Elektronik-Neuheiten auf der IFA: Jetzt lernt der Fernseher, im World Wide Web zu surfen

Internettaugliche Fernseher, superdünne Riesenschirme, Blu-ray zum DVD-Preis: Das sind die wichtigsten Trends der laufenden weltgrößten Multimedia-Messe, der Berliner Funkausstellung IFA.

„Das Fernsehen, wie wir es kennen, wird verschwinden. TV und Internet werden verschmelzen.“ Für den ­Autor dieser Zeilen hörte sich diese Aussage des US-Zukunftsforschers Nicholas Negroponte schräg an. Das war im Jahr 1999. Zehn Jahre später, in Zeiten von breitbandigen Internetanschlüssen und Web 2.0, sieht die Sache anders aus: Ein Rundgang durch die Messehallen der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin zeigt, dass die Fernsehgerätehersteller tatsächlich drauf und dran sind, mit dem Internet völlig neues Terrain zu betreten. Umgesetzt wird der Trend allerdings mit unterschiedlichen Konzepten …

Fall 1: Internet an Bord
Die eleganteste, aber momentan noch mit einigen Beschränkungen behaftete Methode ist die Vollintegration des Internetzugangs ins Fernsehgerät. Bei Philips nennt sich das dann „Net TV“, bei Samsung „Internet@TV“, bei Panasonic „Viera Cast“ und bei Loewe „MediaNetwork“. Das Ergebnis ist bei allen dasselbe: Über Ethernet oder Wireless LAN bekommt der TV-Besitzer Zugriff auf ausgewählte (Partner-)Webseiten, die speziell für die Darstellung am Fernsehschirm aufbereitet wurden. Favorit unter den Web-Angeboten ist das „Web 2.0“-Video-Portal YouTube. Darüber hinaus bietet das Philips’sche Net TV in Österreich etwa Zugriff auf Auto Bild, sevenload (WebTV-Portal) oder Die Presse.com. Noch heuer soll die Liste der Net-TV-Anbieter u. a. um krone.at und krone.tv erweitert werden.

Test verläuft zufriedenstellend
Wie ein Exklusivtest des Philips-Geräts ergab, funktioniert die Sache nicht immer, aber immer öfter: Beim Aufrufen der Presse.com-Seite vermeldete der TV-Browser etwa einen „XML Parsing-Fehler“, während es mit Auto Bild und sevenload keine Probleme gab. Im Gegensatz zu Mitbe­werbern erlaubt Net TV sogar das freie ­Surfen mit manueller Adresseingabe. Im Test wurden format.at, news.at oder orf.at wie ­gewohnt dargestellt, nur das Abspielen der eingebetteten Web-Videos klappte derzeit (noch) nicht. 

Fall 2: Sat-Receiver und Blu-ray-­Player mit Web-Zugang
Das Ergebnis am Schirm ist dasselbe. Allerdings ist die Hard- und Software für das Surfen in ein externes Kombi-Gerät verbannt. Kurz: eine günstige Möglichkeit, herkömmliche Fernseher nach­zurüsten.

Fall 3: Net PCs als "TV-Rucksack"
Bei der dritten Variante wird der Fernseher mit einem Computer – einem sogenannten Nettop-PC – verbunden. Hersteller Acer und Medion zeigen auf der Messe Geräte, die an der TV-Rückwand aufgesteckt werden: surfen wie am PC, allerdings auf einem Riesen-Display.

Nachfrage sprunghaft gestiegen
Der Anteil von Fernsehern mit integriertem Web-Zugang wächst sprunghaft. Von null Prozent im Februar dieses Jahres hat sich der Anteil innerhalb von fünf Monaten auf 6,8 Prozent bei den Stückzahlen hochgeschraubt. Beim Umsatz ist das Ergebnis noch beeindruckender und beträgt 12,5 Prozent, wie die GfK im Juli erhob. Zweiteres ist vor allem für den Handel erfreulich, denn mit den teureren Geräten lässt sich auch mehr verdienen.

LED-TV revolutioniert Bildqualität
Leuchtdiode statt Kaltkathoden-Leuchtröhre! – Der Einsatz von LEDs (Light Emitting Diodes) zur Hintergrundbeleuchtung von Flüssigkristallschirmen ist der neue Trend bei LCD-Fernsehern. Die Gründe: LEDs sind einzeln bis auf ein Prozent ihrer Leuchtkraft dimmbar und ermöglichen so sensationelle Kontrastwerte sowie die Wiedergabe von tiefem Schwarz. Zudem zeichnen sich die kleinen Leuchtkörper durch längere Lebensdauer und weniger Energieverbrauch als die bisher verwendeten Leuchtröhren aus.
Samsung war LED-Pionier und erkannte als erster Hersteller die Chancen des LED-Marktes. Die anderen folgen nun. Zur IFA stellen fast alle Hersteller LCD-TVs mit „LED-Backlight“ aus.

LED: "Edge" oder "Full"?  
LED ist freilich nicht LED. Bei der LED-Hintergrundbeleuchtung lassen sich zwei Bauweisen unterscheiden: Bei „Edge LED“ sind die LEDs wie eine Leuchtschnur entlang der Bildschirmkanten angebracht. Der Vorteil: eine sehr dünne Bauweise. Dank Edge LED lassen sich Fernseher bauen, die weniger als 3 cm dick sind.
Bei „Full LED“ verteilt man die Leuchtdioden hingegen über die gesamte Schirmfläche. Vorteil: eine völlig gleichmäßige Ausleuchtung und sehr gute Kontrastwerte. Ein Argument für LED ist zudem der Energieverbrauch, der 60 Prozent unter dem von LCD-Fernsehern liegt. Marktanteilsmäßig dümpeln LED-TVs bei uns noch bei bescheidenen 2,3 Prozent herum (GfK, Juli ’09) – das dürfte sich im Herbst aber rasch ändern.

Blu-ray zum DVD-Preis
Die Chronologie ist bekannt: Im Jahr 2000 tauchten die ersten DVD-Player unter 3.000 Schilling auf, und DVD-Video wurde „massentauglich“. Jetzt wiederholt sich die Geschichte beim hochauflösenden DVD-Nachfolger: Blu-ray-­Markengeräte sind zur IFA unter 200 Euro zu haben, LG und Samsung statten ihre Heimkino-Anlagen HB354BS und HT-BD1220 (beide: 499 €) ohne erkennbaren Aufpreis mit Blu-ray- statt mit DVD-Laufwerken aus. Das Gros der verkauften Player ist noch DVD, der Blu-ray-Marktanteil lag im Juli erst bei elf Prozent (GfK).

Von Rainer Grünwald

Im Bild: Philips 46PFL9704H/60, LED- Fernseher mit 117 cm Diagonale, bietet Unterhaltung aus dem Internet „auf Abruf“ statt TV-Berieselung. Der Zugang zu YouTube, sevenload & Co befreit Besitzer dieses TVs von den Zwängen des Programmschemas. Internetzugang über Ethernet oder WLAN. Preis: rund 3.000 €

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