E-Sports: Fette Preisgelder

Täglich stundenlanges Training, Sponsorenverträge, millionenschwere Preisgelder – E-Sport ist knallharter Profisport, auch wenn hier Rasen oder Skipiste gegen Maus und Tastatur getauscht wurden.

Nach über zwei Stunden hatte es Aleksey Krupnik endlich geschafft: In einem nervenaufreibenden Finale besiegte der Ukrainer seinen Gegner aus Polen erst im fünften und letzten Satz. Erschöpft, aber glücklich über die 15.000 Dollar Preisgeld nimmt er den Pokal für den Sieg beim IGN ProLeague Tournament entgegen.“

Wer jetzt an Tennisschläger und Wimbledon-Rasen denkt, liegt weit daneben: Aleksey Krupnik, besser bekannt als „White-Ra“, ist Profisportler – am Computer. Die Sportart, in der er es zur Meisterschaft gebracht hat: das PC-Spiel „Starcraft 2“.

Starcraft 2 ist der beliebteste Vertreter einer Gruppe von Computerspielen, die wettkampfmäßig in Turnieren und Meisterschaften auf der ganzen Welt gespielt und unter dem Fachbegriff E-Sport zusammengefasst werden.

Sport und Computer – das sieht auf den ersten Blick stark nach Widerspruch aus. E-Sportler kontern gerne damit, dass auch Darts, Billard, Schach und Fliegenfischen als Sportarten gelten.

Beweis dafür, dass E-Sport seinen Namen nicht nur zu Recht trägt, sondern mittlerweile sogar im Mainstream angekommen zu sein scheint, kommt von ungewöhnlicher Stelle: ESPN, weltweit größter Anbieter für Sport-Übertragungen von Baseball bis Motorsport, startet noch 2012 einen eigenen TV-Kanal, in dem Turniere und Meisterschaften unterschiedlicher E-Sport-Events ausgestrahlt werden.

Pionierarbeit leistet ESPN damit allerdings nicht: In Südkorea, einem Land, in dem das Computerspiel Starcraft 2 heute sogar als Nationalsport gilt, befasst sich bereits seit Jahren ein 24-Stunden-Sender mit dem Echtzeitstrategiespiel und dessen kompetitiver Profi-Szene.

Perfekter Zuschauersport

Doch was genau ist es, das E-Sport und vor allem Starcraft 2 für einen Sportfan interessant machen soll? „Starcraft ist der perfekte Zuschauersport“, meint Sean Plott alias „Day[9]“. Der ehemalige Starcraft-Profispieler hat in den letzten zwei Jahren einen Karrieresprung gemacht, der auch im klassischen Sport gängige Praxis ist: Er tauschte seine aktive Sportkarriere gegen die Kommentatorenbank und ist heute einer der weltweit gefragtesten Live-Berichterstatter bei Starcraft-Events. Auf seiner Website www.day9.tv berichtet er über die ständig wechselnden Taktiken und Trends des Spiels.

„Starcraft 2 wurde von Anfang an so konzipiert, dass es sich perfekt für den Einsatz im professionellen E-Sport eignet“, so Plott.

Starcraft 2 ist ein sogenanntes Echtzeit-Strategiespiel: Spieler müssen Ressourcen sammeln, Basen aufbauen, Armeen produzieren und sie gegen ihre Kontrahenten in die Schlacht führen. Dabei kommt es auf gutes Ressourcenmanagement und die richtige Taktik im Kampf an. Ziel des Spiels ist die Vernichtung des Gegners.

Was Starcraft 2 für den Zuschauer so unterhaltsam macht: Starcraft-2-Hersteller Blizzard hat seinem Spiel einen sogenannten Spectator-Modus spendiert, durch den Kommentatoren und Zuschauer alle relevanten Informationen übersichtlich auf einem Bildschirm im Blick haben.

„Man muss kein Profispieler sein, um eine Starcraft-2-Partie zwischen zwei Weltklassespielern verfolgen zu können“, meint Plott. „Ein rudimentäres Verständnis für die Spielregeln reicht aus, um Spaß an Übertragungen zu haben. Das ist – aus Zuschauersicht – bei anderen Sportarten wie Baseball oder Football nicht anders.“

Spielgeld und Red Bull

Die wirtschaftliche Basis für E-Sport und seine Athleten findet sich in den Video-Services im Internet: „Die eigentliche Revolution für E-Sport waren nicht die ersten Sponsoren oder die ersten großen Live-Events, sondern Video-Streaming über Anbieter wie Twitch.tv “, meint Sean Plott. „Profispielern reicht es heute, pro Woche 20 Stunden ihrer Spiele live über diese Services zu übertragen – allein an den Einnahmen der eingeblendeten Werbung verdienen Topspieler genug, um sich und ihre Familien komfortabel zu finanzieren.“

Das stetig steigende Interesse eines immer größer werdenden Publikums ruft seit geraumer Zeit auch Unternehmen auf den Plan, die in der E-Sport-Szene gute Marketingmöglichkeiten wittern. Bis vor kurzem waren das wenig überraschend natürlich vor allem Firmen aus E-Sportnahen Bereichen: Hersteller von Computerhardware, Software- und Spielefirmen, Telekomunternehmen. Kein Wunder also, dass in den Titeln großer E-Sport-Turniere oft Firmennamen wie Intel, ASUS oder Sony Ericsson auftauchen.

