E-Commerce: Humanic marschiert in Richtung einheitliches Einkaufserlebnis

Mit einem top gestylten Webshop geht Humanic online auf Kundenfang. Was dahinter steckt, ist eine ganzheitliche Multi-Channel-Strategie.

It’s an addiction. Die Werbelinie von Humanic kokettiert mit dem Suchtpotenzial exklusiver Fußbekleidung. Seit drei Monaten dealt die heimische Schuhhandelskette, die Filialen in neun Ländern betreibt, auch im Internet. Auf shoemanic.com können Tausende ­Modelle online erstanden werden.

Konsistenz an erster Stelle
Bei der Umsetzung des E-Shops legte man besonderen Wert auf eine nahtlose Verschränkung der Verkaufskanäle. Die zen­trale Datenhaltung über ein Produktinformationsmanagement (PIM) gewährleistet, dass Werbekampagnen, Rabattaktionen und Mode­specials länderübergreifend online und offline konsistent und strategisch ab­gestimmt durchgeführt werden. Ziel ist ein einheitliches Shopping-Erlebnis in E-Shop und Filialen. Dazu Peter Horvath, Vorstand der Humanic-Mutter Leder & Schuh AG: „Es geht um ganzheitliche Kommunikation. Wir haben versucht, ein kundenorientiertes Konzept umzusetzen, bei dem die Menschen über alle Kanäle und in ­allen Ländern im gleichen Stil angesprochen werden.“

Londoner Design, integrierte Lösung
Ein Ansatz, den sich Humanic einiges kosten ließ. Mit Konzeption und Design des Auftritts wurden zwei namhafte Londoner Agenturen beauftragt. Bei der E-Shop-Software setzte man auf hybris, einen führenden Hersteller von E-Commerce-Plattformen. Für die technische Integration sorgte der Grazer E-Business-Spezialist Netconomy. Die Lösung regelt den gesamten Internetauftritt, den Humanic mit dem integrierten Content Management System selbst pflegt. Das beinhaltet die Organisation sämtlicher Produktdaten und Marketinginhalte sowie die automatische Einbindung weiterer elektronischer Geschäftsprozesse. Dazu Netconomy-GF Martin Barzauner: „hybris ist eine sehr offene, auf Java basierende Lösung. Die Plattform ist an das SAP-System von Humanic angebunden. Logis­tik, Qualitätsprüfung und das Bezahlsystem sind ebenfalls integriert.“

Passende Accessoires angeboten
Speziell für Humanic entwickelte Zusatzfunktionen sollen das Einkaufserlebnis noch attraktiver machen. So werden zum Beispiel automatisch passende Accessoires und Taschen zum gewählten Schuh (und umgekehrt) sowie passende Pflegeprodukte vorgeschlagen. Regelmäßige Promotions und der Shoemanic Style Blog, auf dem die Kunden Kommentare posten können, informieren über aktuelle Trends und Neuheiten. Und mit der Funktion „Freunden weiter­sagen“ können die neuesten Designer-High-Heels der besten Freundin per Mail weiterempfohlen werden. So soll der sozio­kulturelle Aspekt des Shoppings in die Online-Welt übertragen werden.

E-Shop bringt Umwegrentabilität
Die zusätzliche Vertriebsschiene soll nicht nur Umsatz bringen, sondern vor allem auch zur Markenstärkung beitragen. Horvath: „Keinen Webshop zu haben, kann man sich als Handelskette heute nicht mehr leisten.“ Umsatzziele hat sich Horvath keine gesetzt, aber er geht davon aus, dass der Webshop allein schon durch die Online-Umsätze „in kurzer Zeit kostendeckend“ ist. Die Umwegrentabilität bei Marketing und Kundenbindung ist dabei noch gar nicht eingerechnet. Denn viele Kunden schmökern zuerst im Online-Shop und kaufen dann im Geschäft. „Kunden, die über mehrere Kanäle einkaufen können, haben erwiesenermaßen eine höhere Treue“, weiß Gerald Lanzerits, GF von ­hybris Österreich.

Kleines E-Commerce-Land
Im internationalen Vergleich hinkt Österreich in Sachen E-Commerce hinterher. Laut Wirtschaftskammer macht der heimische Handel nur eineinhalb Prozent seines Umsatzes online. Eine Studie der KMU-Forschung Österreich aus dem Vorjahr beziffert die Webumsätze mit rund 1,5 Milliarden Euro. Die fließen aber mehrheitlich an ausländische Anbieter à la Amazon. Vor allem kleinere Handelsbetriebe sehen im Online-Geschäft noch immer eine Bedrohung und nicht das Potenzial als wertvolle Ergänzung zum stationären Geschäft. Viele E-Shop-Projekte scheitern auch an der mangelnden strategischen und technischen Integration. Ein Generationsproblem, glaubt Iris Thalbauer, E-Business-Expertin der WKO-Bundessparte Handel, das sich aber in den nächsten Jahren auflösen werde. „Bei den inhabergeführten KMUs hat ein Generationswechsel begonnen. Jetzt kommt die Internetgeneration ans Ruder.“

Online-Kauf in der Schuhfiliale
Die Entwicklung Richtung E-Commerce ist auch auf Kundenseite nicht aufzuhalten, glaubt Lanzerits: „Während der stationäre Handel stagniert, steigt die Kurve bei Online progressiv, weil die Zahl der Konsumenten, die mit dem Internet groß geworden sind, jährlich schneller wächst.“ Bei Humanic sind weitere, vertiefende Schritte in Sachen Multi-Channel-Strategie bereits in Planung. Eine übers Web ge­kaufte Ware im Geschäft zurückzugeben oder umzutauschen ist schon jetzt möglich. „In Zukunft soll es auch umgekehrt gehen“, verrät Horvath. Wer den Wunschschuh in einer Filiale nicht in seiner Größe oder ­Farbe findet, kann ihn sich gleich vor Ort online kaufen. Entsprechende Terminals werden gerade getestet.

Von Alexander Hackl

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
#urlaub #internet #reise
 

Internet

Urlaub in letzter Sekunde

Warum Apple 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer ausgegeben hat, die man nicht braucht - und warum sich der Beats-Deal für den Konzern trotzdem lohnt.
#beats apple
 

Börse International

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Das Auto soll mit Elektromotor ausgestattet werden und
#Google #Elektroauto
 

Innovation

Google baut selbstfahrende Autos ohne Lenkrad