Die Windows-Phone-Software ist nicht mehr wiedzuerkennen

Microsoft versucht, mit dem Betriebssystem Windows Phone 7 wieder am Mobilfunkmarkt Fuß zu fassen. Erste Handymodelle gibt es ab 21. Oktober.

Sie haben eine Runde ausgesetzt, mindestens. Eine kleine Ewigkeit – fast zwei Jahre – war Microsoft am Mobilfunkmarkt nicht präsent. Die Herrscher über den Bürorechner hatten keine adäquate Antwort auf die „To go“-Gesellschaft. Keine fünf Prozent der weltweit ausgelieferten Handys wurden zuletzt mit Windows-Betriebssystem bestückt. Selbst die einst Microsoft-treuesten Handy-Bauer wie HTC fertigten lieber für andere. Apple erkämpfte sich in der Zeit mit einem einzelnen Gerät (!) 15 Prozent Marktanteil für sein Betriebssystem, Google Android und BlackBerry liegen mit je 17 Prozent gleichauf, und Nokia stagniert auf hohem Niveau mit 40 Prozent. Das sind die Verkaufszahlen aus dem August.

Gartner-Analystin Carolina Milanesi hatte gegenüber FORMAT bereits Ende 2009 keine Illusion aufkommen lassen, wie es um Microsoft steht: „Wenn sie sich jetzt nichts einfallen lassen, sind sie weg vom Fenster.“ Microsoft-CEO Steve Ballmer hat das oft gehört. Er wagte den Neustart und holte sich eine junge, frische Spitzenkraft aus den eigenen Reihen, die den mobilen Lebensstil glaubwürdiger verkaufen kann als er selbst. Der Deutsche Achim Berg, 46, ist Ballmers Joker und hat viele Jahre für die Deutsche Telekom gearbeitet und sich als Chef der deutschen Microsoft-Dependance seine Meriten verdient.

Am 11. Oktober präsentierten Ballmer und Berg erstmals das mobile Betriebssystem Windows Phone 7 (WP7) – und machten klar, dass sie der Konkurrenz das Feld nicht kampflos zu überlassen gedenken. Die Katharsis war tiefgehend.

Wer Smartphones mit Windows-Software verwendet hat, wird sie nicht mehr wiedererkennen. Die Entwickler haben sich redlich bemüht, eine tolle Oberfläche für das App- und Tap-Zeitalter zu bauen. Der Input von 50.000 Anwendern floss ein, und Microsoft hat noch nie so viele Benutzerfreundlichkeits-Checks („Usability“) gemacht wie mit WP7.

Berg beteuerte bei der Präsentation: „Kein Microsoft-Betriebssystem wurde mehr geprüft und besser getestet.“ Die Pilotkunden hatten bislang wenig zu beanstanden. WP7 ist schnell, durchdacht und – tatsächlich – benutzerfreundlich. In der ersten Version werden noch nicht alle Funktionen unterstützt (Beispiel: Copy & Paste), die Intensivnutzer schon gerne hätten. Berg versprach dazu laufende automatische Updates.

Was haben die Microsofties gemacht?

Sie haben sich die besten Zutaten aus allen Küchen geholt und neu gemischt. Die einzelnen Programme werden über sogenannte Hubs auf dem Display zusammengefasst: Soziale Kontakte, Mails, Spiele etc. laufen hier zusammen. Und wenn sich in den elektronischen Postfächern des Benutzers etwas tut, werden die Nachrichten und Statusmeldungen automatisch auf das Display geschickt. Das Push-Prinzip ist durch Black- Berry bestens eingeführt.

Bei Apple hat sich Microsoft abgeschaut, dass strikte Vorgaben an die Handybauer nötig sind, um einen einheitlichen Qualitätslevel zustande zu bringen. Microsoft will nicht so strikt-dogmatisch agieren wie Apple in seinem abgeschlossenen System, aber auch keine Schleißigkeiten einreißen lassen, wie sie beim „offeneren“ Google-Android-System passieren. Microsoft gibt den Handyherstellern die technische Grundausstattung vor, sonst kommt das Betriebssystem nicht zum Tragen: Unter einer 5-Megapixel-Kamera, GPS-Empfänger sowie 8 GB Flash-Speicher und 256 RAM Arbeitsspeicher läuft erst einmal nichts.

Da Telefonie ein Schauplatz unter vielen ist, war der Ausbau der Entertainment-Schiene nur konsequent. Im Gaming steckt das Geld. Konsequenterweise wurde WP7 eng an die eigene Konsolenplattform Xbox herangeführt.

Apps als Geschäftsmodell stehen auch bei Microsoft auf der Agenda. Berg sagt: „Es gibt 500.000 Apps, aber weniger als 1.500 werden tatsächlich genutzt.“ Microsoft will seinen AppStore eher handverlesen, dafür aber richtig gut machen. Ob hier aus der Not (noch zu wenig App-Entwickler) eine Tugend gemacht wird?

Ein Credo, das über allen WP7-Bestrebungen steht, ist wohl „Weniger ist mehr“. Nach diesem Muster ist auch die Gerüchten zufolge 500 Millionen Dollar schwere Marketingkampagne gestrickt. Die Botschaft: Ein Windows-Handy stiehlt nicht die Zeit mit sinnlosen Apps, sondern organisiert das Leben so perfekt, dass Zeit übrig bleibt für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Gartner-Analystin Milanesi ist aber noch skeptisch. „Marketing und die tatkräftige Unterstützung der Mobilfunker werden sicher helfen“, sagt sie, „aber ob das reicht, die Menschen wirklich zu Windows Phone 7 zu bekehren“, wird sich erst weisen.

– Barbara Mayerl

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