Nun steigt mit Red Bull jedoch ein wahrer Gigant des Sponsorings in den E-Sport-Sektor ein. Die meisten E-Sport-Insider sehen darin eine Riesenchance, hat der Energydrink-Hersteller doch schon andere Randsportarten wie Wellenreiten und Skateboarding durch das Gewicht seiner Marketingmaschine in den Mainstream gezogen. Ähnliches könnte damit auch der E-Sport-Szene bevorstehen.

Noch einen Schritt weiter ist man bereits jetzt in Südkorea: In der E-Sport-Nation Nummer 1 übernehmen große Telekomunternehmen und auch das Militär gleich die komplette Finanzierung mehrköpfiger E-Sport-Teams.

Trainingslager

Die Atmosphäre in den sogenannten „Team-Houses“, in denen die Teamspieler meist im Dutzend untergebracht sind, gleicht einer Mischung aus Jugendherberge und Trainingslager: Tagsüber wird bis zu zehn Stunden unter der Leitung von Trainern und Coaches gespielt. Nachts schläft man im Mehrbettzimmer. Um Küche, Wäsche und Einkauf brauchen sich die Teammitglieder nicht zu kümmern, das übernehmen Haushälterinnen. Sogar Physiotherapeuten und Fitnesstrainer gehören in einigen Häusern zum Komplettservice.

Letzteres liefert wohl auch eine Erklärung dafür, warum der Großteil der E-Sportler so gar nicht dem Klischee des übergewichtigen Computer-Nerds entsprechen will.

Dass man auch jenseits der 30er-Marke noch im ansonsten so jugendbetonten E-Sport-Sektor Erfolge erzielen kann, zeigt der eingangs erwähnte Ukrainer Aleksey Krupnyk, besser bekannt unter seinem Gamer-Tag „White-Ra“. Er gilt, trotz seines für E-Sportler geradezu biblischen Alters von 31 Jahren, als einer der besten Starcraft-2-Spieler überhaupt.

Das große Geld bleibt im E-Sport einigen wenigen Top-Playern vorbehalten. Selbst bekannte und erfolgreiche Starcraft-2-Spieler kommen über ein Jahreseinkommen von 30.000 Dollar nur selten hinaus.

Des Geldes wegen steigen ohnehin nur die wenigsten Spieler ins Profi-Business ein. „E-Sport kann man in dieser Beziehung gut mit einer Karriere als Schauspieler oder Comedian vergleichen: Nur wer das wirklich machen will, versucht es – auch dann, wenn die Bezahlung eher schlecht ist“, weiß Ex-Profi Sean Plott. „Den meisten reicht es, wenn sie genug verdienen, um das zu tun, was ihre Leidenschaft ist. Für den einen ist das Schauspielerei, für einen anderen eben Starcraft.“

Vom Amateur zum Profi

Anders als beim Schauspiel, wo Akteure im Showbiz primär auf sich selbst vertrauen müssen, hat die E-Sport-Szene ein Netzwerk, das dem konventioneller Sportarten nicht unähnlich ist. In Österreich gibt es heute 40 eingetragene E-Sport-Vereine, die im „eSport Verband Österreich“ ( esvoe.at ) organisiert sind.

Die E-Sport-Begeisterung ist hierzulande beachtlich. „Rund 15.000 Spieler nehmen in Österreich regelmäßig an E-Sport-Events teil“, so Stefan Baloh, Vorsitzender des E-Sport-Verbands. Und das, obwohl große Veranstaltungen bei uns noch Seltenheitswert haben.

Die besten Chancen haben angehende E-Sportler, indem sie einem dieser Vereine beitreten. „Wer bei Turnieren oder Online-Ligen durch gute Platzierungen auf sich aufmerksam macht, kann von Profiteams unter Vertrag genommen werden“, weiß Stefan Baloh.

Wer’s mit E-Sport wirklich ernst meint, sollte sich allerdings spätestens dann auf einen größeren Umzug vorbereiten: International renommierte Profiteams findet man in Europa fast nur in Deutschland und Schweden.

Allein auf weiter Flur

Österreichs professioneller E-Sport-Beitrag sei an dieser Stelle jedoch nicht verschwiegen: Als einziger heimischer Profi-Gamer hält sich Mario Viska allerdings mehr als wacker – beim Computerspiel FIFA (Fußball-Game) gehört er seit Jahren zu den Top 10 der Weltrangliste.

Seinen Job als Marketingleiter eines Wiener Internet-Unternehmens will Viska jedoch erst mal nicht abgeben – auch wenn er, so munkelt man hinter vorgehaltener Hand, mit den Preisgeldern aus E-Sport-Turnieren mehr verdient als in seinem Brotberuf.

Wenn Ihr Nachwuchs also das nächste Mal wieder viel zu viel Zeit mit PC-Spielen verplempert, zeigen Sie Nachsicht: Vielleicht sitzt dort ja der nächste Starcraft-2-Schlierenzauer, ein FIFA-Arnautovic oder Counterstrike-Vettel. Vom Traum von deren Traumgagen sollte man sich dann allerdings schnell verabschieden.

– Jan Fischer

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