Google da gewonnen. Erstens: Wir wollen mit bestimmten Leuten halt nur zu bestimmten Zeiten reden; blöd, dass wir von allen jederzeit alles hören. Zweitens: Jede Online-Konversation mit mehr als 100 „Freunden“ ist eine öffentliche Kundgebung; weil wir uns davor fürchten, teilen wir im Zweifelsfall weniger mit. Drittens: Jeder hat seine ganz eigene Definition von „Freunden“ und „Familie“; diese Nuancen gehen online verloren.

Keine Philosophie, sondern drei spitze Pfeile in die Achillesferse von Mark Zuckerberg oder – das war es wohl intern – die To-do-Liste für die Google-Entwicklertruppe, die am 28. Juni die Rakete Google+ abschoss, die sie mit Waffen bestückt hatte, die Circles, Sparks, Hangouts und Huddle heißen.

Hinter diesen fantasievollen Namen stecken die Schlüsselfunktionen des sozialen Netzwerks Google+, das seit zwei Wochen als mehr oder weniger geschlossener Testversuch kolportierte fünf Millionen Menschen – offizielle Zahlen sagt Google noch nicht – magisch anzieht, darunter keinen Geringeren als Mark Zuckerberg höchstpersönlich.

In besseren Kreisen

Google, seit April wieder offiziell unter der operativen Führung des Mitgründers Larry Page, hat seine Hausaufgaben gemacht und den Dreh beim sozialen Netzwerken heraus. Was macht Google+ anders als Facebook?

Erstens: Das soziale Umfeld lässt sich organischer gestalten. Benutzer können eine beliebige Anzahl von Freundeskreisen („Circles“) und Schnittmengen daraus bilden.

Zweitens: Die Freundschaft muss, wie im Offline-Leben, nicht notwendigerweise beiderseits bestehen. Nachrichten vom Boss oder Postings von anderen Prominenten oder zu bestimmten Interessengebieten können in separate Kreise geschoben werden. So lässt sich ein persönlicher Nachrichtenkanal bauen, mit dem Google+-Werkzeug „Sparks“. Praktisch: Für die Verwaltung eines privaten und beruflichen Accounts braucht es nur ein Anwenderprofil.

Drittens: Google ist sehr spontan und bietet – aufgesetzt auf den hauseigenen Sprachdiensten Google Voice und den Video-Player – einen Video-Chat für bis zu zehn Leute: „Hangout“. Und lässt das schnelle Absetzen von Kurznachrichten an einen bestimmten Nutzerkreis zu: „Huddle“.

Gerade diese zwei Funktionen, das spontane Abhängen und Köpfezusammenstecken (engl. Huddle, die spontane Strategiebesprechung von Footballteams), präsentierten sich beim FORMAT-Test ausgereift und sehr benutzerfreundlich. Beim Video-Chat springt die Kamera automatisch zu dem, der gerade spricht. Das bietet ganz neue Möglichkeiten für einen Austausch mit Freunden und Bekannten, vorausgesetzt, sie verkehren in Google-Kreisen.

Dort zieht es die Nutzer in Scharen hin. Das Netz ist voll von Erfahrungsberichten von Verbrauchern und digitalen Meinungsmachern – wie sich Facebook-Freunde auf Google+ transferieren lassen, welche Google+-Funktionen gelungen oder verbesserungsbedürftig sind. Besonders angetan hat es Google+ schon zahlreichen Nutzern des Kurznachrichtendiensts Twitter. Auguren sehen hier schon ein mögliches Opfer. Den ersten Kollateral schaden hat Google+ aber im eigenen Haus angerichtet: Google Buzz, der erste Versuch eines Angriffs auf Facebook, wird so gut wie gar nicht mehr genutzt.

Das Arbeiten mit unfertigen Produkten, den Beta-Versionen, ist bei Google seit Jahren Programm. Entgegen der bisherigen Firmenpolitik dürfen viele Mitarbeiter jetzt aber sehr offen über Entwicklungen und Pläne von Google+ sprechen. Der direkte Kontakt ist geplant, ja ausdrücklich gewünscht. Erste Anregungen wurden sehr schnell umgesetzt oder zumindest offen diskutiert. Das sensible Thema Privatsphäre ist bei Google+ schon systemimmanent anders geregelt als bei Facebook. So ist nicht öffentlich, welchen Kontakt der Nutzer in welchen „Circles“ führt, und Google deklariert nicht einfach alle Kontakte im Adressbuch automatisch als „Freunde“.

Noch ist Google+ eine Baustelle, bei der das Fundament passt, der Aufbau aber noch unstrukturierter als bei Facebook daherkommt. Das Aufteilen von großen digitalen Freundeskreisen, wenn es mehr als die statistischen 130 Facebook-Freunde sind, beschäftigt Nutzer von Google+ zurzeit oft tage- und nächtelang.

Wer Facebook intensiv nutzt, schätzt die Möglichkeit, zu Veranstaltungen zu laden, Geburtstagsgrüße an die Pinnwand zu schreiben und wohl auch die, zu spielen. All das gibt es bei Google+ (noch) nicht. Zuckerberg erkennt das Gefahrenpotenzial. Vor wenigen Tagen ließ er eine Video-Funktion auf Facebook freischalten und einschlägige Programme, die einen nahtlosen Import der Facebook-Kontakte auf Google+ erlaubt hätten, vorsorglich sperren. Dass er King des sozialen Universums ist, wird ihm bei der Konkurrenz bestätigt: Die größte Anhängerschar auf Google+ hat Zuckerberg mit 134.000 Freunden, Larry Page hält erst bei halb so vielen. Offiziell gibt es nur PR-Blasen: „Wir sind erst am Beginn, das Web wirklich sozial zu machen. In diesen frühen Tagen ist an vielen Ecken Platz für neue Innovationen,“ sagt Facebook.

Facebook für Erwachsene

Mit Google+ hat der Suchmaschinenkonzern eine gelungene Plattform für Medien, Agenturen und Social-Media-Experten gestartet, die man nicht ignorieren kann. Wo die Reise hingeht, ist zurzeit seriös nicht zu beantworten. Von einer Massenflucht aus Facebook bis hin zur friedlichen Koexistenz ist alles denkbar. Im „Spiegel“ wird der Internet-Experte Eric Kubitz zitiert, der Google+ als „Facebook für Erwachsene“ bezeichnete.

Angebote für die Präsentation von Firmen sollen demnächst kommen, heißt es. Und mit dem im März vorgestellten „+1“ hat Google auch ein Pendant zum „Like“-Button von Facebook – im übertragenen Sinn die Währung in der Aufmerksamkeitsökonomie.

Dollar-Zeichen blitzen jetzt wieder in den Augen der Google-Investoren auf. Morgan Stanley bewertet Google dank dem Projekt um 15,8 Milliarden Dollar höher. Groß sind die pekuniären Fantasien. Der Umsatz pro Kunde ist bei Google sechsmal so hoch wie bei Facebook, und mit Google+ wird die Produktpalette weiter verfeinert. Google ist unter der Führung von Larry Page wieder im sozialen Rennen und hat es geschafft, als Konzern so etwas wie neue Start-up-Euphorie zu erzeugen. Page sagte im April: „Wir müssen wieder mehr wie früher werden.“ Aus der David-Perspektive auf den Goliath zu blicken macht nicht nur Druck, sondern hoffentlich auch kreativ.

– Gregor Kucera, Barbara Mayerl

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