Die 4.Dimension: Das iPhone 4 und das iPad sind ab Juli auch in Österreich erhältlich

Apple ist wie die katholische Kirche, sagt ein ehemaliger Apple-Topmitarbeiter. Der kleine Unterschied: Apple laufen die Gläubigen derzeit in Scharen zu. Am Donnerstag stellten sich wieder Tausende in den USA, in England, Frankreich, Japan und Deutschland vor den Läden an, um das jüngste Handy zu erstehen: das iPhone 4.

Noch nie waren für ein Apple-Gerät mehr Vorbestellungen eingegangen als für dieses. Da man mit der Produktion des 1.000-Euro-Geräts nicht mehr nachkommt, werden die Kontingente für die Netzbetreiber nun rationiert: iMangelwirtschaft.

Diktat Benutzerfreundlichkeit

Apple-Boss Steve Jobs lobte das iPhone 4 vor wenigen Wochen als „größten Entwicklungssprung seit dem ersten iPhone“. Ein innen wie außen komplett überarbeitetes Telefon besticht mit gleich zwei hochwertigen Kameras. Jobs will den Video-Chat mobil und massentauglich machen. Es ist nicht so, dass das nicht schon andere vor ihm probiert hätten. Apple wird aber genau das gelingen, was anderen verwehrt blieb. Warum? Weil sich keiner dem Diktat der Benutzerfreundlichkeit so absolut unterwirft wie diese Firma.

Ab Ende Juli wird das iPhone 4 ebenso wie das im Jänner vorgestellte iPad auch in Österreich erhältlich sein. Exakte Starttermine gibt es nicht. „Den genauen Termin kennen wir selbst noch nicht“, sagt Maria Zesch, Marketingleiterin von T-Mobile, „den erfahren wir selbst erst zwei bis drei Wochen vor Start.“ T-Mobile und Orange bleiben vorerst exklusive Vertriebspartner. Je 9.000 Kunden haben sich bei den beiden Betreibern für einen Newsletter bzw. eine Registrierung angemeldet. Zesch ist überwältigt: „Das sind dreimal so viele wie beim Vorgängermodell.“ An den Tarifen wird, auch aus Konkurrenzgründen, bis zum Schluss gefeilt. Fix ist laut Zesch aber, „dass wir die Bestandskunden bevorzugt behandeln. Sie bekommen das Gerät als Erste“. T-Mobile hat 150.000 und Orange 130.000 iPhone-Kunden. Zusammen mit den bei A1 (25.000) und 3 (10.000) eingebuchten gibt es jetzt 315.000 iPhone-Kunden in Österreich.

Ein cleverer Schachzug, der bei näherer Betrachtung seine Logik offenbart. 2009 haben Zehntausende Kunden für dieses Telefon ihren Betreiber gewechselt. Orange-Boss Michael Krammer führte gar „einen Großteil der 100.000 Neukunden“ auf das iPhone zurück. Und das waren nicht die Cent-Fuchser, die auf den nächsten Billig-Tarif warten. iPhone-Kunden sind „sehr umsatzträchtige Kunden“, sagt Zesch. Das sehen auch die Telekom-Analysten von Arthur D. Little bei ihren Erhebungen. iPhone-Nutzer bringen bis zu sieben Euro mehr Umsatz als andere Smartphone-Besitzer.

Die Marke kostet

Arthur-D.-Little-Geschäftsführer Karim Taga erklärt das Phänomen: „Die Kunden werden von einer unglaublich starken Marke angezogen.“ Dieser Brand kostet – vor allem im Einkauf. Das iPhone ist für den Netzbetreiber im Einkauf zwei- bis dreimal so teuer wie ein Konkurrenzprodukt. Die datenhungrigen iPhone-Kunden verbrauchen mehr Bandbreite als andere, dafür zahlen sie auch Premium-Tarife und bringen mit Apps zusätzliche Umsätze in die Kassen. Taga: „Dieser Apple-Effekt ist in der Mobilfunk-Historie einmalig. Noch nie hat ein einzelnes Gerät so viel bewegt“, sagt Taga. Mit der Kraft der Marke Premium-Tarife zu verkaufen ist in entwickelten Mobilfunk-Märkten ein klarer Trend, auf dem die große wie auch kleine Konkurrenz reitet: Google ebenso wie Red Bull.

Apple diktiert, der Betreiber pariert

Für die Konkurrenz, die derzeit das Nachsehen hat, mag bis zum Auslaufen dieser Exklusiv-Deals tröstlich sein, dass sie sich nicht den beinharten Knebelverträgen der Kreativen aus Kalifornien unterwerfen müssen. „Apple diktiert, der Betreiber pariert“, fasst ein Insider zusammen. „Wer sich einen Fehler erlaubt, hat Pech gehabt. Kein Vertrag. Kein Produkt“, erzählt ein anderer. In Cupertino wird entschieden, wie viele Quadratmeter im Netzbetreiber-Shop auf der Kärntner Straße für Apple zu reservieren sind und welche Vitrine zum Einsatz kommt. Maria Zesch von T-Mobile sagt nur so viel: „Unsere Kampagnen müssen wir mit dem Apple-Headquarter in den USA abstimmen.“

Das läuft beim iPad- Supercomputer nicht anders. Nachdem in zweieinhalb Monaten ab Markteinführung bereits drei Millionen Stück verkauft wurden, wird das Teil auch in Österreich ein programmierter Verkaufshit. T-Mobile hat es wie die deutsche Schwester sicher, Orange auch. 3 wohl ebenso, wenn nicht besondere Exklusivitätsverträge schlagend werden sollten. Bei 3 in England gibt es das Gerät bereits. Und bei A1 ist offiziell „noch nicht bekannt, wie die Apple-Vertriebsstrategie für Österreich aussieht“. Die Netzbetreiber werden das iPad gestützt mit Datentarifen anbieten. Wer es ohne SIM-Karte, also nur mit dem heimischen W-LAN, nutzen will, kann auch zur ungestützten Version greifen.

In Deutschland kosten die iPads zwischen 514 Euro (16 GB) und 714 Euro (64 GB). Für die UMTS-Variante muss der Kunde rund 100 Euro drauflegen, bevor er Zeitungen oder Bücher lesen und Videos anschauen kann. Wie auch beim iPod und iPhone hat sich um das Lesegerät iPad in Windeseile eine Zulieferer- und Zubehör-Industrie etabliert, die – von der lustigen App bis zur modischen iPad-Tasche – auf dem Apple-Zug mitfährt. Zumindest ein paar Österreicher konnten auch schon aufspringen.

Apple-Kenner Benjamin Miller schätzt den harten Kern der österreichischen Entwickler-Szene auf 100 Leute. Sein Blog www.benm.at ist das zentrale Nachrichtenorgan der Szene. Miller kennt die strengen Auflagen von Apple, sieht das aber positiv: „Bei Apple können sich die Kunden darauf verlassen, dass sie Qualität kaufen.“ Wer es als Entwickler schafft, sein Produkt durch die strenge Qualitätssicherung und dann in die erste Reihe zu bringen, kann mitunter gut davon leben. Der Österreicher Silvio Rizzi hat für das iPad eine Nachrichten-App (RSS Feeds) geschrieben und binnen vier Stunden 3.500 Stück verkauft – jeweils zu 3,99 Euro. In der iKirche von Apple findet eben auch die Basis ihr Auskommen.

– Barbara Mayerl

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
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