Elektronische Bücher: Wie gut die Bibliotheken für Kindle und Co bestückt sind

Elektronische Lesegeräte sind beliebte Weihnachtsgeschenke. Deutschsprachige Bücher sind zwar genügend verfügbar, aber noch nicht auf allen E-Readern.

Es sei der Geruch des Papiers und das Geräusch der Seiten beim Blättern, sagten Bücherwürmer vor drei Jahren. Beides könne ein elektronisches Buch nie ersetzen, von einem Einband aus Leinen oder Leder gar nicht erst zu sprechen. E-Books riechen auch weiterhin weder nach Papier noch nach Leder: Dennoch haben Hunderttausende Lesebegeisterte in den USA auf Amazons E-Reader Kindle umgesattelt – und viele unter ihnen lesen seither mehr denn je. Es waren also nicht die Gelegenheitsschmökerer und Gadget-Jäger, die sich auf die elektronischen Lesegeräte stürzten, sondern die Stammkundschaft der Buchhandlungen.

Amazon bringt in den Vereinigten Staaten inzwischen mehr E-Books an den Mann als gebundene Bücher, nur Taschenbücher verkaufen sich noch besser. Der Reiz ist neben dem günstigeren Preis rasch erklärt: 20 Bücher wiegen nicht mehr als zwei, und sie sind beim Kauf auf Knopfdruck verfügbar. Auch kann von jedem Titel zumeist das erste Kapitel Probe gelesen werden, und das kostenlos.

Der Kindle und eine Hand voll weiterer Lesegeräte sind längst in Österreich erhältlich, und sie gelten als geradezu ideale Weihnachtsgeschenke. Doch wie ist es um die Verfügbarkeit deutschsprachiger Bücher bestellt? Bei Amazon ist es mit dem deutschen Angebot an E-Books nicht weit her. Neben Titeln aus dem Projekt Gutenberg (Bücher, deren Rechte ausgelaufen sind) gibt es eine Reihe wenig bekannter Krimis sowie von Autoren selbst publizierte Romane. Wann das Angebot erweitert wird, ist unklar. Die Aussagen deutscher Verlage bei der Frankfurter Buchmesse signalisierten Abwarten.

Deutlich mehr Auswahl haben da schon die Besitzer des Sony Readers oder des neu vorgestellten Geräts Oyo, das vom Buchgroßhändler Thalia vertrieben wird. Morawa etwa, das seinen Kunden die Sony-Modelle empfiehlt, bringt es bei einer Liste auf seiner Website immerhin auf über 11.700 Titel. Ein Blick ins digitale Regal könnte anspruchsvolle Leser allerdings wieder ernüchtern. Von der aktuellen Bestenliste des ORF, die monatlich von Literaturkritikern und Buchhändlern erstellt wird, ist ein einziger Titel als E-Book erhältlich: „1Q84“ von Haruki Murakami, erschienen bei DuMont.

Eine Reihe deutscher Websites, darunter der zu Bertelsmann und Gruner + Jahr gehörige Online-Kiosk Pubbles sowie Libri, bieten ebenfalls elektronische Bücher im ePub-Format an.

Über Apples iTunes Store lassen sich in Österreich indes fast nur Projekt-Gutenberg-Bücher herunterladen. Auch hier gibt es keine Informationen, wann mit einer Angebotserweiterung zu rechnen ist.

Hindernisse

Trotz – oder gerade wegen – des wachsenden Angebots sollten Kunden auf Kompatibilität zwischen E-Readern und E-Books achten. So lassen sich Titel, die bei Amazon eingekauft wurden, nicht am Sony Reader öffnen. Ebenso verträgt sich bei Thalia Erworbenes nicht mit dem Kindle.

Aus Kundensicht bedeuten solche Beschränkungen aufgrund des Urheberrechts (Digital Rights Management, kurz DRM) vor allem Unsicherheit. Dabei ist DRM zunächst einfach ein Weg, um die Rechte der Autoren zu wahren.

