Drucker-Hersteller unter Druck: Neue Dienstleistungen sollen Geschäft beleben

Drucker sind das heimliche Zentrum eines Büros. Für Hersteller lohnt sich das klassische Geschäft mit der Hardware immer weniger. Mit neuen Dienstleistungen und Angeboten wollen sie „weg vom Drucker“.

Er riecht schlecht, macht in seiner Unförmigkeit schlechte Figur und wird im Besenkammerl abgestellt. Geschunden wird er bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Der Drucker ist das Stiefkind in der Firma. Aber ohne ihn läuft gar nichts.

Das papierlose Büro war noch nie utopischer als heute, der Markt ist in den vergangenen Jahren doch unter Druck gekommen. Preisverfall stellte etablierte Geschäftsmodelle auf den Prüfstand, und ein geänderter Technologie-Lebensstil macht in einigen Arbeitsbereichen sogar weniger Ausdrucke notwendig. „Wir bewegen viele Dokumente heute von Bildschirm zu Bildschirm“, sagt Gartner-Analystin Amy Hickson. Die Konsequenz: „Das traditionelle Geschäftsmodell löst sich auf.“ HP-Manager Francois Martin kennt das Problem: „Schöner, schneller und billiger. Darüber hat sich die Branche jahrzehntelang definiert. Das Ende dieser Entwicklung war absehbar.“ Er ist froh darüber.

Große Anbieter wie Canon, HP, Xerox und Ricoh stiegen ins Lösungsgeschäft ein und mutierten von Druckerherstellern zu IT-Beratern. Sie versuchen, mit eigenen Programmen oder strategischen Zukäufen ihr Know-how bei Prozessabläufen zu optimieren. Mit der ausgelagerten Betreuung der Druckerflotte (Managed Print Services) bis hin zu tiefer in den Arbeitsablauf eingreifender Programmsoftware versuchen diese Anbieter zu punkten.

Firmen wie Ricoh versprechen ihren Kunden bis zu 30 Prozent niedrigere Druckkosten, der Kunde zahlt pro Seite und ist alle Sorgen los. Ein lohnendes Geschäft, selbst in einem überschaubaren Markt wie Österreich. Robert Absenger von Datentechnik berät Mittelstandsfirmen in IT-Belangen: „Wenige Kunden können ihre Druckkosten korrekt beziffern.“ Websites wie druckerkosten.de oder allestoner.at gehören nicht zu ihren Browser-Bookmarks.

HP versucht Architekten und Designern die neue Großformat-Reihe mit Internetanschluss schmackhaft zu machen. Martin erklärt das Prinzip: „Wir kümmern uns nicht mehr um den Ausdruck. Wir schauen, dass der Content dort ist, wo er gebraucht wird. Auf der Baustelle, im Büro und in den Filialen.“

Der Drucker soll ein Informationsdrehkreuz und nicht mehr nur Peripherie sein. Bei HP bekommt er dann eine eigene E-Mail-Adresse und kann Ausdrucke aus aller Welt und von allen dafür berechtigten Geräten empfangen und weiterleiten. Mit Web-Diensten und Drucker-Apps versuchen die Hersteller so auch die Generation Smartphone und BlackBerry-Manager abzuholen.

Haben Drucker Direktzugang zum Internet, werden sie unter Umständen auch zur Achillesferse, zum Einfallstor für unbefugte Dritte. Drucker müssen im Sicherheitskonzept einer Firma abgebildet sein, und das nicht nur, wenn sie den Füllstand der Tonerkartusche via SMS an den Hersteller melden.

Grünes Gewissen

In der IT-Branche appelliert niemand stärker an die grüne Gewissen der Kunden als die Druckerhersteller. „Think before you print“ gehört heute zum guten Ton einer E-Mail-Signatur. Die ganze Industrie versucht mehr oder weniger glaubwürdig, die CO2-Bilanz entlang der Druck-Wertschöpfungskette zu verbessern. Das beginnt bei innovativen Trockenverfahren in der Papierfabrik und endet damit, dass der Abteilungsdrucker Druckaufträge selbsttätig storniert, wenn sie nicht in einem bestimmten Zeitraum „abgeholt“ werden.

Wer tatsächlich grün produziert und wer sich einfach das grüne Marketing-Mascherl umgehängt hat, ist für Verbraucher schwer zu durchschauen. Ein CO2-Rechner auf der Firmenwebsite ist zu wenig. Greenpeace führt kein gesondertes Umweltranking für Druckerhersteller, und ein einheitliches Zertifizierungsverfahren fehlt. Öko-Pickerln hat heute jeder Hersteller. Oki-Österreich-Chef Karl Hawlik kennt die Problematik: „Für die Kunden ist es schwierig, diese Labels zu bewerten. Viele internationale Zertifikate sind in Österreich gar nicht bekannt, weil sie regional etabliert sind.“

Sensibilisiert für die Umwelt sind die Kunden wohl, richtig interessiert werden sie, wenn damit auch eine Ersparnis winkt. Christian Wernhart von der Firma Emstar sammelt jedes Jahr 700 Tonnen Kartuschen in Österreich ein und liefert sie wiederbefüllt an Kunden wie Generali oder Gemeinde Wien zurück oder entsorgt den Rest fachgerecht. Wernhart kennt den Preisdruck und die Tricks der Hersteller: „Wer einen Farblaserdrucker um 80 Euro verkauft, muss anderswo sparen.“ Die Hersteller behelfen sich damit, die Starter-Kits immer weniger zu befüllen, damit der Kunde möglichst rasch nachkaufen muss.

Sehr kreativ sind die Druckerhersteller in den Labors. Dass sich Tapeten, Türen und Tassen bedrucken lassen, ist der Entwicklung neuer Tinten geschuldet. Bei Großformat-Druck kann dank neuen Füllstoffen wie Latextinte ein Gerät sowohl wetterfeste Textilien bedrucken wie auch Seide.

Drucker in 3D

Nicht erst seit der britische „Economist“ das Thema auf das Cover gehoben hat, ist das dreidimensionale Drucken Gesprächsthema für interessierte Technik-Laien. Das Prinzip ist simpel: Ein Programm errechnet die räumlichen Koordinaten eines Objekts, und der Drucker produziert es in 3D. Statt mit Tonerpulver ist der Drucker mit speziellen Kunststoffen gefüllt, die dann, in Schichten aufeinandergelegt, den Ausdruck greifbar machen. Was bislang nur in der industriellen Vorproduktion, als Rapid Prototyping, angewandt wurde, geht jetzt in den Massenmarkt. Ersatzteile für Medizin oder Flugzeugbau werden schon bedarfsgerecht produziert. Die holländische Designerin Marloes ten Bhömer macht das mit ihren spektakulären Laminat-Schuhen. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt, steht der Schuhproduktion im eigenen Wohnzimmer schon heute nichts entgegen.

– Barbara Mayerl

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
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