Die digitalen Herrscher von Hollywood: Ohne Autodesk bleibt die Kinoleinwand schwarz

Die kalifornische Firma Autodesk hat sich zum Herrn über Hollywoods digitale Spezialeffekte aufgeschwungen.

Als im Jahr 1982 die frisch gegründete Firma Autodesk ein Programm für technische Zeichnungen auf den Markt brachte, hätte wohl niemand im Traum daran gedacht, dass dieses unscheinbare Unternehmen 25 Jahre später zu den großen Namen in Hollywood gehören würde. In Blockbustern wie „Avatar“ oder „Transformers“ macht Autodesk heute hoch bezahlten Stars Konkurrenz: Die eigentlichen Hauptdarsteller kommen aus dem Computer, aus dem 3-D-Animationsprogramm Autodesk Maya. Für Spezialeffekte ist Maya der Werkzeugkoffer schlechthin.

Software erstellt komplette Filmsets

„Maya ist aus aktuellen Filmproduktionen nicht mehr wegzudenken“, berichtet Frank Petzold, der solche Spezialeffekte für Film und Werbung kreiert ( siehe Interview ) . Die Software erlaubt es, Objekte, Personen und ganze Filmsets am Computer nachzubilden. Selbst Effekte wie Explosio­nen lassen sich mit dem Programm errechnen: Physikalisch korrekt simuliert Maya alles von der Manhattan zerstörenden Flutwelle bis hin zum Vulkanausbruch. Maya ist der Kulissenbauer des digitalen Filmzeitalters und virtueller Schauspieler.

In den letzten fünf Jahren wurde Autodesk mit diesem Programm zum Monopolisten für digitale Spezialeffekte. Derzeit gibt es kaum eine Filmproduktion, die nicht in einer oder mehreren Phasen über den virtuellen Arbeitsplatz eines Autodesk-Produkts wandert. Die viel gescholtene Marktdominanz von Microsoft bei Bürosoftware mutet dagegen fast harmlos an: Zu Autodesks Maya und MotionBuilder gibt es zwar Konkurrenzprodukte – die stammen jedoch allesamt von Autodesk.

Breite Software-Palette

Autodesks Hollywood-Erfolg wirkt noch erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Visual-Effects-Software gar nicht das Kerngeschäft darstellt. Das liegt nämlich nicht im glamourösen Filmbusiness, sondern im weitaus weniger glitzernden Ingenieurs- und Planungswesen. Die Palette der insgesamt über 60 Softwareprodukte reicht vom Allround-Planungstool AutoCAD bis hin zu hochspezialisierten Lösungen für Automobildesign, Verkehrsplanung oder die Spritzguss-Produktion. In fast allen dieser Bereiche ist Autodesk klarer Marktführer, dessen Mitbewerber sich meist mit einstelligen Marktanteilen zufrieden geben muss.

Shoppingtour

Die Basis für Autodesks Erfolg legten oft andere: Seit Anfang 2006 befindet sich die Firma auf großer Einkaufstour und verleibt sich ein Softwareunternehmen nach dem anderen ein. Mehr als zehn große Softwareunternehmen – und damit auch deren Produkte – wurden von Autodesk übernommen. Selbst das Flaggschiff Maya ist kein Eigenbau. Maya-Hersteller „Alias“ wurde 2006 für 197 Millionen Dollar gekauft – und mit ihm der Glanz Hollywoods. Angesichts dieser Einkaufspolitik darf es nicht verwundern, dass sich im Produktportfolio von Autodesk über die Jahre allerlei Redundanz angesammelt hat.

