E-Health in Österreich: Das Web 2.0 ist ein unbeackertes Feld im Gesundheitswesen

Gesundheit kostet immer mehr. Die Informationstechnologie kann sie zumindest effizienter machen. Breitband und soziale Netzwerke eröffnen ganz neue Informationskanäle.

Hypochonder lieben die Website. Spätestens mit dem Start der Grippe-Saison werden sie auch andere Benutzer in ihre Lesezeichen-Liste aufnehmen, die Google Flu Trends. Aus der Häufigkeit der einschlägigen Suchbegriffe kann der Verbreitungsgrad abgeleitet werden – kein Witz. „Während traditionelle Beobachtungsstellen mindestens ein paar Tage für die Veröffentlichung ihrer Daten brauchen, messen wir in Echtzeit“, sagt Google-Entwickler Matt Mohebbi. „Unsere Zahlen haben mit denen von der Gesundheitsbehörde stets korreliert.“ Flu Trends ist ein gutes Beispiel für intelligenten Technologie-Einsatz im Gesundheitsbereich: ein Internetanschluss, eine statistisch aussagekräftige Anzahl von Nutzern, und fertig ist ein brauchbares Prognosewerkzeug, das nichts kostet.

Gesundheitssystem im Check
So günstig geht es in der Gesundheitsbranche aber selten zu, vor allem nicht hier in Österreich. Vor wenigen Wochen wurde der Euro Health Consumer Index (EHCI) für 2009 präsentiert. Hier werden 33 europäische Länder einem Komplett-Check unterzogen. In die Wertung einbezogen werden Patientenrecht, e-Health, Wartezeiten, Angebot und Reichweite der Behandlungsmethoden und der Zugang zu Medikamenten – 38 Indikatoren in sechs Bereichen. Österreich belegt den 4. Platz. Das ist gut, aber zu Spitzenergebnissen hat es seit 2007 nicht mehr gereicht „Sehr gute medizinische Resultate und ein exzellenter Zugang zum Gesundheitswesen“, hebt Arne Björnberg, Direktor der Expertenkommission, hervor. Österreich führt bei der Überlebensrate nach Krebs. Was uns schon 2008 fehlte, sind die nötigen Punkte im Bereich e-Health. Bei der elektronischen Vernetzung sind die Portugiesen Spitze. „Warum gibt es in Österreich keinen Anbieterkatalog, um die Österreicher über die beste Qualität zu informieren? Dies fehlt vielleicht, um Österreich wieder zurück an die Spitze zu bringen“, urteilt Björnberg. Qualität hat ihren Preis, vor allem in der Medizin. Österreich gibt mit 3.763 Dollar pro Kopf mehr für das Gesundheitssystem aus als der OECD-Schnitt (2.984 Dollar). Eine Zahl, die allein durch die steigende Überalterung der Gesellschaft kaum zu senken sein wird. Wenn die Kosten schon nicht zu drücken sind, so können sie durch intelligente Umverteilung und IT-Unterstützung zumindest besser eingesetzt werden. Die Idee: Standarddienste und Verwaltung soweit wie möglich automatisieren und dafür mehr Geld in die Patientenbetreuung stecken. Klingt leichter, als es ist.

