Der Sonnenkönig: Larry Ellison schnappt sich die Silicon-Valley-Legende Sun

Oracle-Gründer Larry Ellison hat in den letzten vier Jahren um 34,5 Milliarden Dollar Firmen eingekauft. Jetzt holt er sich in einem Überraschungscoup den Hightech-Titanen Sun. Eine Analyse.

Mit riskanten Manövern kennt sich Larry Ellison aus. Dieser Tage hat der Oracle-Gründer und leidenschaftliche Segler im America’s Cup die IT-Community so richtig überrascht. Der Datenbank-Gigant Oracle verkündete am vergangenen Montag, die angeschlagene Silicon-Valley-Legende Sun zu übernehmen, und bereitete monatelangen Spekulationen damit ein spektakuläres Ende.

7,4 Milliarden für Sun
IBM hatte dem Vernehmen nach sieben Milliarden Dollar geboten, aber auch auf Cisco hatten manche gesetzt. Dass Oracle mit 7,4 Milliarden siegreich vom Platz ging, dürfte wohl weniger mit dem finalen Kaufpreis zusammenhängen als mit strategischen Überlegungen und historischen Verbindungen, die der exzentrische wie ­geniale Oracle-Gründer zu Sun pflegte. Die Freundschaft mit Sun-Mitgründer Scott McNealy währt lange, denn mit der Idee eines Rechners, der wenig Software am Buckel, dafür alles Wichtige im Netzwerk hat, gingen die beiden schon Mitte der 90er-Jahre hausieren – damals erfolglos. Die Idee eines Net-PC (nicht zu verwechseln mit den heutigen Minirechnern, den Netbooks) eint die zwei und schmiedet auch die inoffizielle Allianz gegen Microsoft. Viele waren erleichtert, dass sich Ellison jetzt als weißer Ritter die schon leicht mitgenommene Braut schnappte. Alle Beteiligten lobten in einem Investoren-Call die „historischen Möglichkeiten der neuen Verbindung“. Die Mitgift ist in der Tat mehr als ansehnlich.

Tolle Morgengaben
Zum Interessan­testen bei Sun gehört sicherlich die Programmiersprache Java. Die ist so sehr ­integraler Bestandteil der Firma, dass sie im Börsenkürzel den Firmennamen ersetzt. Java läuft, geschätzt, auf einer Milliarde Endgeräten – vom PC bis zum Handy. Der Aussage von Ellison von „der wichtigsten Software, die Oracle je gekauft hat“ stimmen Analysten vollinhaltlich zu. Strategisch ist das aus zwei Gründen genial: Java hat eine ungeschlagene Installationsbasis in der Industrie und ist zudem Basis von Oracles eigener Middleware Fusion. Die zweite technische Topmarke aus dem Haus Sun ist das Betriebssystem Solaris, das in Verbindung mit Oracle-Datenbanken die meistgenutzte Plattform ist und durch eine engere Verzahnung der Entwicklerarbeit jetzt noch besser aufein­ander abgestimmt werden kann.

Konkurrenz-Datenbank im Paket
Eine relativ neue Mitgift ist die offene Datenbank MySQL, denn die hat Sun selbst erst vor einem Jahr zugekauft. MySQL ist eine besondere Genugtuung für Ellison, denn die wollte er schon damals für eine Milliarde Dollar haben und bekam sie im Paket nun sicher günstiger. „Mit MySQL hat Oracle einen Konkurrenten weniger oder kann ihn besser kontrollieren“, sagt Manfred Troger, Chef des Consulters Gartner. „Die Entwickler-Community ist hier aber besonders wichtig, und die ist schnell weg, wenn Oracle nicht rasch die Pläne auf den Tisch legt.“ Viel gibt es dazu noch nicht. Aber der ehe­malige MySQL-Chef Mårten Mickos sprang Oracle in einem „Forbes“-Interview bei. „MySQL wächst zwar wie verrückt, hat Oracle aber nicht wehgetan, weil MySQL vor allem bei Web-basierten Anwendungen stark ist. Wir hatten täglich 70.000 Downloads, als ich wegging. Das Geschäft macht schon Sinn“, argumentiert er.

Oracle als Komplettanbieter?
Wie glaubwürdig Oracle das Bekenntnis zu offener Entwicklungsarbeit (open source) in der Community darstellen kann, wird ebenso wichtig sein wie ein gutes Rezept für das bei Sun defizitäre Hardware-Geschäft, das für Oracle komplett neu ist. Dazu Troger: „Selbst wenn die Lieferketten schon sehr optimiert sind, stellt die Logistik bei der Hardware eine besondere Herausforderung dar.“ Klappt diese Integration gut, steigt Oracle endgültig in die Riege der Komplettanbieter auf und offeriert Hardware, Betriebssystem, Middleware, Storage, Datenbanken und Firmensoftware – alles aus einer Hand. Oracle matcht sich also mit HP und IBM genauso wie mit dem Erzfeind SAP.

Mit OpenOffice gegen Microsoft
Was etwa die Analysten von der Experton Group zudem optimistisch stimmt, ist die Tatsache, dass die Integration von Zukäufen zu den großen Stärken von Oracle gehört. Aufgeatmet haben dieser Tage auch viele Sun-Mitarbeiter. Mit der cleveren Portfolio-Ergänzung kann es gut sein, dass die für heuer angekündigten 6.000 Entlassungen bei Sun nicht in diesem ­Umfang erfolgen, administrative Doppel­besetzungen einmal ausgenommen. Und dann gibt es noch ein kleines ­Anhängsel an Büroprogrammen (OpenOffice.org), mit dem Ellison, so er dafür Verwendung findet, seinem Lieblingsfeind Microsoft weiter am Zeug flicken kann. MySQL-Mann Mickos glaubt jedenfalls fest daran, dass Ellisons öffentlich bislang nicht spürbare Liebe zu OpenSource sehr wohl besteht, und rät, ihn dabei nicht zu unterschätzen: „Er ist ein Querdenker.“

Von Barbara Mayerl

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