Dreidimensionale Hollywoodoffensive

Die 3-D-Animationsprogramme Maya, 3ds Max (Eigenentwicklung) und Soft­image (ebenfalls zugekauft) verfügen über sehr ähnliche Funktionen und unterscheiden sich nur durch ihre Bedienung. Mit gezielten Funktionserweiterungen – die jeweils nur einem der beiden Programme zuteilwerden – sollen sie jetzt klarer voneinander abgegrenzt werden: Maya soll für Filmindustrie und Animationen stehen, 3ds Max soll seinen Ruf als 3-D-Programm für Computerspiele festigen. Die Hollywood-Offensive von Autodesk hat sich jedenfalls bereits jetzt mehr als bezahlt gemacht. Zwischen 2003 und 2009 schnellte der Umsatz von knapp 800 auf 1,7 Milliarden Dollar hinauf. Die Firma ist mit 250 Millionen Gewinn sehr profitabel.

Kometenhafter Aufstieg

Zu verdanken hat Autodesk seinen kometenhaften Aufstieg nicht zuletzt Firmenboss Carl Bass, der sich seit seinem Eintritt 1993 beharrlich in den Vorstandssessel vorgearbeitet hatte. Dort angekommen, startete er 2006 mit aggressiver Einkaufspolitik, neuen Vertriebskanälen und teils stark reduzierten Lizenzkosten eine echte Marktoffensive. So schaffte er es, in nur wenigen Jahren das angestaubte Image von Autodesk gehörig aufzupolieren. Bass kennt seine Zielgruppe genau, er selbst entstammt der Welt der Ingenieure, die mit Hollywood nur wenig verbindet. „Ich sehe Autodesk als Wegbereiter. Wir stellen aber nur die Technologien zur Verfügung. Die eigentliche kreative Arbeit leisten Architekten, Designer und 3-D-Artists“, übt sich der Vorstand in Bescheidenheit.

Macht der Erfolg träge?

Autodesks dominante Position in Hollywood ist jedoch nicht ohne Kritik: Branchen-Insider bemängeln seit geraumer Zeit schleppende Innovation bei neuen Produktversionen – die jährlichen Updates bringen Neuerungen nur noch tröpfchenweise, größere Revolutionen bei den Funktionsumfängen finden kaum mehr statt. In den Augen vieler 3-D-Animationsexperten stattet Autodesk neue Versionen gerade mit so vielen neuen Funktionen aus, dass sich ein Umstieg und die Upgradekosten von rund 1.700 Dollar pro Arbeitsplatz lohnen.

Fehlendes Troubleshooting

Frust erzeugt auch, dass einige Fehler und Programm-Absonderlichkeiten bereits seit mehreren Produktgenerationen unbehandelt und unbehoben weiter von einer Version in die nächste wandern. In der Filmbranche hat man sich damit arrangiert: Softwareentwickler haben es aufgegeben, dem Goliath Autodesk mit neuen Produkten Paroli bieten zu wollen, und ergänzen nun mit eigenen Programmerweiterungen – sogenannten Plug-ins – die „fehlenden“ Funktionen von Maya. Für Animateure ist es nichts Ungewöhnliches auf ihrem Rechner neben der rund 3.500 Dollar teuren Maya-Lizenz auch noch Plug-ins für mehrere Tausend Dollar im Einsatz zu haben. So machen kleine Dritt­anbieter wenigstens auch noch etwas Geschäft neben dem Riesen Autodesk.

Auf den ersten Blick mag das natürlich teuer erscheinen. Bedenkt man jedoch, was es kostet, auch nur ein einziges physisches Modell eines Wolkenkratzers herzustellen, um es anschließend effektvoll in seine Einzelteile zu zerlegen, relativiert sich diese Investition recht schnell. Erst recht, wenn beim ersten Take nicht alles sitzt.

Jan Fischer

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
#urlaub #internet #reise
 

Internet

Urlaub in letzter Sekunde

Warum Apple 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer ausgegeben hat, die man nicht braucht - und warum sich der Beats-Deal für den Konzern trotzdem lohnt.
#beats apple
 

Börse International

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Das Auto soll mit Elektromotor ausgestattet werden und
#Google #Elektroauto
 

Innovation

Google baut selbstfahrende Autos ohne Lenkrad