Das trojanische Telefon: Nach Apple dringt nun Google in den Markt der Mobilfunker

Mit Google schleicht sich ein neuer Rivale ins Revier der Mobilfunker. Wird das Business-Modell des G1 an den Sensationserfolg von Apples iPhone anknüpfen können?

Schelmisch gegrinst haben dürfte Google-Chef Eric Schmidt während einer Telefonkonferenz im November 2007. „Ich bin ein glücklicher iPhone-Nutzer“, bekannte Schmidt an jenem Montagabend – einen Rivalen zu Apples Designhandy werde es von Google nicht geben. Rund ein Jahr später stand das G1, Googles Antwort auf das iPhone, in den amerikani­schen T-Mobile-Shops, seit Freitag dieser Woche ist das Gerät auch hierzulande erhältlich.

Mobilfunk-Revolution
Schmidt hat dennoch Wort gehalten: Statt um das vom taiwanischen Hersteller HTC gefertigte Endgerät geht es um Googles mobiles Betriebssystem Android, das Schmidt zufolge auf Tausenden Handys präsent sein soll. Auf dem Mobilfunkmarkt könnte der kalifornische Suchmaschinen-Gigant damit mittelfristig eine zweite Revolution einläuten. Wie ein trojanisches Pferd schleust Google seine Steuerungszentrale auf mobile Endgeräte und versetzt damit Nokia und Konsorten in erhöhte Alarm­bereitschaft, denn schon wieder dringt ein neuer Mitspieler in ihr angestammtes Revier ein – wie zuletzt Apple.

Oberfläche mit Wow-Effekt
Rückblende: Im Jänner 2007 stellt Apple-Chef Steve Jobs zum ersten Mal ein Handy vor. Der Computerhersteller und Marktführer bei mobilen Abspielgeräten hatte sein Credo – Produkte müssen einfach und intuitiv bedienbar sein – sehr überzeugend auf ein Handy übertragen. An die Stelle von technoiden Menüstrukturen rückte eine berührungsempfindliche Oberfläche, die bei den Benutzern für einen Wow-Effekt sorgte und die Konkurrenz blass aussehen ließ ( siehe Bild ). Hektisch brachten die Rivalen dann ebenfalls Geräte mit fingerbedienbarem Touchscreen auf den Markt und gaben so indirekt zu, einen entscheidenden Trend verschlafen zu haben.

Aus dem Stand an die Spitze
Ausgerechnet Apple zeigte der erfolgsverwöhnten Handybranche, wie das mobile Internet auszusehen hat, damit Benutzer es annehmen. iPhone-Nutzer sind 30-mal häufiger mobil im Netz als andere Smartphone-Besitzer. „Apple hat mit seiner genialen Benutzeroberfläche rapid Markt­anteile gewonnen“, sagt Roland-Berger-Analyst Julian Pötzl. Die Zahlen geben ihm Recht: Apples Handybetriebssystem konnte innerhalb eines Jahres seinen Marktanteil verfünffachen und steht inzwischen nach Nokias Symbian-System an zweiter Stelle. Inzwischen hat der Konzern knapp 14 Millionen Geräte verkauft und ist – gemessen am Umsatz – der drittgrößte Handyhersteller der Welt nach ­Nokia und Samsung.

Werbung geht online
Arthur-D.-Little-Geschäftsführer Karim Taga skizziert den Aufstieg: „Apple kommt zwar aus der Unterhaltungsindus­trie, hat sich mit seinem Betriebssystem, exklusiven Content-Deals und Umsatz­beteiligungen tief in die Wertschöpfungskette der Mobilfunker eingeklinkt.“ Erst vor wenigen Tagen haben die Analysten von Generator Research prognostiziert, Apple werde in fünf Jahren 40 Prozent des weltweit stark wachsenden Smartphone-Marktes beherrschen. Googles Vorpreschen stellt das allerdings stark infrage. Denn die Suchmaschinen-Milliardäre schicken sich an, ihr Geschäftsmodell auf das Handydisplay zu transferieren: Die Programme – schon jetzt gibt es vom ­Internetradio bis zum virtuellen Reiseführer über 700 Applikationen – sind gratis, entscheidend ist nur, dass unterwegs fleißig gegoogelt wird – und der Konzern so fleißig Nutzerinformationen und Werbeeinnahmen einsacken kann.

Allianz statt Alleingang
Anders als Apple versucht Google aber nicht, solo den Markt zu entern, sondern verlässt sich auf eine Reihe von Partnern. In der Open Handset Alliance hat Google mehr als drei Dutzend der wichtigsten Player aus Mobil­funk und Internet um sich geschart, die gemeinsam an mobilen Diensten für die Plattform Android arbeiten. Zur Koalition der Willigen gehören Mobilfunker wie China Mobile, Telefóncia, T-Mobile, Vodafone, alle Handyhersteller außer ­Nokia und Internetmarken wie eBay. Taga sieht diesen Projektansatz zweischneidig: „Ein Konglomerat verschiedener Player kann den Output erhöhen, kann das ganze System aber auch schwächen.“

Die Welt denkt mit
Googles mobile Massenlösung oder Apples design­fixiertes Premiumtelefon mit angeschlossenem Shop – welches Konzept wird die Kunden nachhaltiger überzeugen? „Beide“, glaubt Roman Friedrich, Partner der Unternehmensberatung Booz & Company und Europachef für den Medien- und Telekommarkt. „Beide gehen ihren Weg konsequent weiter. Apple bietet hochwertige Dienste gegen Bezahlung, Google verbindet freie Inhalte mit Werbung.“ Vielleicht sind sich die Wege der beiden doch ähnlicher, als die unterschiedlichen Businesskonzepte vermuten lassen, schiebt der Telco-Experte nach. Denn beide arbeiten mit offenen Plattformen, geben also nur das Grundgerüst des Betriebssystems vor und laden weltweit erfinderische Geister ein, spannende An­wendungen dafür zu entwickeln. Friedrich: „Anstelle von klassischer Produktentwicklung setzen sie auf den innovativeren Web-2.0-Gedanken.“

Verbindung zum Anwender
Apple verkauft inzwischen Tausende Miniprogramme für das iPhone und bekommt von jedem Download 30 Prozent, der Rest geht an den Erfinder. Die Cent-Fuchserei rechnet sich: Der AppStore machte im Sommer 2008 gleich vom Start weg eine Million Dollar Umsatz pro Tag. Carolina Milanesi, Analystin beim IT-Marktforscher Gartner, räumt mittelfristig trotzdem Google die besseren Chancen im Mobilfunk ein: „Apple hat über das Gerät eine starke Verbindung zum Anwender aufgebaut und verkauft Content. Google-Dienste sind zwar gratis. Die Möglichkeiten von Google, ins mobile Ökosystem einzudringen, sind viel weitreichender.“

Von Barbara Mayerl und Arndt Müller

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