Die jajah-Erfolgsstory : Zwei Österreicher machen in Silicon Valley von sich reden

Roman Scharf und Daniel Mattes bauten in den USA ihr Start-up und verkauften es nun um 145 Millionen Euro. Die außergewöhnliche Geschichte im Zeitraffer.

145 Millionen Euro sind ein Weihnachtsgeschenk, das sich sehen lassen kann. Roman Scharf und Daniel Mattes verkauften Ende 2009 ihre Internet-Telefonie-Firma jajah an den spanischen Telekom-Konzern Telefónica – ein beachtliches Finale für eine Erfolgsgeschichte, die in Österreich startete.
Im Herbst 2005 war der wichtigste ­Silicon-Valley-Finanzierer Sequoia Capital auf ihre Idee – ein besseres Skype zu machen – aufmerksam geworden. Die Firma, die schon Google und Apple auf die Beine geholfen hatte, investierte erstmals in ein europäisches Start-up. Eine ­Übersiedlung an die Westküste war denn auch Bedingung für die ersten zwei Millionen Dollar. Fast noch mehr wog der Stempel „finanziert von Sequoia“, erinnert sich Roman Scharf. „Damit kann man zur nächsten Bank gehen und bekommt ungeschaut das Zehnfache als Darlehen.“ Scharf und Mattes hatten zum Start auch einen deutschen bzw. europäischen Investor an der Hand. Die Kontakte ins Valley waren vielversprechender. Mattes: „Sequoia war in den frühen Tagen wertvoller Tippgeber in der Produktgestaltung und bei den Funk­tionen.“ Zu Erinnerung: Die YouTube-Gründer hatten sich einst in der Produkt­entwicklung verrannt. Unter Sequoia konzentrierte man sich auf die Funktion des Einbettens von Videos in Websites, und etablierte einen Industriestandard.

Jobs findet Österreich-Duo cool
Den jajah-Gründern raunte im Frühjahr 2006 selbst Steve Jobs beim Abendessen verschwörerisch ins Ohr: „Ihr seid das Gesprächsthema Nr. 1 im Valley.“ Zu dem Zeitpunkt war Scharf von London bis Tokio unterwegs, um das Produkt bei Presse und Partnern zu vermarkten. Und Mattes trieb als technisches Mastermind mit den besten Ingenieuren in Israel, Wien und dem Valley die Produktentwicklung weiter. jajah bot bessere Sprachqualität als Skype, funktionierte ohne Software-Download und Headset und konnte vor Skype die Kunden am Handy und später iPhone bedienen. Von jajah-Kunde zu Kunde waren die Gespräche kostenlos, für Anrufe von bzw. in die weltweiten Telefonnetze wurden geringe Gebühren verrechnet. Scharf: „Mit 25 Millionen Kunden wurden wir von den großen Telcos dann schon ernst genommen. Das brachte uns im Großhandel, beim Einkauf von Telefon­minuten, gute Konditionen.“

David gegen Goliath
Dass es jajah mit Skype weder markentechnisch noch in der Verbreitung aufnehmen konnte, ist für die Gründer rückblickend ein kleiner Wermutstropfen. In der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit konnten selbst Deals wie der mit Yahoo nicht wirklich etwas daran ändern. jajah wickelte als externer Dienstleister die Messaging- und Telefonie-Dienste für Yahoo-Kunden ab. Mit einem Schlag auf 97 Millionen potenzielle neue Kunden ­zugehen zu können war verheißungsvoll. Und dazu nutzten eine Reihe kleinerer ­Internet-Telefonie-Anbieter die jajah-­Plattform. Wenn Dritte den eigenen Service als technische Basis nehmen, adelt das einen leidenschaftlichen Techniker wie Mattes besonders. Im Frühsommer 2007 waren noch die Deutsche Telekom und Intel mit weiteren 20 Millionen Dollar bei jajah eingestiegen. Auf einem Superchip von Intel sollte eine jajah-Funktion ab Werk eingebaut sein, künftige Notebooks Telefonie-fertig aus­geliefert werden. Über 150 Leute auf drei Kontinenten standen auf der Payroll, und das Tagesgeschäft führte nun der ehemalige Vice President des Internet-Bezahldienstes Paypal, Trevor Healy. Scharf und Mattes machten sich ab 2008 Gedanken über einen möglichen Börsengang. Scharf: „Wir hatten uns von der Gründer-Rolle emanzipiert. Aus dem Start-up war eine Company geworden. Das Kind hatte laufen gelernt.“

Neustart nach kollektiver Depression
Nach dem Lehrman-Desaster war plötzlich alles anders. Sequoia-Chefstratege Michael Moritz holte alle Port­folio-Firmen an den Tisch und verkündete: „Es gibt auf absehbare Zeit kein VC-Geld mehr. Break-even oder sterben.“ Mattes erinnert sich an die Todesstille im Valley damals. „Sequoia ist der Leitbetrieb dort. Die Stimmung kippte kollektiv in die Depression. Es gab Gründer, die ihre Firmen auf eine Person schrumpften und versuchten die Zeit zu durchtauchen.“ Den Break-even hatte jajah im März 2009 geschafft, und dann begann eine monatelange Tour de force bei möglichen Käufern. Im Dezember schnappte sich die spanische Telefónica die jajah-Plattform mit 25 Millionen Kunden, um Skype und im internationalen Calling-Card-Markt anzugreifen. Das Power-Duo ist im Guten aus­einandergegangen. Scharf probiert es mit seinem Internet-Portal für Kreative ­talenthouse.com ein zweites Mal, und Mattes will noch einmal etwas wirklich Revolutionäres starten („disruptive“ heißt das in Valley-Sprech). Er sondiert Projekte. Wer es einmal geschafft hat, will einfach wissen, ob das noch einmal geht. Mattes’ Tipp an Gründer: „Ein zweites ­Facebook zu erfinden ist so realistisch wie ein Lotto­sechser. Denkt wie Unternehmer, und überlegt, wie man Geld verdient.“

Barbara Mayerl, Arndt Müller

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