Und diesen könnte es im Grunde einerlei sein, auf welchem Endgerät ihr Werk konsumiert wird. Allerdings wird DRM auch als Mittel eingesetzt, um Kunden an einen Buchhändler zu binden. Der deutsche Verlag Suhrkamp/Insel zum Beispiel verweist seine Leser bei der Frage nach der Kompatibilität zwischen DRM-geschützten E-Books an die Geschäfte. „Das hängt davon ab, bei welchem Händler Sie eBooks erwerben“, so der lapidare Hinweis.

Preisfrage

Schließlich sind da noch die Preise. Amazon verlangte den Verlagen in den USA anfangs einen maximalen Verkaufspreis von zehn Dollar ab. In Österreich sind E-Books meist nur wenige Euro billiger als die Printausgaben. Ausgenommen sind Titel, die auf den Verkaufslisten ganz oben rangieren. So ist Ken Folletts „Die Säulen der Erde“ bereits um unter neun Euro zu haben. Gleichzeitig bleibt den Händlern aufgrund der Buchpreisbindung nicht viel Spielraum.

Dass im amerikanischen Kindle-Shop mittlerweile auch höhere Preise verlangt werden – die Verlage setzten dies durch –, lässt die Kunden mitunter auf die Barrikaden steigen. Mit Ein-Stern-Bewertungen quittierten sie die erhöhten Preise sowie das verzögerte Erscheinen mancher E-Books: eine Strategie der Verlage, damit die Printprodukte beim Verkaufsstart bessere Chancen bekommen. Für den ORF-Bestenlisten-Titel „1Q84“ müssen bei Morawa und Thalia noch 26,99 Euro berappt werden, die Papierausgabe kostet 32 Euro.

Starke Konkurrenz steht Amazon mit Google ins Haus. Anfang der Woche eröffneten die Kalifornier, vorerst nur für US-Leser, ihren „eBookstore“ und bieten darin nach eigenen Angaben zwei Millionen E-Books an.

Hinter dem Angebot sollen Abkommen mit rund 4.000 Verlagshäusern stehen. Das Sortiment besteht aus kostenlosen, urheberrechtsfreien Werken sowie aktuellen Bestsellern. Lesen lassen sich die Bücher im Browser, über Apps für die Plattformen Android und iOS, aber auch über E-Reader, die ePub-tauglich sind. Wann es mit dem eBookstore in Österreich so weit ist, bleibt erneut abzuwarten.

Drei beliebte Lesegeräte und ihre aktuelle Ausstattung

1. Amazon Kindle
Beim Amazon Kindle wird für E-Books ein eigenes Format verwendet. Damit lassen sich bei Amazon eingekaufte Bücher ausschließlich am Kindle sowie über die (kostenlose) Kindle-Software lesen. Diese gibt es allerdings für Windows, Mac, Android, BlackBerry, iPhone und iPad. Kindle kann auch keine ePub-Formate anzeigen, DRM-frei oder nicht. Wer seinen Kindle verliert, ist aber auf der sicheren Seite: Gekaufte Bücher lassen sich immer wieder nachladen. Empfehlenswert derzeit nur, wenn vor allem englische Bücher gelesen werden. Preis: rund 150 Euro.

2. iPad
Um Bücher am Apple iPad zu lesen, müssen diese nicht notwendigerweise über iTunes eingekauft werden. Apple verwendet zwar sein eigenes DRM, die Software iBooks öffnet jedoch auch DRM-freie Titel, darunter etwa die Bücher des Projekt Gutenberg (Titel in iTunes importieren bzw. „hineinziehen“). ePub-Formate mit DRM, die nicht bei Apple gekauft wurden, bleiben jedoch weitgehend ausgesperrt. Empfehlenswert für Leser, die eine Hintergrundbeleuchtung bevorzugen, insbesondere aber die weiteren Funktionen des Tablets nutzen. Preis: ab 499 Euro.

3. Thalias OYO
Thalias OYO kann ePub-Formate mit oder ohne Kopierschutz darstellen. Im Gegensatz zum Kindle verfügt das Gerät über einen Touchscreen und keine Tastatur. Backups lassen sich am Computer (Windows, Mac) über die gratis verfügbare Software Adobe Digital Editions erstellen. Empfehlenswert für Leute, die vor allem Deutschsprachiges lesen oder bereits eine umfangreiche ePub-Bibliothek besitzen. Preis: 139 Euro.

– Alexandra Riegler

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