Aufsehenerregende Einzelprojekte
In Österreich gibt es zahlreiche Initiativen und Pilotprojekte, die wiederholt auch im Ausland Aufsehen erregten. Meist sind sie aber auf einzelne Dienstleister, Krankenhausverbünde oder Pflegedienste beschränkt. Die Volkshilfe Steiermark probiert in der Hauspflege heute schon ein Videotelefon aus. Eine Telekom-Datenleitung, ein TV-Gerät und Software reichen aus, um eine Live-Schaltung zum Patienten zu bekommen. Im Geriatrischen Gesundheitszentrum Graz werden desorientierte Patienten mit einem Funkarmband ausgestattet, das Alarm schlägt, wenn sie das Gelände verlassen. Der Arbeiter-Samariter-Bund testet das Einsammeln von Blutzucker- und Blutdruckdaten via SMS. Die Elisabethinen in Linz haben sicher eines der modernsten Patienteninformationssysteme des Landes aufgebaut. Sozialversicherungsnummer und Passwort genügen, um Einblick in die eigene Krankenakte und Informationen zu den nächsten Therapieschritten zu bekommen. Gottfried Dietzel, e-Health-Berater und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitstelematik, warnte auf der Telekom-Austria-Gesundheits-Enquete davor, sich zu sehr in einer Technologiedebatte zu ergehen. Bei einer market-Studie im Frühjahr gaben zwar stolze 80 Prozent der 50- bis 70-Jährigen an, dass Technologieeinsatz ihre Lebensqualität im Alter erhöhe. Aber, so Dietzel: „Im Zentrum muss der Mensch stehen, sonst kann es leicht passieren, dass das Produkt aus Angst oder Kostengründen abgelehnt wird.“ Für den Patienten wird der Nutzen erst über die einzelnen Projekte sichtbar. „Letztendlich profitieren aber alle, der Doktor, der Patient und das System. Deswegen ist auch des Aufbau einer gemeinsamen Infrastruktur so wichtig.“

Die große Klammer fehlt
Genau das ist in Österreich aber anscheinend besonders schwierig. Mammutprojekte dauern ewig und mindestens mehrere Legislaturperioden. Nach der Einführung der E-Card wurde die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) geplant – das war 2006, noch unter Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. Einer des ersten Projektschritte war die E-Medikation, die einen Medikamentenabgleich ermöglichen soll. Zum einen werden Wechselwirkungen abgestimmt und Mehrfachverschreibungen vermieden. Im digitalen Akt sollten dann auch gleich Röntgenbefunde und Ähnliches drinstecken. Der Hauptverband hat das Projekt vor wenigen Wochen wieder zurück an den Start geschickt, die Fachverbände aus der Wirtschaft kritisierten „ein fehlendes Dachmanagement mit den notwendigen Kompetenzen“. Vor 2011 ist mit einer flächendeckenden Verbreitung kaum zu rechnen. Wahrscheinlich dauert es noch länger, bis der digitale Patient wie beim Online-Banking sicheren und umfassenden Zugang zu seinen Informationen hat. Durch die Wirtschaftskrise steigen die Ausgaben im Gesundheitssystem weiter an, und der aktuelle Gesundheitsminister Alois Stöger kündigte beim Europäischen Gesundheitsforum in Gastein Anfang Oktober erstmal eine zusätzliche Finanzspritze von 600 Millionen Euro für das heimische Gesundheitssystem an.

Gesundheit 2.0
Dass es nicht immer Millionen braucht, um Probleme zu lösen, zeigen die sozialen Netzwerke. Fortschrittliche Gesundheitsbehörden haben das längst entdeckt. So sind die schwedischen Krankenhäuser schon richtig 2.0. Österreich und Frankreich sind die Schlusslichter. Weniger als ein Prozent der Krankenhäuser arbeitete mit diesen Werkzeugen. Der Holländer Lucien Engelen hat zu diesem Thema 2.800 Krankenanstalten gecheckt: „Die traditionelle Medizin steht unter Druck. Finanziell und durch diese neuen Prozesse. Die Patienten werden immer stärker verlangen, Teil ihrer eigenen Healthcare zu werden.“ Die amerikanischen Seuchenkontrollstellen nutzen YouTube und Twitter, um über die Schweinegrippe aufzuklären. „So erreichen wir die Leute überall, die brauchen nicht zu uns kommen“, sagt Janice Nall von den Centers for Disease Control. Für die Schweinegrippe hat sich auch Microsoft etwas einfallen lassen. Über die H1N1-Response-Center-Website können sich die User einem Selbstcheck unterziehen. „Wenn die Berechnungen stimmen, werden die Hausärzte in den nächsten Wochen von zwei Gruppen von Leuten überrannt. Von denen, die H1N1 haben, und von denen, die glauben, es zu haben“, sagt Angela Gardner vom Verband des Notfallmediziner. Wenn von der zweiten Gruppe welche vom Arztbesuch abgehalten werden, hat das einen gewaltigen Effekt. Internetsurfen kann die Gesundheit fördern.

Barbara Mayerl

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