Der Club der toten Rechner

Der Club der toten Rechner

Schwere Probleme haben zwei Schwergewichte der Technologiebranche: HP und Dell leiden unter der rückläufigen PC-Nachfrage und asiatischer Konkurrenz. HP baut sich zu einem IT-Komplett anbieter um, Dell sein Portfolio auf.

Die Wörter Vertrauen und Geduld werden von US-Konzernbossen bei der Verlautbarung ihrer Geschäftszahlen selten strapaziert. Bei zwei Vorzeigeunternehmen der Technologiebranche wurden sie zuletzt sogar schon überstrapaziert: HP und Dell.

HP-Chefin Meg Whitman appellierte Ende Juli an das Vertrauen von Investoren, Kunden und Mitarbeitern, als sie den größten Quartalsverlust der 73-jährigen Firmengeschichte verkünden musste: 8,9 Milliarden Dollar. Michael Dell vom gleichnamigen PC-Bauer bat ein paar Tage zuvor um Geduld, dass der Konzernumbau noch mehrere Jahre dauern würde.

Der Pionier und das Ex-Start-up arbeiten sich im Kern an denselben Problemzonen ab - der aussterbenden Gerätekategorie des Personal Computers. HP ist nominell noch immer der weltgrößte Produzent von PCs und Notebooks, wird den Titel bald an den ambitionierten chinesischen Verfolger Lenovo abgeben müssen. Kein Hersteller hat im Jahresvergleich mehr an Marktanteil eingebüßt als die beiden US-Firmen: minus 11 Prozent. Rechnen die Analysten die junge Gerätekategorie der Tablets mit ein, liegt Apple mit seinen iPads längst auf Platz 1 (siehe Grafik ).

Beide Konzerne haben auf den Tablet-Trend reagiert, mit unterschiedlichen Rezepten, aber ähnlich unbefriedigendem Ergebnis. Dell stellte 2011 einen Tablet mit dem Google-Betriebssystem Android vor, um ihn kurz vor Markteintritt wieder zurückzuziehen. HP hatte mit dem TouchPad sogar ein Gerät mit eigenem Betriebssystem im Haus. Das HP TouchPad schaffte es Ende 2011 gar auf Platz 2 in den US-Verkaufscharts - weil es vom Konzern verramscht wurde. Dieser "Panikverkauf“ war der öffentlichkeitswirksame Höhepunkt eines einzigartigen Strategie-Chaos, das der Konzern in den letzten Jahren durchlaufen hatte. Der glücklose SAP-Chef Léo Apotheker hatte den Verkauf der HP-PC-Sparte bereits angezettelt, bevor er von Meg Whitman (siehe " Mächtige Managerinnen ") abgelöst wurde.

Brutale Kurskorrekturen

Die Margen sind dünn in der Herstellung von PCs und Tablets. Auf eigene Geräte zu verzichten können sich aber weder HP noch Dell wirklich leisten. Schlüssel zum profitablen Dienstleistungsgeschäft mit Wartungsverträgen für Firmen sind nun einmal die Rechner, egal wie sie aussehen. Der Zickzackkurs von HP war ein Desaster und begann sich auch auf das Firmengeschäft auszuwirken.

Im Hintergrund arbeiten beide Konzerne daran, das margenstarke Dienstleistungsgeschäft zu stärken, und rüsten sich dafür mit strategischen Zukäufen. HP hat hier ein historisches Erbe, auf das es aufbauen kann. Für Dell ist der Schwenk in Richtung Dienstleister schwieriger. Der Anteil des Hardwaregeschäfts macht bei Dell noch zwei Drittel des Umsatzes aus. Im Juli gab Dell 2,4 Milliarden Dollar für den Softwarespezialisten Quest aus. 2010 und 2011 waren Sicherheitsfirmen und Speicherspezialisten zugekauft worden.

Bei HP hatte noch Whitman-Vorgänger Apotheker einen Mammutdeal eingefädelt. Neun Milliarden Euro legte man für den britischen Datenanalyse-Konzern Autonomy hin, was gemeinhin als guter Coup angesehen wurde. Mit der Integration ins HP-Portfolio spießt es sich allerdings noch. Die Briten agieren "autonomer“, als es der HP-Chefin lieb sein kann. Sie muss nicht nur die jüngsten Akquisen integrieren und Geschäftssparten intelligent bündeln, wie sie es u. a. mit dem PC- und Druckerbereich vorhat. "Gelingt die Integration von Autonomy, haben sie ein neues starkes Standbein“, sagt Gartner-Analyst Manfred Troger, "wenn sie scheitert, beeinflusst sie auch andere Firmenteile negativ.“ Es liegt an Whitman, diese Übernahmen besser hinzukriegen als die von EDS und Palm. Bedauerlicher Nebenaspekt für die Mitarbeiter: Whitman muss bis 2014 acht Prozent der Belegschaft entlassen - 27.000 Mitarbeiter.

Derart an die menschliche Substanz gehen muss Michael Dell nicht. Er will das selbstverordnete Sparprogramm für die kommenden zwei Jahre - zwei Milliarden Dollar - durch Rationalisierungen hereinbekommen. Dell hatte schon 2007/2008 fast 9.000 Jobs gestrichen und späterhin in einzelnen Ländern wie Irland Produktionskapazitäten reduziert.

Kleiner Rettungsring

HP baut um, Dell baut sich auf. In einem sind sich die beiden Konzerne einig: Sie setzen auf einen - zumindest in der Vergangenheit - noch immer verlässlichen Rettungsring: Microsoft. Der Softwarekonzern bringt in den kommenden Wochen endlich seine neue Betriebssystem-Version Windows 8, die er auf der Funkausstellung in Berlin dieser Tage omnipräsent zeigt.

Windows 8 wurde von Testern und Verbrauchern im Vorfeld sehr gut aufgenommen. Damit könnte zumindest das über Jahrzehnte eingespielte Investitionsrad bei den Verbrauchern wieder etwas in Schwung gebracht werden. Wenn Microsoft ein neues System bringt, schaffen sich Millionen Nutzer auf aller Welt wieder neue, schnellere Rechner an.

Einen Wermutstropfen gibt es für Microsoft dabei allerdings: Von dem Schwung wird natürlich auch die asiatische Konkurrenz stark profitieren. Auf die Nöte seiner in der Vergangenheit wichtigsten Hardwarepartner kann Microsoft heute keine Rücksicht nehmen. Microsoft hat für Windows 8 erstmals selbst ein Tablet entwickeln lassen. Auf die zuletzt wirren Tablet- und Smartphone-Strategien von HP und Dell wollte man sich nicht verlassen.

Barbara Mayerl

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